Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 26.1911

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B. Schröder, Artemis Colonna.

jugendlich gebildet habe. Diese Charakteristica kommen seinem Enkel zu und ver-
lieren bei ihm alles besondere. Auffällig ist bei einem Zeit- und Schulgenossen Poly-
klets nur etwa das Motiv des Ithomatas und Zeus von Aigion, das den Meister von
archaischer Tradition noch abhängig zeigt; wenn er aber jugendliche Gestalten be-
vorzugte, so entspricht das ganz der Weise Polyklets. Vermutlich ist der jüngere Ha-
geladas diesem gegenüber kaum selbständiger gewesen, als wir es von den anderen
Genossen des großen Argivers (Naukydes, Phradmon, Dorotheos) annehmen möchten.
Berlin. A. Frickenhaus,

ARTEMIS COLONNA.

Das Berliner Museum besitzt in der Artemisstatue, die wir nach ihrem ehe-
maligen Besitzer, dem Fürsten Colonna, zubenennen, die Kopie eines griechischen
Werkes, das dem Geschmack des römischen Publikums in hohem Grade zugesagt
haben muß. Zeuge dessen ist die große Zahl der Kopien T), die, abgesehen von indi-
vidueller Verschiedenheit in Güte und Erhaltungszustand, darin übereinstimmen,
daß alle angeblich ohne den richtigen Kopf auf uns gekommen sind. Für das Berliner
Exemplar (Abb. i) 3) stellt die Beschreibung der antiken Skulpturen unter N. 59
fest, auf Grund des ältesten Fundberichtes und der Angabe von Augenzeugen der
Auffindung sei der Kopf als nicht zugehörig anzusehen. Als Bestätigung wird das
Aussehen der Locken am Ende des Haarschopfes angeführt, der aus schematischen
Drahtlocken bestehen und eine von dem Kopfhaar verschiedene Anordnung und
Arbeit zeigen soll.
Eine Untersuchung des Zustandes an der Schultergegend der Statue, vor Jahren
von FI. Schrader ausgeführt, ergab jedoch, daß der Kopf der Statue vermutlich schon
aufsaß, als der Hals, der mit dem Kopf aus einem Stück war, in der Mitte durchbrach,
denn der Bruch setzt sich hinten am Nacken in den Rand des Gewandes fort. (Abb. 2.)
Der Bericht, nach dem der Körper »senza testa« gefunden wurde, kann dabei sehr wohl
zu Recht bestehen. Es kann der Kopf bei der Entdeckung des Körpers gefehlt haben,
später hinzugefunden und wieder aufgesetzt worden sein.
Dies wird schon dadurch wahrscheinlich, daß auch auf der Replik im Palazzo
Corsini (Arndt-Amelung, Einzel-Verkauf 337) Reste eines Kopfes aufsitzen, die mit
dem der Berliner Statue übereinstimmen. Die Entscheidung gibt ein Fund aus den
preußischen Ausgrabungen in Milet (Abb. 3 a, b).
Flier kam im Schuttbereich des Nymphaeums der Oberkörper von einer neuen
Replik der Artemis Colonna zutage und zugleich —- wenn auch gebrochen, so doch
mit einem Teil des Bruches anpassend — der Rest des Kopfes; ein formloser Klumpen

Amelung, Die Skulpturen des Vatikanischen
Museums I 108. Dazu Tod und Wace, A cata-
logue of the Sparta Museum 167 Nr. 326, Abb. 47.

a) Verzeichnis der in der Formerei der königl.
Museen käuflichen Gipsabgüsse Nr. 110; der Kopf
allein Nr. 606.
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