Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 26.1911

Page: 48
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jdi1911/0058
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
48

E. Petersen, Meniskos.

Bei der Dresdener Artemis ist in derselben Art wie an den andern praxitelischen
Frauenköpfen das Haar in einheitlicher, nur oberflächlich gewellter Masse behandelt,
während es bei unserer Artemis in scharf voneinander gesonderten, ineinander
verschlungenen Strähnen nach hinten wallt; zumal die Locken am Ende des Schopfes
verraten eine andere Künstlerhand: hier altmodische Schraubenlocken, dort leicht
geschwungene Strähnen, die Enden des kindlich kurzgehaltenen und leicht zusammen -
genommenen Mädchenhaares ’). Es ist nur eine zufällige Ähnlichkeit der Tracht,
die die beiden Artemisstatuen verbindet, und ihre herkömmlich angenommene
Schwesternschaft ist zu scheiden. Die Folgerung ist dann, daß bei solchen Ver-
schiedenheiten auch die Artemis Colonna nicht praxitelisch sein kann.
So bestätigt sich unsere Auffassung von dem Werk und seiner künstlerischen
Art. Wir dürfen uns freuen, der ionischen Kunst des V. Jahrhunderts ein Werk zu-
zuerkennen, das ihr ohne Grund vorenthalten wurde, und sehen darin einen er-
wünschten Gewinn, zumal da wir nun den Kopf haben, den wir bei den meisten
Werken des ionischen Kunstkreises entbehren müssen.
Berlin. Bruno Schröder.

MENISKOS.
Der im Annual of the British School at Athens XV 1908/9, 149 Fig. 14, 2
abgebildete Gegenstand ist wohl der erste fn^vtoxo?, der uns zuteil ward. Eherne
Spieße, oßsXt'oxot, zur Vogelabwehr waren auf Köpfen von Statuen, auch an Ante-
fixen von Marmor und Ton bereits nachgewiesen (Athen. Mitt. XIV 1889, 233; Mon.
ined. d. Inst. Suppl. II 3), als billiger Ersatz bei hölzernen Priapen auch Rohrstengel,
arundo, aus Horaz, Sat. I 8, 6 (Trendelenburg, Wochenschr. f. kl. Phil. 1899, 134).
Von einst zahlreichen kleinen Spießen fand sich an der Marmorgruppe von Lokri
ein einziger noch am Platze (Röm. Mitt. V 1890, 204). Wo, wie hier oder an den
Metopenfiguren von Olympia, ganze Reihen solcher »Abwehren« nötig waren, ge-
nügten natürlich einfache Spieße. Die |i7]vtaxoi scheinen nur auf Köpfen von Statuen
üblich gewesen zu sein. Die Dreispitze, wie einer auf einem Antefixkopf von Cerveteri
erhalten war, könnten als Verbindung des einfachen oßeXidxo? mit dem fivjvGxo?
angesehen werden, obschon sich der pjviaxos vom Menelaion selbst als ursprünglich
dreispitzig zeigt. Entgegen meiner irrigen Auffassung war schon von verschiedenen
Seiten bemerkt worden, daß der jj.Tjvfcxoc nicht der Vollmond, sondern die Sichel
sei. Diese sehn wir auch an dem neuen Fundstück mit dem durchgehenden oßsXtöxos
verbunden. Am unteren Ende des Spießes haftet noch der Bleiverguß, mittels dessen
er, wie angenommen werden darf, im Scheitel des Steinbildes befestigt war. Das

T) S. die Abb. Furtwängler, Meisterwerke 555.
loading ...