Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 26.1911

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DAS GEGENSTÜCK DER LUDOVISISCHEN
»THRONLEHNE«.
Hierzu Tafel I im vorigen Hefte.
II. ZUR ERKLÄRUNG DER RELIEFS.
Bevor die Deutung dieser herrlichen Bildwerke in Angriff genommen wird,
ist zu fragen, was sich dafür aus der Gegenüberstellung der beiden Denkmäler als
xpareuTat eines Altars, die sich uns am wahrscheinlichsten erwies, ergeben mag.
Die gegenseitigen Beziehungen der Reliefs.
Solange L allein stand, zweifelte niemand, daß die Schmalseiten mit dem
Hauptrelief auch inhaltlich zusammengehören und aus demselben Gedankenkreis
zu erklären sind. Jetzt erkennen wir, zu glänzender Bestätigung jener Anordnung,
unzweifelhafte Paare von Gegenstücken x) in den beiden nackten Musizierenden des
rechten Flügels von B und des linken von L sowie — obgleich sie etwas weniger genau
übereinstimmen — in den zwei Bekleideten, der Frau mit dem Thymiaterion auf L
rechts und der Greisin mit dem ebenso hohen, abgearbeiteten Gegenstände vor ihr
auf der verkümmerten linken Schmalseite des B (Abb. S. 144 f., 148f.). Aber näher
betrachtet ist diese Responsion künstlerisch nicht genau genug durchgeführt, um
die Ansicht zu begründen, daß die Figurenpaare sehr eng zusammengehörten. Gibt
ihnen doch auch die angenommene architektonische Bestimmung der zwei Denk-
mäler einen beträchtlichen Abstand (S. 96).
In der Formgebung viel gleichartiger sind und bleiben die beiden Flügel des L,
nicht allein in den äußeren Umrissen, auch in den Proportionen und der Haltung
ihrer Figuren, besonders der Arme und Beine; dem übergeschlagenen Bein der Hetäre
entspricht andererseits das Thymiaterion und die linke Hand mit der Weihrauch-
büchse. Die Schmalseiten von B sind zwar sehr verschieden gebaut (S. 63), aber
doch mit der Front aufs engste verbunden. Der leierspielende Jüngling würde nicht
so vertraulich an der benachbarten Frau lehnen, wenn er gegenständlich nichts mit
ihr zu tun hätte. Dieselbe Verbindung betonen an beiden Seiten die Eckornamente
in ihrer ganzen Form und noch besonders durch die Wiederholung desselben Attributes
’) Dies sprach schon Mather aus, dann de Mot und weiterhin mit bloßem Verfassernamen
und Petersen, Vom alten Rom 4 145. Die hier citierten Schriften sind genauer angeführt in
den Anmerkungen auf S. 50 f.
Jahrbuch des archäologischen Instituts XXVI.

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