Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 26.1911

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DIE MOSAIKEN DES DIOSKURIDES VON SAMOS.

Am 28. April 1763 und 8. Februar 1764 wurden im Tablinum der später
wieder verschütteten sog. Villa des Cicero vor dem Herculaner Tor von Pompeji zwei
von Dioskurides von Samos signierte Mosaiken gefunden1). Beide stellen Komö-
dienszenen dar, das eine eine Gruppe von Musikanten, das andere drei um einen
Tisch sitzende Frauen. Bei der Auffindung des zweiten Bildes war Winckelmann
zugegen, der uns unterrichtet, in welcher Weise die Mosaiken am Boden angebracht
waren: »Diese waren in der Mitte eines Fußbodens von grobem Musaico eingesetzet,
dergestalt, daß sie nicht allein von den Seiten umher, sondern auch unten mit dünnen
Platten von Marmor gefüttert waren.« Die jetzige Umrahmung scheint noch die
ursprüngliche zu sein. Winckelmann erkannte auch sofort ihre künstlerische Be-
deutung und würdigte sie in seiner Kunstgeschichte2). Seitdem sind sie nur gelegent-
lich im Zusammenhänge anderer Untersuchungen besprochen, und nur das eine ist
oft, aber immer ungenügend abgebildet worden3). Noch nie hat man versucht, in
einer besonderen Behandlung ihrer künstlerischen, kunstgeschichtlichen und gegen-
ständlichen Bedeutung gerecht zu werden.
Die Szenerie des ersten und bekannteren der beiden Bilder (Abb. 1) ist äußerst
einfach. Über einem breiten, dunklen, grauvioletten Streifen, dessen Bedeutung
später zu besprechen sein wird, erscheint stark verkürzt der schmale Streifen des
weißen, leicht rötlich schimmernden Bodens, auf dem die Figuren stehen. Daß eine
Straße gemeint ist, lehrt der Hintergrund, die gelblich weiße Außenmauer eines
Hauses mit einem Teil der in verschiedenen grauen und violetten Tönen gehaltenen
Tür. Den oberen Teil der Mauer bildet ein gelber Streifen, der links oben die Künstler-
signatur enthält.

J) Winckelmann, Nachrichten v. d. neuest. hercul.
Entdeck. § 54 ff., Fiorelli, Pomp. Antiqu. Historia
I I5°, I55. Justi, Winckelmann II 362, 364.
2) Geschichte der Kunst, 12. Buch, Kap. 1, § 9 ff.
3) Neapel 9985 u. 9987; Guida d. Mus. Naz. 167 und
169; Mus. Borb. IV 34; Gerhard und Panofka
428, 21 und 434, 40; Ann. d. Inst. 1838, 153
Anm. 2; Brunn, Gesch. d. Griech. Künstler II
312; Martha, Archeol. etr. et rom. 265 Abb. 114;
Schreiber, Bilderatlas IV 4; Arch. Anz. 1895,
121 ff.; Dieterich, Pulcinella 218 f.; P. Gusmann,
Jahrbuch des archäologischen Instituts XXVI.

Pompei 423 f., PI. XII; Winter, Kunstgesch. in
Bildern I 94, 2; Engelmann, Pompeji 32 Abb. 42;
Lucas, Röm. Mitt. XVII 1902, 127; Gauckler,
Daremberg-Saglio III 2, 2097 f.; G. Körte, Röm.
Mitt. XXI 1907, 2; Rodenwaldt, Komp. d. pomp.
Wandgemälde 4. Wie uns P. Herrmann mit-
teilt, werden beide Mosaiken in der nächsten
Lieferung der Denkmäler d. ant. Malerei zu-
sammen mit den in derselben Villa gefundenen
Gemälden abgebildet werden. Für die Inschriften
vgl. Kaibel, I. G. XIV 703 u. unten S. 17.
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