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Aus dem üiinstlerltben.


Herr General-Intendant, ick muß Sir
dringcnd ersuchen, mir das Heraus-
kommen, wenn ich vom Publicum ge-
rufen werde, auf das Mcrstrcnqste zu
untersagen. Das ist ja wirklich nicht mehr
auSzuhaltcn!

^LsSkillet- s,L8 -
der Liguranlin Lannx Ronnrburch an Herrn Paul Laglioni.
Mein Herr und Meister — des Ballet«!
Nicht wahr, Sie haben cS nicht erfunden? Nämlich das neue Ballet vom letzten Sonnabend! Diese
„Ballanda" muß Ihnen ein Professor der Naturwissenschaften geschrieben haben, der den Glauben au»
der Welt gebannt wissen und nur noch an« Wissen glauben will, der die nüchterne Ucbcrzcugung von
dem, was oben im Himmel hinter den Coulissen vorgeht, wie die Wolkcnwagen zusammcn-
hängen, wie Blitz und Donner gemacht werden, wie die Bersenkunqen gehen und wie die
Engel im Negligöe a uSschen — allen göttlichen Begriffen von der menschlichen Unbe-
greiflichkeit verzieht.
Denn Sie, als südlicher Mann der Praxi«, als geborncr Jtaliäncr und schöpferisches Genie der herr-
lichen Illusionen von „Thea" und „Satanclla," Sie müssen wissen, daß da«, waS Sic und wir wissen,
die Menge nicht wissen darf, nämlich „wie c« gemacht wird."
Die moralische Aufgabe de« Ballet« ist die Poesie des Glauben« zu belebe», den klügelnden Verstand
auSzutreiben, die Gebeugten wieder auszurichtc» und die lechzende Menschheit au« der trocknen Wüste der
Gegenwart dahin zu führen, „wo cs schön ist."
Wenn aber aus einer so stolzen Bühne, wie die de« königlichen Opernhauses ist, vorn an den Lampen ge-
zeigt wird, wie cS hinten bei un« auSsieht, wie unsere Grazie und unser Lächeln nur Angstschweiß und Kinn-
backenkramps, unsere reizendsten Stellungen nur Productc orthopädischer Heilgymnastik sind, dann — adieu,
Louise, fermer I» cloppe!
Denn was anders trägt wobt die Schuld an der allgemeinen Unbehaglichkeit, als das politische Ballet
von 1848, in welchem, wie in „Ballanda", das ganze geheime Räderwerk der SlaalSmaschincrie mit allen
Stricken, Staub und Schmutz dem profanen Auge der Menge össentlich bloß gelegt wurde? Und was wird
gcthan und noch gethan werden müssen, che man den Leuten da» aus dem Gedäcktniß bringt, was sie hinter
dem Vorhang gesehen haben, wa« Costume, Dekorationen, Beleuchtung und Perspective ganz allein vermögen,
und wa« für Menschen sich eigentlich hinter de» Coulissen hcrumtrcibcn! Also schreiben Sie
rasch ein neue» Ballet, um das alte vergessen zu machen, und gestatten Sic mir Ihnen Worte zu sagen, die
ein alter, würdiger Diplomat mir einst vertraut bat: „Man soll seine schmutzige Wäsche nicht vor
der Welt waschen," und „was man nicht im Kopfe hat, da« muß man in den Beinen
haben!" Ich verharre
mit ganzem Nimbus
Fanny Ronneburch.

LPcr- «Quartals - Schnadahupferl- Vuctt.
Schnitze. Der Friede ist fertig, Europa ist still,
Müller. Und Rußland gebändigt — am ersten April.
Schultzc. Die Frcmdenlcjion wird, janz so wie die Bill
Müller. Sie verschreibt, vollendet — am ersten April.
Schultzc. Der Kaiser wird sicher — er weiß was er will —
Müller. Abreisen zum Sturm- — am ersten April.
Schultzc. In Oesterreichs Kaffen die Hüll' und die Füll'
Müller. Von Jelbern wird liegen — am ersten April.
Schulyc. Am Bundestag endlich ein Herz und ein Will'
Müller. Wird herrschen auf ewig — am ersten April.
Schultzc. Und Hoffen und Harren — so spricht Meister Till —
Müller. Macht Manchen zum Narren — am zweiten April!
Ein neues Stcncrprojccl ist dem Schooße unserer städtischen Nationalökonomcn
entsprungen: sämmtlichc Prival-Gaöflammcn sollen besteuert werden.
Durch den Aufschlag auf brennbare Luft kommen diese Herren dem
edlen Ziele, den Bürgern Luft und Licht thcucr zu machen, immer näher.
Warum ist zwischen den Mächten der Wiener Confcrcnzcn ein Vergleich
fast undenkbar?
Weil sich Frankreich nicht mit England, und Oesterreich nicht
mit Rußland vergleichen kann.
Und wen» der Vergleich doch zu Stande kommt, warum wirb er nie
in rechten Gang kommen?
Weil jeder Vergleich hinkt.
Die Englischen Officicre baden i», Lager vor Scbastopoi Wettrennen
veranstaltet. Es ist die» die einzige Art, in der sic den Franzosen zeigen
könn--., daß sic zu siegen, ein Ziel zu erreichen und einem Andern
e- e Nasenlänge zuvor,ukommcn versieben; die einzige Art auch, um die Fran-
zösischen Berichterstatter Lügen zu strafen, welche behaupten, daß die Eng-
länder nicht vom Flecke kommen könnten.

Neueste telegraphische Depeschen.
Pari«. (S. d. B. v. 2l.)
Endlich nach sechs langen barten Mona Ic» wird Sebastopol fallen.
St. Petersburg (S. d. v. 28.)
Wir können und müssen die obigen Mitlheilungcn des Moniteurs nur
bestätigen: Die Franzosen und Engländer werden Sebastopol fallen
lassen. _
Der größte Goldklumpen der bis setzt in Californicn gesunden worden
und li>» Psund wiegt, befindet sich für die Welt-Ausstellung bereits in Paris,
dürfte jedoch bald eine andere Bestimmung erhalten. Man bat nämlich die
Absicht aus dem Klumpen eine Bombe zu gießen, diese nach der Krim zu
schicken und sie aus den Laufgräben in das Palais Gortschakoff zu schießen.
Würde auch nicht gleich Sebastopol, so würde doch vielleicht scinCom-
mandant dadurch von den Franzosen eingenommen werden.
Zu dem Berliner Frack für die Pariser Ausstellung, der gleichzeitig auch
als Beinkleid und Weste brauchbar, bat sich ein Scitcnstück gefunden: ein
Helm, der zugleich als CorporaiShut und als Schlafmütze ge-
tragen werden kann.
Die Beschlüsse der Wiener FriedenSconsercnzlcr sollen nicht veröffentlicht
werden. Mögen sie — ein ewiges Gehcimniß bleiben!
Das »äournni llu Xoril" soll dcßbatb nicht erscheinen, weil man
in einflußreichen Kreisen der Französischen Sprache nicht gewachsen
zu sein scheint.
Für gewisse, möglicher Weise cintrctcnde Fälle ist Rußland bereit, die
Bauern in Polen von den Frohndicnsicn zu cmancipire».
Rußland denkt wie ein guter Schachspieler: der Sieg ist stets aus dessen
Seite, der am bcßtcn mit den Bauern zu spielen versteht.
 
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