Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 30.1877

Page: 446
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ÄaS grollst du, Allah? Warum hast die Blicke
Du abgewandt von mir, dem treuen Knechte,
Mich preisgegeben herbem Mißgeschicke
Und mir gelähmt die kampfbereite Rechte?

Von dir entstammt, Hab' ich zum Schwert gegriffen,
Und stürzten in die Schlacht sich meine Heere;
Die Donner rollten und die Kugeln pfiffen,

Wir aber standen trutzig, dir zur Ehre.

Wir wußten ja: wie Schweres uns betroffen,
Und ob der Feind uns droh' mit Tod und Ketten,
Noch dürfen wir auf Sieg und Freiheit hoffen,
Es lebt ein treuer Freund noch, uns zu retten.

Wie im Gebet wir fromm gen Osten schauen,
Wenn uns am Morgen weckt deS Tempels Rufer,
So blickten wir mit gläubigem Vertrauen
Hin zu der blauen Donau grünem Ufer.

Er schilt mich grausam, und mit finstern Wort-,
Bedräut auch e r mich. O die Diplomaten!
Sind menschlicher als wir des Feinds Cohoyei,»
Was thaten wir, das nicht auch Jene thaten,
Er wendet ab sich, und der Roffe Hufen
Gibt er mich preis und neuer Feinde Mafien.
Kljer» Hungaria! — Hab' ich einst gerufen;
Mich hat der letzte Freund, ich bin verlafien.

Und wuchtig sausten unsre Hiebe nieder,

Von Sieg zu Siege schritten kühn wir weiter;
Doch stets aufS Neu' erhob der Feind sich wieder,
Und in die Lücken traten neue Streiter.

Wir aber haben nie an deinem Walten
Und nie verzweifelt auch an deiner Liebe;

Wir glaubten fest an unfern'Gott, den alten,
Und holten aus zu neuem scharfen Hiebe.

Dort lebt der Freund, dem einst wir Obdach gaben,
Als ihn der Arm des Henkers wollt' erfaffen,
Den wir gespeist, getränkt, behütet haben;

Er kann, er darf, er wird uns nicht verlaffen!
Doch heut? — Wie sollt' ich nicht zu Vieser Stunde
Verzweifeln schier an deiner Gottesstärke,

Da ich mit meinem Todfeind fest im Bunde
Der Freunde Letzten seh' zu bösem Werke!

Und Allah schaut, wie uns die Wilden morl«.
Wie wir zerstampft sind von der Roste Stitta:
Was, Allah, ist aus deiner Macht geworden!
Dein Scepter ist dem schwachen Arm entglitte»!
Doch wenn du noch vermagst den Ann zu strecke».
Dann hör' die Bitte, die ich zu dir sende:

O gib ein rasches Ende mir mit Schreckei!
's ist bester doch als — Schrecken ohne Ende.

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In Centralafrika liegt ein kleines Fürstenthum, Asinusia genannt,
welches im Rufe der höchsten Wohlfahrt seiner Bewohner steht, und diesen
Ruf hauptsächlich den unvergleichlich weisen und billigen Einrichtungen ver-
dankt, die dort auf dem Gebiete der Gesundheitspflege getroffen wurden.
Seinen Namen verdankt es folgendem Ereigniß: Ein dortiger Arzt beob-
achtete, daß ein an der Mutterbrust genährtes Kind unter den Symptomen
einer Kupfervergiftung erkrankte und starb. Seinen Bemühungen gelang
eS, nachzuweisen, daß die Mutter stets im Portemonnaie viel Kupfergeld
bei sich trug, und es war augenscheinlich, daß die Ausdünstungen dieses
Kupfers gesundheitsschädlich auf Muttermilch und Kind wirken mußten,
weßhalb die fürstliche Regierung zunächst alles Tragen von Kupfergeld
untersagte. Als diese Maßregel aber unausführbar erschien, verordncte sie, daß
alle Neugeborenen nicht mehr von der Mutter- oder Amnicnbrust, sonder«
durch EselSmilcki genährt würden. Seit jener Zeit — es ist nun 50 Jahre
ber — ist die Eselszucht im Fürstenthum eine sehr ausgebreitctc und wird
durch den Umstand unterstützt, daß die großen Rieselfelder durchweg mit
.Disteln, welche da am beßten gedeihen, bepflanzt werden.

Außerdem sind im Lauf der Zeit alle Fabriken von Schweinftirtcr Grün,
Bleifarben, Cyankalium und anderen Giften vom Staat angekaust, abge-
brochen, und das leere Territorium ist mit Disteln bepflanzt worden.
Seitdem crfteut sich das Fürstenthum eines besonderen Wohlstandes; denn
die Errichtung von großen, mit Vorder- und Hinterventilation versehenen
Volksschulen, die Anlage von Wasserleitungen aus Hartglasröhren, die
Berieselungseinrichtungen, welche eine Drainage des ganzen Fürstenthums
bedingten, lieferten nach zehnjährigem Bestehen das überraschende Resultat,
daß die Sterblichkeit, welche vor 10 Jahren 60 vom Tausend betrug, jetzt
schon auf 599,'io gesunken ist, wobei jedoch das Militär nicht einmal mit-
zählt. Ta sich nun herausgestellt, daß die Keime der ansteckenden Krank-
beiten, Cholera, Typhus, Masem, Scharlach u. s. w. in der Luft schwärmen,
so weiden zur Zeit derartiger Epidemien alle vcntilirten Schulen geschloffen,
weil durch die Ventilation die mit Ansteckungsstoff geschwängerte Luft in

die Schulzimmer gelangen könnte, und nur die nicht ventilirten §**3
kleiner armer Dorfgemeinden setzen den Unterricht fort.

In neuester Zeit ist das Tragen vergoldeter und versilberter Uhren md
Schinucksachen verboten worden, da ein Arzt beobachtet, daß eine 3®:.
welche ein vergoldetes Armband trug, Schwindelanfälle bekam, und
gleich erfuhr, daß die Vergoldung durch Cyankaliumlösung bewertlickÄ
worden, weßhalb auch die Fabrikation dieses Giftes und die galvaiistc
Vergoldung und Versilberung auf Antrag des Gesundheitsraths im pqn
Fürstenthum verboten wurde.

Ein Theaterarzt entdeckte in dem grünen Anstrich der Co Mn
die alleinige Ursache der öfteren Indisposition der Schauspieler und Au-
spielerinnen; der Gesundheitsrath verordnet« sofort das Schließeii -ln
Schaustellungen, bis die Bäume und Sträucher von den Decoratiom
schwarz gemalt werden, da Ruß die unschuldigste aller Anstrichsaibeil sä

Die Untersuchung des Meteoritenstaubes hat ergeben, daß derselie
aus Arsenik, Kobalt, Nickel u. s. w. besteht. Da diese Stoffe säniallH
Gifte sind, so hat der Gesundheitsrath verordnet, daß zur Zeit des Steri-
schnuppenfallcs Niemand die Straße betreten darf. Da diese Anoiduwr
nichts half, so wurde den Sternschnuppen das Fallen überhaupt verboten.

Alle diese und ähnliche weise Einrichtungen hatten nicht nur, wie ofa
bewiesen, den günstigsten sanitären Erfolg; auch der allgemeine Wohlstaud
hat sich in Folge der Errichtung von großen Schulpalästen, Wafferleituugeu.
Drainagcanlagen so gehoben, daß jeder Hausbesitzer jetzt, bei z. S. WM
Mark jährlicherMiethseinnahme, I2,60<)Mark anSteuern undAbgadea
zu entrichten hat. Deßhalb beabsichtigt die ganze dortige Bevölkerung de»
Gesundheitsrath auf einem hochgelegenen Distelfeld ein großes ^arional'
denkmal. mit bezeichnenden Emblemen ausgestattet, zu errichten. fflls
europäischen Staaten aber seien die sanitären Einrichtungen des amfü-
Nischen Fürstenthums Asinusia zur Nachahmung auf das angclcgcntliW
empfohlen.

Enthüllung der Eunossu-Kmlc. ''3^

Zur

Bei Harzburg steht ein Stein, der spricht:
„Nach Canossa gehn wir nicht!"

Auf dem Burgberg steht er oben;

Ruhig in des Sturmes Toben,

Ruhig in der Sonne Sttahl
Blickt er in das Radau-Thal,

Späht er in daS weite Sand.

Wohl dir, Stein, nun halte Stand!

Bei Harzburg steht ein Stein, der spricht:

„Nach Canossa gehn wir nicht!"

Eingemeißelt auf dem Stein

Ist ein Kopf — weß kann der sein?

Mit dem dreigespaltnen Schopf
Zst's ein ächter Bismarckkopf.

Hier, umrauscht von Buch' und Eiche,

Ist ein guter Platz im Reiche.

Auf dem Felsen, hoch und ftei,

Steh' er lange, fest und tteu!

Bei Harzburg steht ein Stein, der spricht:

„Nach Canossa gehn wir nicht!"
Wenn der Papst de» Frieden will,

Wenn er ruhig sich und still
Fügen will zu seinem Fwmmen,

So mag er nach Harzburg kommen;
Auf den Burgberg mag er steigen,

Vor dem Steine sich verneigen,

Zu der Säule ftiedlich ziehn —

Wenn er's büld thut, gut für ihn!

Bei Harzburg steht ein Stein, der spricht-
„Nach Canossa gehn wir nicht!"

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