Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 30.1877

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Jir. 33.

Berlin, den 2. Derembrr 1877.

XXX. Jahrgang.

60?-

Serßifdiß IDoriicngeiCanEen.

Donnerstag, den 6. Dccember.
Der Türke könnt' den Tod mir geben;

Er aber brachte mich nicht um,

Er jchenktc Frieden mir und Leben.

Der Thor! Warum war er so dumm I

Freitag, den 7. Deceinbcr.
Undankbar! Nur dcni Muth'gen schenken
Die Götter Ruhm. Doch wer den Blick
Noch hält auf flttlichc Bedenken,

Der weiß halt nichts von Politik.

Sonnabend, den 8. Deceinbcr.

Mein Wort, dir sei eS zugcsprochen!

Ich folg' nur deine», Siegeslaus!

Dem Türken Hab' Ich's zwar gebroch
Dir halt'ich Wort - mein Wort da

Kladderadatsch.


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triusLNtl MMteis.

ein, ich kann mich nrrijt entschließen,
^((oi'Vuiiö mich übcrkommt ein Grau'n!
Zoll ich tapfer hau'n und schießen,
GLer Friedensbrückcn bau'n?

Wag' ich mit gcmalt'gc» Streichen
Mich verwegen ins Gefecht?

<Vdcr soll zurück ich weichen? —

Wie ich's mache, mach' ich's schlecht!

Zoll ich sanfte Worte tauschen
Mit dem Volk, das mich bcliriegt?

Zoll dem Zchmeichelfang ich lauschen,

Der in sanften Traum mich wiegt?

Zoll ich mich in Dcmuth neigen
Oder mit beherzter Zeel'

Auf zu blut'gcn Ehren steigen? —

Wie ich trete, Irrt' ich fehl!

Zoll ich mich der Ruh' hieniedcn
Oder wildem Kampfe tveihn?

Pstüge oder Schwerter schinirdcn,

Amboß oder Hammer sein?

Zoll ich fest und ungebrochen
Auf den Schein, der inich berief
Zur Gewalt, jetzt stehn und pochen? —
Wo ich stehe, steh' ich schief!

Grsvis spricht: Mit schönstem Lohne
Lohnt das Volk einst edle Thal;

Mach' dich wcrth der Sürgcrkronr! —
Aber ernst spricht mein Senat:

Rein, zu goldncr Krone Spendung
List von Gott du auscrschn.

Mach' dich würdig solcher Sendung! —
Loch ich weiß halt nicht — für Wen?

Zagt mir, wem zum Schmucke dienen
Zoll die güldne Krone wohl?

Hier die Lilien, dort die Kienen,
Kort des gnll'schcn Hahns Symbol!
Zagt, für welches Herrn Gemalten
Ich die Krone wahren kann?

Mö'cht' sic gerne selbst behalten —

Doch das geht wohl noch nicht an!

Sagt, für Wen nun soll ich streiten?
Welcher Fahne dienen frei?

Wem soll ich den Weg bereiten.

Daß er hier einst Herrscher sei?

Einen Wink — ich steh' inbrünstig —
Gib mir, Herr im Vati ran!

Sprich, wem bist du, Hcil'ger, günstig,
welcher Fahne zugcthan?

Einen Wink, mich zu erlösen
Aus der grausen Hcrzensqual!

Denn es höhnen mich dir Lösen
Und mich schilt mein Ehgemahl,
Und die Senatoren alle
Rufen mir in Arngsten zu:

Schütz', o Herr, uns vor dem Falle:
Wenn mir fallen, fällst auch du!

Gib den Wink mir! Zeige endlich
Dich mir Aermstcm gnadrnvoll,

Daß mir werde klar erkenntlich,
Was ich Ihnn und lassen soll:

Daß mir mög' drin Segen sprießen,
Und die Dresse schweige still,

So da spottet: Laßt ihn schießen;

Senn er weiß nicht, was er wil

IT

Ullddcmdntsch.
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