Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 39.1886

Page: 479
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Müller. Set möchte blos wissen, ob es mit den Krieg wirklich so'ne
Eile hat, wie man überall zu lese» kriegt? Bleichröder» hat Er sich ooch
neulich schonst nach Varzin komnien lassen. Ick kann keene Nacht mehr
schlafen.

Sch ul he. Ach, Unsinn! Vorläufig schießen blos die Zeitungsschreiber
druf los. Es is aber merflentheils »ich jehaue» un nich jestochen.

Müller. Na woher wissen se den» aber allens?

Schul he. Jar nischt wissen sc. Aber eener will eS immer besser
wissen als der andre, und so wird die Menge Stoob ufjewirbelt.

Müller. Ja, manchmal is es wirklich, als ob Brauer und Schlächter
in Zeitungen Wette fahren, deß eenen Hören und Sehen verjeht.

Schnitze. Bis die Norddeutsche Alljemeine mal wieder mit '»Spreng-
wagen damang fuhrwerkt.

Müller. Aberst.wie is es den» mit die neuste Broschüre, worin der
nächste Krieg schon haarkleene beschrieben is, mit die zwee Fronten?

Schultze. Immer hübsch abwarten. Vielleicht läßt die eene Front noch
rothe Zettel drucken, und denn wird uns wol die andre noch jewogen
bleiben!

Müller. Schultze, du jibst mir meine Ruhe wieder.

Luch ein Uortfjeif.

Kaum ist die Jubiläums-Ausstellung geschlossen, so beräth auch schon
eine Versammlung darüber, ob der vielbesprochene Obelisk nicht doch auf
dem Potsdamer Platz aufgestellt werden soll.

Nun, unsertwegen! Dann sind doch wenigstens künftige Ausstellungen
vor ihm sicher.

Entwurf einer Zssat-Ürdnung

für die Lehrer dcS Hanauer ilreiscS.

Es ist zu wünschen, : baß Lehrer überhaupt nicht Skat spielen. Die
'Jungen, mit denen sie sich beschäftige» sollen, finden sie in ihrer Klasse, aber
nicht auf dem Kartentische. , .

Das Spielen in öffentlichen Localen, das schon hinreichend von Juristen,
Medicinern, Kaufleuten u. s. w. besorgt wird, ist den Lehrern unbedingt ver-

Das Spielen zu Hause ist unter Umständen gestattet, doch hat der In- I
Haber der Stube acht Tage vorher schriftlich die Genehmigung des Herrn I
Landraths zu erbitten. Die Namen der Mitspieler sind dabei genau an- I
zugeben. , , *

Das Spielen um Geld, das in allen anderen Ständen eifrig geübt wird,
ist den Lehrern als unsittlich strengstens untersagt.

Das Ausspielen von Bier lsog. Bierskat) ist um so weniger gestattet,
als überhaupt der Genuß von Getränken während des Spiels verboten
werden muß. Eine Gestattung desselben würde einer directen Verleitung zum
stillen oder Haus-Trunk gleichkommen. Gegen den mäßigen Genuß von
Wasser ist nichts einzuwenden

Der Kreissecretär hat das Recht, das Spielzimmer zu jeder Jjeit zu in
spiciren und über die genaue Befolgung des vorhergehenden Paragraphen
zu wachen. ,

Am besten ist es,-wenn bei dem Spiel auf jeden Einsatz verzichtet wird;
soll aber durchaus um etwas gespielt werden, so darf dies nur die Ehre
sein. Diese Bestimmung ist zugleich geeignet, dem sogenannten Mauern ent-
gegenzuwirken. , , jj

Soll das Spiel einen schärferen Charakter annehmen, so kann ans- 9
gemacht werden, daß derjenige, welcher beim Schluß am schlechtesten steht, 9
eine kleine Rede, ein Sonett, oder mindestens ein Schnaderhüpst zum Lobe
des Landraths zu. improvisiren hat.

Soeben erschien in unserem Verlage »nd ist in allen Buchhandlungen vorräthig:

Hundert Jahre

>en Quelle» bärgest eilt 1

Rudolph Geilte.


S« December dieses Jabres sind hundert Jahre verflogen, scitde», die .Königlichen Schauspiele" in Berlin als .Königliches Institut" bestehen. — Die an interessanten
Erscheinungen so reiche Zeit bat in Rudolph Ge»6e einen Geschichtsschreiber gesunden, der durch seine weit über Deutschland hinaus anerkannten Werke über Shakespeare
wie durch seine »Lehr- und Wandersahrc dcö deutschen Schauspiels" als der dasür Acrusenste anerkannt werden muß. Daö Buch enthalt eine Fülle deS Nenen und Inter-
essante» und zeichnet sich sowohl durch grobe Zuverlässigkeit, wie durch anschauliche und scsielnde Darstellung auS. ES ist mit elf Porträts der hervorragendste» Directoren
. und Schauspieler, sowie mit Abbildungen der beiden srüheren Schauspielhäuser geschmückt. Die Ausstattung ist eine sehr elegante.

Preis Mark .V-.

In demselben' Verlage erschien und ist durch alle Buchhandlungen, Eisenbahn-Büchcrverkäufer k. h\ zu beziehen:

Der

>MsL«Ls«1sr im Utillffsiilifli

für 1887.

Herkmsgegeben von den Gelehrten 'des Kladderadatsch.

Mit'55 Illustrationen von Z§. Scholz, A. Zöanznra und (K. Ajraudt, und II Autographen.

-— Preis in Buntdruckumschlag 1 Mark.-

Illhal! ! Vorrede. — Bollstäiidigcü Kalendarium. — Die zwölf Monate mit St Illustrationen. — Entstehung, Wese» und Begriff der Antogranimatik und
ihre Bedeutung für die Erlcuulniü der physiologisch-pshchologischc» Entwicklung iudibidueller Abstraction von Pros. vr. Ean Cornelius. Mit Jllustra-
tioncu und Schrijiproben. — Tas Dlaubcergeistchcn. Jliuslrirt. — Das Wissen der Neuzeit. - Ter Aufbruch zur Souimerrcife. Jllustrirt. — Tic neuesten
wunderbaren Entdeckungen und Ernndungeu von K- D. Ilmkolici. Mit > Illustrationen. — Berliner Sonntagüreitcr. Mit t Illustrationen. — Ter Gurkensalat und
die Nibelungen. - Aus der Gejellschast. - Güstens Brief an die in, Bade weilende Herrschaft. Mit 2 Illustrationen. — Ausflüge in vertikaler Richtung. Jllustrirt. -
Bruchstücke aus dem Eollcgienhcste des Archäologe» Schnüffler im Jahre 12587 <r,,r. Geb. - Dichter? Mailied. Jllustrirt. - Ter Fluch des Partci-

untccschicdcs. Mil 2 Illustrationen. — An meine Stirnlockc. Mit 2 Illustrationen. — Album der Poesien. — Goelheaua. - Der Geist der Tantc. Mit
2 Illustrationen. — ilkeucste Nachrichten ans lltopia. Jllustrirt. — Der verwandelte Waid. — Ein Blatt ans den: Tagebuch von Elfriede Schultze. Jllustrirt. —
Moderne Licbeskläuge. Mit 4 Illustrationen. — Kritik des Noahkastens. Mit 4 Illustrationen. — Stimmungsbilder von Gottlicb Po» der Radaunc.

Merlin, November 1886.

A. Hofmann & Comp, in Berlin W.; Kroiienstrahe 20.

Hierzu zwei Beiblätter.

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