Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 52.1899

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Heinrichs Kommando in Oflafien, das ursprüng-
lich bis Herbst 1894 lausen sollte, ist bis zum
Sommer 1990 verlängert worden." Das Ist sehr
unwahrscheinlich. — St. b. H.: Ehrn-Sigl
hat die Entdeckung gemacht, dle ohne Zweisel
vor ihm Ahlwardt schon gemacht hat, daß
Dr. Lieber jüdischer Abstammung ist. Er bat
es ihm an der Naic angesehen und nennt ihn
in Nr. 60 seines „Bayerischen Vaterlandes" den
„Judenstämmling Lieber". Sigls Vermuthung
hat etwas für sich, besonders dasür spricht
Liebers Neigung zu Handeisgeschästcn mit der
Negierung. So ivundeibar wäre es nicht, das;
ein gelauster Jude daS Centrum anführte, hat
doch auch ein „Judenstämmling" namens Stahl,
von Geburt ein Bayer, einmal die conservalive
Partei in Preußen angesiihrt. lind ist bei Sigl
die christliche Abstammung so ganz sicher? Nana!
— B. A.: Schön sagt Kilian Specht in
einem Neiscbries von der Riviera (s. „Feld Post"
Nr. 67): „Die mehr oder minder schöne» Oteros,
die hier (tn Monte Carlo) ihr Winterlager aus-
geschlagen haben, blieben dem Balle lzur Ein-
weihung des Palace-Hotels! sein, und mit ihnen
fehlte die ganze lolle Lebewelt, die in diesem
Paradiese vom Purzelbaum der Elkenntniß
nascht." — Dr. SB.: In der .FreisinnigenZtg."
(Nr. 64) ist zu lesen: „Eine Darstellung des
Berliner Cvrrespondenten der „Franks. Ztg."
sübrt in Uebereinstimmung mit uns auch aus,
daß die ernste Situation auch den verantwort-
lichen Ralhgebcrn der Krone plötzlich und un-
erwartet gekommen sei. Plötzlich sei, gewiß zu
seiner nicht angenehmen Uebcrraschung und gewiß
auch nicht zur Freude anderer vcraulwortlicher
Rathgeber entschieden worden, daß auf der ganzen
Vorlage zu bestehen und mit der Auslösung zu
drohen sei." Bisher hatte man noch nicht be-
stimmt gewußt, daß jener Correspondcnt zu den
verantwortlichen Rathgeber» der Krone gehört,
>ktzt bestätigt er es aber selber, also muß es

Celle. Dr. B.: In der „Anistellnng der
Beschäler des Königlichen LandgeslütS zu Celle
Ittr die Deckzeil 1899" <!. Cellijche Zeitung"
vom 20. März) ist u. a. ausgesiihit: ,.Rr. 16:
Beschälslalion Celle. Name dcS Beschälers
QuInIriS, Farbe HIbr., GeburlSjabr l 186." Das
ist ein ungewöhnlich bejahrter Gaul. Wir hätten
nicht gedacht, daß so alte Hengste »och brauchbar

Chemnitz. R.: In dem Bericht des ..Chem-
nitzer Tageblatts" vom 17. März über ei» Concerl
des Chemnitzer Lehrer-Gesangvereins wird von
einem Sänger gesagt: „Wenn er. um die Details
der Lieder an sich deutlich zu schildern und unter
sich klar von einander abzubeben, zuweilen das
Charakteristische auf Unkosten des Schönen hervor-
hebt, so werden auch dies manche ihm als Vorzug
anrechnen, während wir darin seine Achillcssaust
erblicken." Der Kritiker scheint damit einen
schwachen Punkt In den Leistungen des Sängers
bezeichnen zu wolle», das stimmt aber nicht,
denn dicFäusle Achills waren gesund und kräktlg.

Deutsch-Etzlau. N.: Im „Geselligen" <Nr. 64)
ladet der Besitzer des „Katserhois" ln Jablonowo
zu einem großen Bockbiersest ein und bemerkt
dabei: „Von 10 Uhr ab fährt stündlich ein Leiter-
wagen durch den Ort." Bei einem Leiterwagen
hat das Aus und Abladen seine Schwierigkeiten,
ein niedriges Rollsuhrwerk wäre praktischer.

Dresden. E F.: Die „Fricdrichrodaer

Zeitung" spricht von einem Gnadenerlaß des
Königs von Italien, durch den u. a. bestimmt
wird: „Für Frauen und mehr als 20 Jahr-
alle Greise sowie sür Minderjährige unter
18 Jahren tritt eu^eder Straferlaß odcrHeiab-
minderung um l! Jayre ein." In Italien scheint
cs mit den jugendlichen Greisen »och schlimmer
zu sein als bei unS. — C. S.: Die „Dresdner
Zeitung" vom 14. März berichtet: „Josef
Heydns Geburtstag in Rohrau an der nieder-
österreichisch - ungarilchen Grenze, wo der be-
rühmte Tondichter am 31. März 1732 als Sohn
eines armen Stellmachers geboren wurde, ist
vollständig niedergebranni." Die Notiz enthält
zwei Unrichtigkeiten: Erstens hieß der berühmte
Tondichter nicht Hey du, sondern Haydn,
zweitens ist nicht sein Geburtstag, sonder» sein
Geburtshaus niedergebranni.

Eisenach, v. S- E: Wunderschön singt
F. Linde »laub im „Henneberger Kreisblati"

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IT 6^% n“'aiBm’arS1« V, i'i’f’b a u 1.

Frankfurt a. M. L.: Im Leitartikel
Ihres „General - Anzeigers" vom 15. März
ist zu lesen: „Mc.n soll um der Tauben aus
dem Dach willen nicht den Spatz in der Hanb
loSlassen. Hier aber hat die Regierung sogar die
Tauben der bewilligten Artillerie und Kavallerie
neben einer ziemlichen Verstärkung der Infanterie
in der Hanb, und auf dem Dach sitzt nur der
Spatz des im Verhällniß zunr bereits Zugestandencn
immerhin geringsügigen Abstriches." Wundervoll

Grimberg i. Hesse». O. M.: Der „Grün-
bergcr Anzeiger" (Nr. 21.) berichtet über die
Berurlheilung einer Wiltwe Säuger vor dem
Schwurgericht zu Gießen: „Der Geiichtshos vcr
urtheille die Angeklagte zu einer Zuchthausstrase
von sieben Jahren unter Anrechnung von sechs
Monaten der erlittenen Unterluchungshast. Auch
wurden derselben die bürgerlichen Eherechle aus
die Dauer von acht Jahren aberkannt." Da die
Angeklagte Wiltwe ist, wird sie sich aus dcrAb-
erkcnnung der Eherechle nicht viel machen.

Hamburg. P. W.: Der „General-Anzeiger
sür Hamburg-Altona" (Nr. 65) meldet: „Aus
New Jork wird gcmeldlt, acht britische, ein ar-
menisches und et» deutsches Schiff, Namens
„Minister Maybach" lBremerhaven) sind als
während der jüngsten Slüttiie im atlantischen
Ocean nunmehr verloren erklärt worden." Sie
fragen: „Also Armenien ist jetzt auch in die Reihe
der Settiiächle getreten?" Es gehörte immer
dazu. Erinnern Sie sich nicht darau, das, Noalt
mit seiner „Arche" aus dcm Berge Ararat in
Armenien landete?

Hannover. H. G.: Dem „Hannoverschen
Anzeiger" (Nr. 66) iviid von seinem pailamenla-
rischcn Bciichtcrstatler über die Reichstagssitzung
vom 16. März geschrieben: „Man konnte den
Abgeordneten Lieber beobachten, wie er sich mit
dittt Kiicgsiuinister in eine Unterhaltung einließ
und dabei immer bejahend den Kops schüttelte."
In diescm Fiplomaiischen Kopsschülteln ze'gt sich
ivieder eli.iual die ganze Schlaubeit des berünmicn
Theedoctors. -- W. D.: Mit Dank abgelchnt.

Kaiserslautern. M.: Dem „Pfälzischen
Anzeiger" vom 13. März wird geschrieben:
..Lemberg, 12. März. Trotzdem Direktor
Marchtvicki erklärte, daß die amtliche Wasjcr-
controllrung bei der Galiztschen Kreditbank
keinerlei Unregelmäßigkeiten ergab, dauert die
Unruhe in den Kreisen der Bevölkerung unaus-
gesetzt fort." Tos ist sehr begreiflich. Eine
amtliche Wasjeicontrolirung kann in einem solchen
Fall unmöglich beruhigend wirken.

Leipzig. H. S.: Mit Dank abgelehnt. —
B-: I» den „Leipziger Neuesten Nachrichten"
vom 12. März befindet sich eine Bckanntniachung
der „Deutschen Gesellschasl für elastisch ver-
steinertes Gasglüylicht". Das gibt es ja gar
nicht! — S.: Im „Leipziger Tageblatt und
Anzeiger" wild gefragt: „Wer hält einen Privat-
garten lausend im Stande? Adressen erbeten
Südplatz 12, parterre." Wer einen Garten in
Ordnung halten und dabei fortwährend lausen
soll, wird die Sache nur recht oberflächlich be-
sorgen können. - G. N.: Im „Leipziger Tage-
blatt und Anzeiger" (Nr. 138) wird aus den
Verhandlungen vor dem Leipziger Landgericht
milgetheilt: „Sehr leicht erregbarer und gewalt-
thätiger Natur ist die 25 Jahre alte Zimmer-
mannsehesrau H. aus Schkölen bei Naumburg,
dies eigicbt sich schon aus ihrem Scatregister-
auszug, der je zwei Strafen wegen einsachcr und
gcsäbrlicher Körperverlctzung, drei wegen Sach-
beschädigung, vier wegen wörtlicher und thätiicher
Beleidigung u i. iv. auswetst." Wenn Fra» H.
sich nicht gründlich ändert, wird sie bald ketncn
mehr finden, der mit ihr Skat spielt. — E. G.:
In den „Leipziger Neuesten Nachrichten" vom
20 März findet sich folgende Anzeige: „In einem
Luslkurort befindliches unmittelbar am Bahnhof
in guter Lage gelegenes Gebäude und Fabrik-
grundstück, mit 6 II1* Damplmaschinen und unbe-
bautem Areal ist Verhältnisse halber preiswerlh
zu verkausen. Reiner Waldlust und günstiger
Wasserverhältnijse wegen dürste sich dasselbe sehr
sür eine Wurstjabrik eignen." Das war, als wir
davon lasen, sofort unser Gedanke.

Nizza. F. O. W.: Besten Dank sür die
reizende Ansichtspostkarte von Monte Carlo.
Dieser Karle, mit der wir uns übrigens schon
beschäftigt haben, bedient der allvereyrte Fürst

Albert von Monaco (in seine» Bekannten-
kreisen der „Spielbank-Albert" genannt) sich
ausschließlich in seinem schristlichen Verkehr mit
andern. Auch in Berlin hatte er sich durch eine
solche Kar'e angemcldct.

Llberndorf. K W.: Unter der Ueberschrist
„Zusällige Gedanken" veiösfentlicht G. H. Kläger
im „Gauboten" (Nr. 31) ein Gedicht, das mit
folgenden Versen ausängl:^

Einen besonders glücklichen Erfolg hat das lange
Sinnen nicht gehabt.

Parchim. H. G: Aus der In der „Parchimer
Zeitung" abgedruckten Tagesordnung der aus
den 15. März angejetzlen Versammlung des
„Bürger-Vereins" zu Parchim ft,fit u. a. die
Frage: „Wodurch ist es zu vermeiden, daß
wohlhabende Familien hier Ihren Wohnsitz
nehmen?" Nun, dazu werden sich allerhand
Mittel finden, z. B. Abschaffung der Straßen
beleuchtung, Abholzung der städtischen Anlagen
und des Stadlwaldes, Ansetzung von Strolchen,
Unbrauchbarmachung der Feuerspritze u. s. w.
Ihr Bürger-Verein wird schon selbst heraus-
bekommen, was dazu dienlich sein kann, wohl-
habende Leute von der Ansiedlung in Parchim
zurückzuhalten.

Potsdam. R.: Folgende Neuheiten sind »ns
zugegangcn: „Deutsche Juristcn-Zeitung"
Verlag von Oliv Llebmann, Berlin. Nr. 4—6. -
- „Die Umschau", Verlag von H. Bechold
in Franksuri a. M. Nr. 8—12. — „Deutsche
Land wir, hschastliche Geslügel-Zeitung".
Verlag von Fritz Psennigstorss in Berlin.
Nr. 21—25. — „Die Ostmark. Monalsblalt
zur Bcsörderung des Dculschlhums in den Ost-
marken." Nr. 2 und 3. — „Berliner Signal e,
Zeitschrift sür die musikalische Welt." VI. Jahr-
gang, Nr. 5 und 6. Verlag von Julius Stein-
bach, Friedenau - Berlin. - „Do Monde
Illustre“ Directcur Edouard Desfosses.
Paris. Nr. 2190. — „Revue franoo-alle-
mnnde Deutsch-französische Rundschau."
München, Verlag von Carl Haus ha lter. Nr. 5.

Soest. H. W.: Im „Soestcr Anzeiger"
vom 21 Mä.z machen A. Lange und Familie
in Elfsen bekannt: „Alle diejenigen, welche

uns am vergangenen Freitag bet dcm bevor-
stellenden Waldbraude so hilsreiche Hand ge-
leistet haben, und im Begriffe waren cs zu thun,
sagen wir hiermit allen unser» innigsten Dank."
Die Fassung dieser Danksagung läßt es nicht
ganz klar erscheinen, ob der Waldbrand schon
statigesundcn hat, oder ob er erst stalisinden soll.

Tübingen. Dr. A.B.: Es ist unglaublich,
aus was alles die Leute verfallen. So berichtet
Ihr „Beobachter" vom 17. März: In Plochingen
setzte fiel) ein bejahrter Mann den Schürhaken
an die Stirn und schlug aus denselben mit einem
Kehrwisch. Der Mann erlitt dabei schwere Ver-
letzungen."

Wetstcnfcls. I.: Der „Mitteldeutschen

Zeitung" (Nr. 65) wird aus Delitzsch geschrieben:
„Da die Verhandlungen gegen den nun bereits
seit über einem halben Jahrhundert sich in
Untersuchungshait befindlichen Magcstratsassessor
Simon in nächster Zeit noch immer nicht statt-
sinden können, S. aber trotz alles Zuredens sein
hiesiges Amt freiwillig nicht niederlegt, haben
die städtischen Körper,chasten die Stelle eines
Belgcordneten vertretungsweise dcm Kammer
gerichlsreserendar Securtus aus Berlin über-
tragen" Daß jemand fünfzig Jahre in ilnter-
suchungshaft sitzt, ist denn dock, unerhört. Wenn
man sich mit der Unteriuchung nicht endlich etwas
beeilt, muß der Assessor ja über die Sache hin-

Wcrinclsktrchen. A. B.: Der „Kölnischen
Zeitung" vom 14. März wird aus Washington
gemeldet, in dem Verjähren gegen den Oberst-
kommnndirenden General MlleS sei schon jetzt
erwiese», „daß die amerikanischen Truppen
während deS Feldzuges aus Cuba und Porlorico
in einer völlig unzureichenden Welse mit unbrauch-
barem Fleisch verpflegt worden sind." Schreck-
lich! Wen» sie wenigstens genug unbrauchbares
Fleisch bekommen hätten'

Witttngen. W. S.: Besten Dank sür die
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