Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 52.1899

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Briefkasten, er----

Glatz. O. T-: Im amtlichen Thcil dcS
„Glotzer KreiS-BlattS" (Nr. 63) wird bekannt
gemacht: „Bei einem verendeten Schweine des
Feldgärtners Josef Dnssilck zu Grunwald ist
Rothlauf auSgebrochen." Das Schwein »ins!
durch und durch ungesund gewesen sein.

Güttingen. W. G.: Das „Göttinger Tage-
blatt" (Nr. 163) erzählt von dem Grogen Kur-
fürsten : „Zornig zerbrach er die Feder (nachdem
er den Fricdensvertrag von St. Gcrmain unter-
zeichnet halte) und sprach die denkwürdigen Worte:
„Oxonare aliquis nostris ex ossibus ultorl“
(Ans unsere» Gebeinen wird einst ein Reich er-
stehen!)" Das ist doch etwas zu frei übersetzt.
— Der „Monatliche Anzeiger dcS Christlichen
Vereins Junger Männer zu Göttingcn" (Nr. 8)
schreibt: „Zum Ban des Breslauer Vereins-
Hauses sind noch ca. 65 000 M. nöthig. Doch
Beirath und Vorstand deS Breslauer Vereins haben
beschlossen, diese Summe nicht durch Collcctc»,
Sammelliste», Bazare jc. zu beschaffen, sondern
sie sich vom Herrn im anhaltenden Gebet zu er-
bitten." Versuchen kan» man die Sache ja.

Graudenz. W. M.: In der „Danziger
Zeitung" vom 15. August liest man: „Köslin,
13. Ang. Durch den zwei Quadratmeter großen
Jamunder Sec in, hiesigen Kreise, dessen einziger
Abfluss in die Ostsee, das sog. lausende Ties bei
Deep, seit Jahren vollständig versandet ist, ,verden
2000 Morgen Wiesen und Accker der benachbarten
Ortschaften säst während der ganzen Jahreszeit
unter Wasser gesetzt und vollständig unfruchtbar
gemacht." DaS ist für den kleinen Tümpel eine
respectable Leistung.

HcrSscld. R. B.: Das „Berliner Tageblatt"
(Nr. 412) berichtet ans Neustettin: „lieber die
bereits telegraphisch gemeldete Feuersbru»st in
dem eine Minute von hier entfernten Dorfe
Sollnitz wird noch berichtet: Bald nach 3 Uhr
Nachmittags wurde unsere freiwillige Feuerwehr
alarmirt und traf um %5 Uhr mit zwei Lösch-
zügen auf dem Brandplatze ein." Nur gut, das,
das Dorf nicht noch weiter von Ncustettin ent-
fernt liegt.

Hildburghausen. Ihrem „Landwirt"
(Nr. 33) wird ans Westerland auf Sylt geschrieben:
„Das herrliche Wetter dieses Sommers begünstigt
die Entfaltung eines internirten Strandlebens,
wie es anziehender nicht gedacht werden kann."
Strandlebe» und Jnleruirung vertragen sich
eigentlich nicht mit einander.

Hirschbcrg. E.: lieber den Bahnba» in
Kiautscha» Iheilt der „Bote aus dem llliescn-
gebirgc" (Nr. 192) mit: „Der Mandarin von
Kiautjchan hat vom Generalgouverneur und der
Regierung' in Peking die Weisung erhallen, den
Bahndamm zu unterstützen." Da scheint der
Damm doch nicht solide genug gebaut zu sein.

Johannesburg i. Transvaal, v. P.:
Besten Gruß.

Juist. W. M.: In der Erzählung „Alte
Gewohnheiten" von Zacharias Nielsen
ts. Nr. 193 der „Deutschen Zeitung") sindel sich
die prächtige Stelle: „Anders fuhr mit der

Hand über die Augen und bohrte die langen
Finger in die scnchlcn Höhlen."

Kattowitz. O. P.: Die „Kattowitzer Zeitung"
vom 20. Ang. enthält folgende Anzeige: „Montag,
vormittag 11 »hr, versteigert in Katloivitz, Grund-
inaniistraße, Ten bersch es Local, 2 Säule in
mit Kopsen.. 1 Dzd. MakardbvnqnetS
zwangsweise Jolm, Gerichtsvollzieher in Mys-
iowitz." Anssallcnd ist bei den Säulein der Zu-
satz „mit Kopsen." Kommen sonst in Mhslowitz
häufig Säulcin ohne Köpsc vor'? — In derselben
Zeitung wird gemeldet: „Ncufahrwasser, 21. Ang.
Beim Welturnen um den vom Kaiser gestifteten
Preis jäninitlicher Kutter der Flotte siegte zum
4. Male S. M. Brandenburg." Bei Schissen
erscheint der Ausdruck „Wellnrnen" etwas gesucht.

Landsberg. Ordensritter: Prosit!

Linz. N.: In Dortmund hat sich ans dem
Köln-Mindencr Bahnhose ein anscheinend geistes-
kranker Mann vor eine Locomolive geworfen.
Die in Bonn erscheinende „Deutsche Reichs-Ztg."
(Nr. 40t) berichtet darüber: „Der Mann wurde
durch die Schienenräumer bei Seite geschoben,
trotzdem erlitt er mehrere Verletzungen, verschiedene
Schienenbrüche und einen doppelten Beinbruch."
Die Schienenbrüche hat hoffentlich das Geleise
erlitten.

Mannheim. G. P.: lieber die Kirchweih
in Waldhof und Käserthal sagt das „Mannheimer

Tageblatt" vom 14. August sehr hübsch: „Die
Bahnen, die Omnibusse, die Droschken beförderten
Nachmittags Hekatomben gennßfroher Allstädter
nach dem Norden und Nordosteu des Stadt-
gebietes, »>o die Freuden der Kerwe, Kuchen, Ge-
flügel, Musik und Tanz winkten."

Mechernich. B.: In der „Blankenheimer
Zeitung" vom 20. Ang. ist zu lesen: „M.-Glad-
bach, 17. August. Der Jnslizminister hat einem
hiesigen 19 jährigen Fabrikarbeiter die Heirath
mit einem 3 jährigen Mädchen untersagt." Daran
hat der Justizminister sehr recht getha».

Meldorf. A.: Die „Meldorser Zeitung"

(Nr. 96) berichtet: „In Tellingsteot war vor

einigen Tagen ein Laiidmailn im Begriff, auf dem
Felde einer Kuh ein Joch anzulegen, dabei wurde
das Thier wild, warf den Besitzer zur Erde und
brachte ihm rech! schwere Verletzungen bei. Abends
endete das Fest mit einem gutbcsuchtc» Tanz-
kränzchen." Um ein Fest hat es sich doch dabei
eigentlich nicht gehandelt.

Merseburg. L. L.: Den Lauchstädler „Nach-
richten" (Nr. 65, wird auS WeißenfelS geschrieben:
„Gestern Vormittag crsolgle durch Kreisschul-
inspcklor Superintendent ür. Lorenz im Beisein
deS LokalschulinspcktorS Archidiakonns Or. Hanse
und des Lehrerkollegiums der zweiten Volksschule
im Kvnserenzzimmcr dieser Schule die Bekannt-
gabe der Bcrsügung der königlichen Regierung zu
Merseburg, wonach der Leiter Herr Schulz,
Herr Fischer, zum Rektor ernannt worden ist."
Die königliche Regierung zu Merseburg scheint
nicht genau zu wissen, wie der Herr Rector heißt.

München. F. M.: Die „Münchener Neueste»
Nachrichten"(Nr.379) schreiben: „AnsdeinDreyfuß-
siimps sind in den letzten zwei Jahren, seitdem der
Kampf um die Revision lobt, so viele schmutzige
Enten mit häßlichein Gelrächz gegen Deutschland
aufgeflogen, daß man sich diesseits des Rheines
an die srenndnachbarlichcn Licbenswürdigkeilcn
nachgerade gewöhnt l„,l." Krächzen in München
die Enten? — I.: De» ..Münchner Neuesten
Nachrichten" vom 19. Ang. wird aus Marienbad
geschrieben: „Die Meldung, das, der Herzog von
Orleans hier mit einem Automobil eine alte
Frau überfahren hatte, welche aus einer ameri-
kanischen Zeitung in deutsche Blätter überging,
ist völlig unwahr." Das haben wir gleich ge-
dacht. Es klingt schon unwahrscheinlich, das; eine
alte Frau in Marienbad ans einer amerikanischen
Zeitung in deutsche Blätter übergeht.

Münden. L. L.: In Nr. 193 der „Münden
scheu Nachrichten" veröffentlicht Adolf Schäfer
' i Wilhelmshause» folgende Ehrenerklärung: „Die
ägclohner Hcumch Andrechl und Friedrich
ater in Wilhelmshansen soll ich für ehrlich er-
ärcn, indem sie vor dem hies. Schicdsamt bekannt
haben, das, sie meine mir entwendeten 12 Stück
Mettwürste nicht gestohlen hätten. Ich nehme hiermit
meine Aenßernng gegen die genannten Personen
zurück." Die Erklärung klingt so gewunden, als
ob Miguel sic versagt hätte.

Neurod«. N. N.: In einem „Gesundheits-
pflege im Hochsommer" überschriebenen Artikel
Ihres „Hausfreunds für Stadt und Land"
(Nr. 33) heißt es: „Auch die Hygiene stimmt
voll und ganz Schillers Wort bei:

feinten muß der Schwelg!"
schiller sagt: „Von der Stirne heiß,"

tine" statt „Stirne" findet sich in Stephanys
Bearbeitung der „Glocke."

Oehringen. B. A.: Im „Hohenloher Boten"

n 19. Aug. zeigt Räderich z. „Rose" in
Baicrbach an: „Morgen Sonntag Metzelsuppe
mit neuem Sauerkraut verbunden mit mnsikal.
Unterhaltung." Eine geschinaclvollcre Verbindung
ist kaum denkbar.

Oldenburg. G.: Die in Oldenburg erscheinen-
den „Nachrichten für Stadl und Land" (Nr. 190)
theilen mit: „Im Sommertheater in der Rudcls-
bnrg geht am kommenLen Donnerstag als
Benefiz für de» vielbeschäfiigtcn Tenoristen Herrn
"".rudinger die Oper „Faust ans Magarelhc"

Gonnod in Scene. Die berühmte Oper ist
hier noch fremd und wird nicht verfehlen, ein
größeres Publikum anzuziehen." Die Oper scheint
allerdings in Oldenburg noch ganz unbekannt

Schwimmbad im Pirmasenjer See eröffnet hat,
und bemerkt dabei: „Mil Pfeife zu baden ist
nicht gestattet." Nehmen die Pirmascnser Raucher
gern die Pfeife mit ins Wasser? DaS ist doch
unbequem, namentlich bei einer langen Pfeife.

Pirna. B.: Für unser Blatt nicht geeignet.

Potödam. R.: Folgende Neuheiteil find uns
zugegangen: Aus der„Bibliuthek der Gesaml-
li t tera tnr des In - und Auslandes", Verlag
von Otto Hendel, Halle a. S.: „Uli der
Pöcht-r von Jeremias Gollhelf." - „Ab-
diaS" und „Der Condor." Zwei Erzählungen
von Adalbert Stifter." - ,:Gcdichte von
Guy deManpajjant. Deutsch vonF.S leinitz."
— „Freund Fritz. Lustspiel in drei Aus-
zügen von Erckmann-Chatr-ian. Deutsch von
Demetrius Schmitz." — „Humoresken und
Skizzen von Paul von Schünthan." -
„Deutscher Humor. 1. Abtheilung: „Schles-
wig Holsteinischer Humor. Heransgegeben
von Albert Johannjen. 1. Lieferung." Husum,
Verlag „Deutscher Humor. .Für den Buch-
handel ,;» beziehen durch H. Lühr >V Dircks,
Garding. --- „Pros. Dr. Hegewald: Das Bin

(Sin Beitrag zur
schlechtswahl.

Ifii^cipcr"

." Leipzig. Verlag von Emil
Das Geschlecht des Embryo,
ur Lösung des Problems der Gc-
. Für ärztliche Kreise bestimmt. Von
Carl Gerat." Berlin. Commissionsverlag von
S. Gabriel. - „MonIe Carlo. JndiSkrelione»
und Erlebnisse aus einer Spielhölle von Fritz
v. d. Elbe." Minden i. W., Wilhelm Köster.
— „LvS von der Tenfelsinjel. Des Drey-
fus Bilderbuchs II. Thcil." Berlin, Or.
Eyslcr öc Co. — „Allgemeine Sammlung
niederdeutscher R ä t h j e l. Heransgegeben von
R u d v l s E ck a rt." Göllingen, Verlag von F- ra »
Wunder. — „Das 3!ad in Reimen. Von
?(. v. Teschendorf." Stiel und Leipzig, Verlag
von Lipsins & Tischer. — „Katechismus
für 3cadsahrer." und „Katechismus für
Radfahrerinnen." Bon Or. Ernst G.Häsner.
Leipzig, Verlag von Max Hesse.

Schleswig. I-: Der „SchleSwiger Anzei,
(Nr. 2711) sagt von dem Kaiser-""^"
Denkmal bei Gravelotte: „Ans >
stufigen Unterbau ruht ein gewaltiger Granitblock
von unregelmäßig abgeriiudcter Würfelform, wie
ihn die Natur gebildet bat. Dieser Findling aus
dem Schwarzwalde ist ein Geschenk.des Groß-
herzogs von Baden. Der dnnkelgraue Stein wiegt
230 Zentner und hat eine Höhe von reichlich so
viel Meter." Wenn der Stein wirklich jo hoch ist.
so kann er doch leine Würfelform haben.

Steglitz. K.: Dem „Berliner Lokal-Anzeiger"
(Nr. 380, wird von seinem Cvrr'cspvndenlcn ans
Marienbad geschrieben: „Dieser Tage ist der
Prinz von Wales hier eingelrosson und im Hotel
Weimar abgcsticgen. Für die künftige Woche
hat sich der Vizekönig von Egypten angesagt.
Er geht jeden Morgen um 8 Uhr mit seinem
gesammtcii Gefolge zum Kreuzbninnen: er sicht
sehr frisch und blühend aus." Ter Correspondeiit
scheint ein Hellseher zu sein.

Straffburg i. E. N.: Die „Straßburger
Neusten Nachrichten" vom 14. August melden:
„RenneS, 14. Aug. (Priv.-Tcl.) In den Kirchen
wurde gestern ein Erlaß des ErzbischvsS von Rennes
verlesen, durch welchen verboten wird, daß die
sonst alljährlich am 15. August zur Feier Mariä
Himmelsahrl slattsindende Prozession auch dieses
Jahr veranstaltet werde. Ebenso werden die
Gläubiger ermahnt, während der Dauer des
Prozesses vollständige Ruhe zu bewahren." Das
wird den Schuldnern sehr angenehm sein.

Weilburg. St.: Nach der „Täglichen Rund-
schau" (Nr. 193) hat Pfarrer Naumann in einer
Versammlung der Berliner Christlich-Socialen
gesagt: „Trotzdem Miguel bei der erste» Lesung
für den Canal sprach', empfand man in agrarischen
Kreisen dennoch das Gcgenthcil: „Weiß doch
niemand, an wen der glaubt!" wie Gretchen
im „Faust" sagt." Auch wenn Gleichen die
Capnzinerpredigt gekannt hätte, würde sie schwerlich
Faust gegenüber ein Citat daraus gebraucht

Bel der groben Menge der an uns gerichleien Zulendungen
tft die Bcaulworlnng einer jeden uns ebenso unmöglich wie
die »luibecoahnucg der un» unverlangt,„gehenden Manuseriiite.
Rücklendung der lehleren criotgl nur, wenn der Sendung das
ersordertlche Porto in Briesmarken beigetiigl ist.

Tic Rcdaction de« Ninddcradntkch.


— V-raulw. für denJni'eraicuIl).

jcrilr. lvöi l. — Druck vontznnpclL So. K
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