Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 56.1903

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Schultze. 'Ne sehr unanjenehme Jeschichte da an'n sächsischen Hof.
Müller. Jawol, wer hätte so was jedacht!

Schnitze. Un die janze Sache hätte sich doch leicht vermeiden lassen.
Meinste?

Jewiß. Sie hätten man statts 'n französischen Sprach-
lehrer 'ne französische Juvernante nehmen sollen.

Mülle.r. Des stimmt, da haste Recht.

Müller.

Ein Gespenst

Herr Ring-DIIpp-I wil
Hamburg e!ncn Milckitril

Herr Ring, der Amtmann von Düppel,

Der sprach eines Morgens: „Schabab,

Ich pfeif' auf den märkischen Zippel,

Ich fahre nach Hamburg hinab.

Dort wohnen nur Schlemmer und Prasser,

Die zahlen die Milch uns brillant.

Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser,

Wir fahren zur Waterkant.

Kassirer, zum Bahnhof und zahle!"

— Der aber faltet die Händ':

„O Herr, in der Milchcentrale
Da sind die Ducaten zil End'."

Herr Ring, der Amtmann, sprach munter:
„Schabab, was ficht uns das an?

Schnell schickt einen Boten hinunter;

Wir pumpen die Preußenbank an." —

O Ring, was willst du in Hamburg?

Nimm dich vor dem Ende in Acht!

Du bist in Berlin, deiner Stammburg,

Schon einmal beinahe verkracht.

Du hast in Berlin bei dem Streiten
Schon zu viel Geld verschlampamt.

Verzieh dich geräuschlos bei Zeiten,

Es klingt doch höllenverdammt:

Jetzt weicht, jetzt flieht, jetzt weicht, jetzt fließt
Mit Zittern und Zagen ins Weite!

Laut gellt das Lied vom Deficit
Und von dem Gespenste der Pleite.

Indiskrete Frage

Gehörte die Prinzessin, die soeben mit einem allerdings als her-
vorragend musikalisch veranlagt geschilderten jungen Mann das Weite
gesucht hat, auch dem ncugegründeten „Fürstinnenbund zur Bekämpfung
der Unsittlichkeit" an?

Nachdem der Charlottenburger Pferdemarkt eingegangen ist, wird
die Einrichtung eines Pferdemarktes in Berlin gewünscht.

Wozu? Sehr wenige Berliner haben doch wohl solche Wohnungen,
in denen es möglich ist, Pferde zu schlachten.

Merkwürdig ruhig verlief diesmal die Silvesternacht. So gut wie
gar keine Klagen über Ausschreitungen der Polizei sind uns zu Ohren
gekommen.

Sächsischer Stoßseufzer

Wenn sie wenigstens bis Drlttfeicrtag gewartet hätte!

B-ranlrvorilich-r Redacicur: J.Tiojov. — Verlag von A. Hosmann & Coir

Zur Richtigstellung

Der König von England hat dem Herzog von Teck, dem Bruder
der Prinzessin von Wales, nicht gestattet, die ihm angebotenc
Stellung als Makler in der Firma Paumure Eordon Hill Comp)
mit 60 000 M. Gehalt anzunehmen. Da diese Entscheidung vielfach
falsch aufgefaßt wird, so müssen wir die Handlungsweise des Königs
gegen Mitzdeutungen in Schutz nehmen, wie wir das auch in anderen
Fällen immer gern gethan haben. —

Einen jo aufgeklärten Mann wie König Eduard braucht man I
nicht gegen den Verdacht zu vertheidigen, daß er in albernen Vor- I
urtheilen befangen sei und die Thätigkeit eines Maklers als nicht für D
ein Mitglied der königlichen Fainilie passend betrachte. Er weiß,
daß das Ecldverdienen der Nationalberuf eines jeden rechten ®
Engländers ist, und er selbst hat sich seiner Zeit in der Aus- »
Übung dieses Berufs redlich am Spieltisch abgemüht. Wenn der §
gewünschte Erfolg dabei meist ausblieb, so ist das nicht ihm zur Last 3
zu legen, an guten: Willen und Ausdauer hat er es nicht fehlen lassen. S'
Eduard hat also durchaus nichts dagegen, daß der jung, Herzog
Geld verdient, aber er findet die Summe, die ihn: geboten wird,
lächerlich gering, und deshalb legt er sein Veto ein. Jeder Verständige
wird ihm beipslichten, und es nicht verstehen, wie jemand in dem reichen
und thcuren England eincin Mitglicde der Königsfainilie ein solches
Lausegold, wie Podbielski sagen würde, anbiclen mag.

Die Hauptsache ist aber, dag der König mit dem Schwager seines
Acltcstcn etwas ganz anderes im Sinne hat. Der junge Teck soll sich
zum Buchinacher ausbilden, und Eduard selbst will seine Aus-
bildung überwachen. Später denkt der König als stiller Theilhabcr I
der jungen Firma bcizutreten, und das geilügt wohl, um ihr eine I
glänzende Zukunft zu garantircn. Wenn der Besitzer des am besten »
geleiteten und dabei am meisten vom Glück begünstigten Stalles, den m
es jetzt in Endland gibt, sich mit einem tüchtigen Bnchmacher zusammcn-
thut, so repräsentirt eine solche Genossenschaft eine furchtbare Macht
auf den: Turf. Wahrscheinlich wird das Geschäft bald so große Erträge
liefern, daß Eduard auf einen Thcil seiner Apanage verzichten kann.
Was dabei gespart wird, könnte dann zu Unterstützungen für die
Tausende von Soldaten verwandt werden, die als Bettler und Krüppel
im Lande umhorlaufen und dabei noch Forderungen an die Staats-
kasse haben.

Interessant könnte cs werden, wenn der junge Teck einmal nach
Deutschland herüberkäme und auf unseren Rennplätzen sein Gewerbe
betriebe. Die Behörden würden ja, wie wir zu ihrer Ehre annehmen,
dem hohen East allen schuldigen Respect bezeigen, aber die liberale
Presse würde natürlich ein Mordsgeschrei erheben. Hoffen wir daher,
daß der Herzog, den die kleinlichen Verhältnisse des deutschen Rennsporls
unmöglich locken können, in England bleibt und sich dort redlich nährt.

Romanze

Schon glänzt des Mondes Licht
Am Himmolsbogen.

Siehe, wir kommen
Zu dir gezogen.

Schon harrt die Flotte hier,

Zahle, sonst schießen wir,

Venezuela!

Wir können länger nicht
Uns noch gedulden,

Ins Ungeheure
Gehn deine Schulden.

Was hilft »ns Schiedsgericht?

Zahlen ist deine Pflicht,

Venezuela!

Schlimmer durch Zaudern nur
Wird ja dein Fall, o
Nimm dir' zur Warnung
Puerto Caballo.

Geld her, das rathen wir,

Sonst ist cs aus mit dir, -
Venezuela!

Der Erzherzog Leopold Ferdinand ist unter dem Namen
Wölfling zum einfachen Bürger erhoben worden. Hoffentlich zeigt er
sich als solcher ordentlich, fleißig und nüchtern.

, S.W. 12. — Druck von öcmpcl & Co. E. m. b. H. — SSmmtlich in Berlin.

Hierzu drei Beilagen

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