Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 57.1904

Page: 247
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kla1904/0247
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
ßcrlin, den 1. Mai 1904 LVII.

Dieses Blatt erscheint täglich mit Ausnahme der Wochentage.
Man bestellt bei den Postanstaltcn des In- und Auslandes,
sowie in den Buchhandlungen.

Der vierteljährliche Bezugspreis für dieses Blatt mit sämmtlichen
Beilagen beträgt für In- und Ausland 2 M. 25 Pf. ohne Porto.

Einzelne Nummer 20 Pf.

Alle Ncchre für sümnnliche Vlrtitcl und 3lIuitrnt;oncn uorbcljaltcu.

Wodjen&afcnöcf

Montag, den 2. Mai

Endlich ist der Mai gekommen.

Alles dlnußcn knospt und sprie'gt.

Und mit Freuden wird vernommen,

Wie der Spargel lustig schießt.

. Dienstag, den 2. Mai

Mag entzwei gehn und in Scherben
Manches sonst, was auch es sei.

Nicht doch soll uns das verderbe»»

Unser», schönen Monat Mai.

Mittwoch, den 4. Mai

Nun Silentium sei geboten >.

Allem, was da mißvergnügt.

Schweigt, ihr Schwarzen und ihr Rothen!
Und wer nicht pariert, der fliegt.

MchenKalender

Donnerstag, den 5. Mai

Aber nein, er soll nicht fliegen,

Denn cs fliegt so mancherlei.

Was man gern und mit Vergnügen
Sicht und hört im schönen Mai.

Freitag, den 6. Mai

Laßt sie krächzen, Iaht sic wüthen.
Unsre Laune stört das nicht.

Wenn die Erde steht voll Blülhcn
In dem Maicnsonnenlicht.

Sonnabend, den 7. Mai

Wer cs redlich ineint, der hole
Maikraut ans den» Wald herbei,
Dann bei einer Ricscnbowle
Feiern wir den schönen Via».

kladderadatsch


Jlliiffli’llfitilit

In (E^rujartung -4^

f^fnunrliiiigsiuill gen Osten gewandt de» Klick,
JW« De» Griffe! in der Ucchtcn, sitzt Klio nun
Seit Wochen dn, der Dinge harrend,

Die jii notieren der Mühe wrrth scheint.

Sic spricht: „Dn ivarten weist ich; es lernt Grdntd
Zutclzl, wer scit Jahrtansciide» Tag fitr Tag
Der Menschen ost recht wunderliche
Thatcn getreulich z» Protokoll nimmt.

Auch ist's in diesem Falle begreiflich ja,

Dost Zeit die Sache sich jit entwickeln braucht,
Allein allmählich könnte, mein' ich,

Etwas Erhebliches wohl geschehen.

Kaum ist ei» Tag vergangen, so wiffeu wir,

Dast nichts geschehn. Mas immer gemeldet ward,
Es stammt aus den ersindnngsrrichen
Köpscn der rührigen Zeitungsschreiber."

Die Göttin spricht's mit Seufzen, da schallt von fern
Erregt Geschrei und brausender Lärm des Kolks;
Kon blut'gcn Schlachten, grasten Siegen
Uedrn und rufen die wirren Stimmen.

Empor führt Klio. „Endlich," so ruft sie froh,
„Darf meines Amts ich walten!" Den Griffet fetzt
Sic eifrig an, getreu der Wahrheit
Gleich das Geschehene jetzt zu buchen.

Berichtet wird genug ja; dem einen bald
Der Kämpfer fall schau Großes gelungen fein
Und bald dem andern, dach mit Vorsicht
Ast das Gemeldete nnfziinchmc».

Dann aber zieht sic wieder die Hand zurück.

„Wie thäricht bin noch immer ich manchmal dach!
Geduld, Geduld und Vorsicht! Sicher
Ist ja das alles doch wieder Schmindel."

Klndreraralsck
loading ...