Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 57.1904

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Ur. 45

Gerlin, den 6. November 1904

Lvn. Jahrgang

Wocjjcn&afenöct

Montag, den 7. November

November [am, mit Nebelschleiern
Sicht man den Himmel sich umzieh«.

Dies ist die Zeit, die pflegt zu feiern
John Bull zusammen mit dein Spleen.

Dienstag, den 8. November

Wie mag cs Vülow wohl ergehen?

Ich fürchte sehr, zum besten nicht.

Man bat so lange nicht gesehen
Sein lächelnd Vollmondangesicht.

Mittwoch, den 9. November

Auch Vebcl ist verstimmt und Singer
Wohl nicht viel wen'ger. Sapperlot!

Der Mehring macht, der Knnppelschwinger.
Den biedren Alten zu viel Noth.

WorfjeiiMcuöcr

Donnerstag, den 10. November

Lenk' ich zur Börse meine Schritte
Und wall' ich zur Hibevnia? Nein!

Noch eher kehrt' in Laurahülte
Vielleicht mit meinem Schatz ich ein.

Freitag, den 11. November

Ach, Überall spürt man Fäcalien,

Und grad' erfreulich scheint es nicht,

Daß sich mir Lippijchen Lappalien
Ein ernster Mann den i^opf zerbricht.

Sonnabend, den 12. November

Allein verdrießliche Gelichter
Sind leider überall zu sehn.

Sprich. Albert Träger, du als Dichtern
Findft du das Leben wirklich schön?/-

Kladderadatsch

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2)er ‘3Criutn{)h des Zaren

rlftt hat wenig Freude in diesem Jahr
Das stolze Rußland, mm mußt’ es sehen noch,
Daß seine Admirale schmählich
Wurden jutii Spalt bei der Erde Völkern.

Sie Kanoniertcn fröhlich auf alles los,

Was ihnen »ah Ilam, jeglichem Krauch zum Troß;
Als Wassrrßraßcnjnuge» trieben
Sie in der friedlichen Uordsce llnsiig.

Doch eh' sie's dachten, nahte John Kult ßch schon.
Als 8e-l-poIiee-m.iii griff er energisch ein.

Er nahm die Dowdics fest und brachte
Gleich sie nach Uigo in Dummer Sicher.

Ist einer Großmacht Aehnliches schon grschchn?
Dein, keine ward so gröblich behandelt nach,
Drnin lassen auch die Petersburger
Dangen ein wenig die dicke» Köpfe.

Der sanfte Zar auch fühlt ßch bedrückt, den Klick
Zn Kode» senkt er, wenn er gen Himmel nicht
Ihn flehend richtet, dach zuweilen
Keuchten die Augen ihm hell vor Freude.



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Cr spricht: „Es haben Tränmcr und Schwärmer mich
Eefcholten alle, als in den Haag ich einst
Kerief das Schiedsgericht, nur Scrtha
Glaubte an mich u»d die gute Sache.

Und jetzt, wie steh' ich groß und geachtet da!

Was ich geschaffen, glänzend bewahrte ßlh's
In bangen Stunde», da mit Knistern
Schon zu entglimmen begann der Weltbrand.

Das Unheil, das erschaudern uns ließ, wer hat's
Im letzten Augenblicke noch abgewandt?

Wer hat des Friedens köstlich Ent uns
Wieder erhallen einmal? Mein Schirdshof!

Das Päckchen Schande, das auf den Aals »ns lud
Freund Doschdjestwenskg, steck' ich mit Kußhand ein,
Wenn nur der Friede uns gesiched
Kteibt und zu Ehren getaugt mein Schiedshaf."

Uicht sehr sympathisch ist, ich gesteh' es frei,

Mir Uikolans der Sanfte, allein er ist
Ein wahrhaft guter Mensch, drum will ich
Gerne ihm gönnen die kleine Freude.

üladürradalsch
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