Koepplin, Dieter
Cranachs Ehebildnis des Johannes Cuspinian von 1502: seine christlich-humanistische Bedeutung — 1973

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nian waren solche und andere Verbindungen geläufig. Cuspinian
hatte wohl auch von Ficino zur Kenntnis genommen, dass Hermes
anreize, nach dem Geheimsten zu forschen und tief in die Dinge
einzudringen (418 a), ferner dass Hermes den Antrieb zum For-
schen verleihe, Apollo die Erleuchtung und Saturn das Beharren
(418 b). Schliesslich galt Hermes für Cuspinian gewiss auch
als Patron der Beredsamkeit (418 c) und vielleicht der Pharma-
kologie (419). Es fehlt also nicht an Erklärungsmöglichkeiten,
zumal wenn wir an die quellenmässig begründete Interpretation
Apollos auf dem Bildnis Cuspinians anknüpfen.

Apollo und Hermes bezogen wir auf den von den vorwissenschaft-
lichen, philologisch-poetisch denkenden Humanisten so sehr ge-
liebten Bereich der "magia naturalis", der Mantik und Hermetik.
Halb versteckt und doch unübersehbar erstrahlt Uber dem Haupt
Cuspinians ein Stern. Soll auch er eine Verbindung mit den
geheim wirkenden Kräften der Natur herstellen? Seiner hellen
Erscheinung, die mit der Dunkelheit Apollos offenbar kontras-
tiert, müssen wir uns mit besonderer Sorgfalt zuwenden, da
v.ir im Stern ein ideelles Zentrum über Cuspinian und über der
Landschaft zu erblicken haben, entsprechend dem Rang, den die
deutschen Humanisten der Zeit um 15oo der Astronomie und
Astrologie beimassen (42o).

(418 a) Ficino, "De triplici vita", III. Buch, 24. Kapitel,
von Cuspinian in seinem Ficino-Druck hervorgehoben
(vgl. Anm. 423). Vgl. Panofsky/Saxl 1923, 3 6 Anm. 3.

(418 b) "De triplici vita", Vorwort zum I. Buch (Cuspinian no-
tierte "Mercurius"und "Phoebus" an den Rand).

(418 c) Vgl. die Verehrung des Hermes als Vater der Eloquenz
und aller Künste durch den Nürnberger Celtis-Freund
Hartmann Schedel, der sich von Dürer, in Anlehnung an
Lukian, eine Hermes-Beredsamkeitsallegorie 1514 zeich-
nen liess: M. Thausing, Dürer, 2. Aufl. 1884, I. Bd.,
296 f.; F. Winkler, Die Zeichnungen A. Dürers, Bd. III,
1938, Nr. 664; Voss 1943, 137 f.; Panofsky 1948,Nr.936.
Planetengott Merkur als Patron der bildenden Künste:
S. Anm. 7o2. Vgl. F.Saxl,in: Rep.f.Kw. 1922, Abb.S.252.

(419) Vgl. Titelholzschnitt des Hans Weiditz zu dem 1529 in
Strassburg gedruckten Buch "P. Dioscoridae Pharmacorum
Simplicium, reique Medicae libri VIII. Jo. Rvellio
interprete", in der Mitte Merkur mit dem Entzauberung
bewirkenden Kraut Moly (Odyssee lo, 3o5): H.Röttinger,
Hans Weiditz der Petrarkameister,19o4,lol Nr. 75 u.
Taf. 26. Vgl. Anm. 415.

(42o) Vgl. S. lo4 u.a.
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