Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 20.1839

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2V- ei.

Knnst-Dlatt.

Dienstag, !>en 30. Juli 1839.

Kunstgeschichte.

(Fortsetzung.)

2) Iffolirüe epiAraliofte de^li artefici marmorarii
romani dal X al XV secolo ordinale ed illu-
strale da Carlo Promis. Torino 1836.

Herr Promis, Freunden mittelalterlicher Kunst
schon'durch manches Werk, namentlich durch eine größere
Arbeit über Siegelkunde, * bekannt, stellt hier die In-
schriften zusammen, welche uns über die durch fünf Jahr-
hunderte sich hinziehende Thätigkeit römischer Steinmetzen
oder Marmorarbeitcr belehren. Dabei war es ihm weni-
ger um den St»l ihrer Werke, als um Vollständigkeit
in Aufzahlung der Namen zu thun. Auf diele Weise ist
eine nützliche Vorarbeit für die Kunstgeschichte der Zeit
geliefert worden, die um so größere Anerkennung ver-
dient, je seltener die jetzigen Italiener diesen Weg ein-
zuschlagcn pflegen. §s hängt mit der Art und Weise,
wie andere historische Studien jezt in Piemont betrieben
werden, sehr nahe zusammen, daß dieser im Ganzen
trockenen Arbeit sich ein Piemvntese unterziehen wollte.

Es wird die, wie ich glaube, sehr richtige Bemerkung
»oransgeschickt, daß Untersuchungen der Art dahin führen,
das Aufblühen der Kunst im löten und i4ten Jahrbun-
dert nicht Einzelnen zur alleinigen Ehre anzurechnen,
sondern als ein Ergcbniß anzuschen, welches die vereinten
Kräfte fast aller italienischen Künstler zu Staude brachten.
Daß Rom und der Kirchenstaat überhaupt hiebei eine

* Documcnti, Monetc c Sigilli appartcncnti alla storia dclla
monarchia di .Saroia raccolli in Saroia, in Isvizzera cd
in Francia — da L. Cibrario e da D. C. Promis. To-
rino 165 5. — Sigilli de Principi di Saroia raccolli
cd illuslrati dal car. L. Cibrario e da D. C. Promis;
Torino 185 4 (mit 5 5 Kupfertafeln). — Autichita di
Alb« Fucense.

vorzügliche Rolle spielen mußte, lag in der Natur der
Sache, und eben daher, und zwar aus St. Praffede, ist
deßhalb auch die erste Inschrift genommen, welche aus
der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts stammt.
Da sie aber schon von Lokalschriftstellern publicirt, und der
Christiamis magister ohne sonstige Beziehung eine ganz
vereinzelte Erscheinung ist, kann hier das bloße Nennen
desselben genügen. — Ehe ich nun dem Verfasser nach
Corneto folge, will ich den ältesten, mir bekannten, und
hier übergangenen römischen Künstler Nachträgen, und
besonders auf ein früheres Werk aus dem eilften Jahr-
hundert aufmerksam machen, das ich in Toecanclla
sah. ES ist dies ein in der Kirche St. Pittro befindliches
Tabernakel, dessen schräges Dach von einer Mauer, wie
diese wieder von vier Säulen getragen wird. Es hat
bloß Rundbögen, von Kleeblatt und Spitzbögen noch keine
Spur. Ehemals, so viel erkennt man noch, war es be-
malt, jezt ist cs überweißt. Im Innern las ich:
ff PETRVS. PUR. JJLKDAN’.
f RA1NERIVS. PUR. VRBlVETABT.

Diese Namen, verglichen mit der von Turriozzi
(Toscaneiia, Roma 1778) pnblizirten Inschrift am Altar,
setzen für das genannte Werk das Jahr ins; außer
Zweifel. Ich weiß nun zwar keinen römischen Stein-
metzen für diese Arbeit namhaft zu machen; da wir aber
im zwölften und dreizehnten Jahrhundert von diesen
fast alle Fenster, Ambonen, Portale, Tabernakel u. s. w.
in der Umgegend Roms, in Cornato, Toscaneiia, selbst
in Civita-Castellana, Faleri, Anagni u. s. w. beschafft
sehen, ist wohl die Vermnthnng sehr wahrscheinlich, daß
das Tabernakel in St. Pietro um 1093 durch einen oder
mehrere römische Künstler vollendet ward. - Petrus
Oderisius, wie wohl aus Pier Oderigi latinisirt ward,
ist der erste römische Marmorarbeiter, dessen Namen uns
Signorelli anfbewahrt hat. * Er war an einem Grabmal

* Yicendc dclla coltura ncllo due Sicilie. Tom. II, p. 214-
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