Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 20.1839

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Nachrichten vom September.

FNetassguß.

München, 15. September. Im königlichen Gießhaus ist
die dritte der für den neuen Thronsaal bestimmten vergolde-
ten Erzstatuen. Ludwig der Reiche, vollendet, ausgestellt.

Luida, 28. August. Am 20. dieses wurde zur Feier
des Geburtsfestes des Kurprinzen und Mttregcnten im großen
Saal des hiesigen Rathhauses die metallene Büste Sr. Ho-
heit (von Henschel) feierlich enthüllt.

Denkmäler.

Nürnberg, si. August. Heute ward das von dem hie-
sigen Bildhauer Herrn Rottermundt aus Stein gehauene
Grabmal des Generallicutenant von Lamolte feierlich ent-
hüllt. Es stellt einen Schildhalter in voller Rüstung mit
dem Wappen des Verstorbenen auf einem mit paffenden
Inschriften versehene» Sockel dar, und ist auf Kosten der
Offiziere und des Verwaltungspersonals der dritten Armee-
division errichtet.

Berlin, g. September. Se. Majestät der König haben
erst vor einigen Tagen den Prof. Rauch beauftragt, ein
Monument für Friedrich den Großen in Bronze anzufcrtigcn,
welches hier auf einem noch zu bestimmenden öffentlichen
Platze anfgestellt werden soll. Es wird den König im Ko-
stüme seiner Zeit zu Pferde so darstellen, wie wir ihn im
Bilde zu sehen gewohnt sind. Das viereckige Piedestal wird
mit paffenden Basreliefs versehen, und an den Ecken desselben
kommen Standbilder der Feldherrn Keith, Wintcrfeld, Schwe-
rin und Seidlitz. Das Ganz- wird kolossal gegen 4 0 Fuß
hoch, und ein eigenes Atelier wird zur Ausführung erbaut.
In sechs Jahren hofft der Künstler dieses Monument, dessen
Kosten über 200,000 Thlr. betragen dürften, zu vollenden.

Detmold, bi. August. Der Sänlenban des Armins-
denkmals reicht bereits sechs Fuß über die Erde hervor. Zur
Grundsteinlegung ist an der einen Seite eine Oeffnung ge-
lassen. Zum Einmauern in de» Grundstein ist neuerdings
wieder eine Zusendung von dem zur Förderung des Unter-
nehmens in Schwerin zusammengetretenen Vereine eingegan-
gen, nämlich eine 6 Zoll lange und 5 Zoll breite silberne
Tafel mit der Inschrift: „Armin, dem Retter deutscher Frei-
heit, das nach langem Wendenthum deutscher Volksthümlich-
keit wiedergewonnene Mecklenburg."

4. September. Die Ausführung der Bildsäule Her-
manns ist dem Knpferschmid Trebbe zu Lemgo übertragen.
Schon sind einzelne Stücke des kolossalen Werkes angefertigt.
Es wird aus freier Hand aus Kupfer getrieben, und man
wird sich eine Idee von den Verhältnissen des Ganzen machen
können, wenn man erfährt, daß der Daumen der rechten
Hand fast einen Eimer Wasser faßt. Dem Kupfer muß,
trotz seiner Stärke, durch ein innerhalb der Statue angebrach-
tes Gerüst Festigkeit gegeben werden, und die eiserne Stange,
welche den das Schwert erhebenden rechten Arm stüzt, wird
bei 5 Zoll ins Gevierte Stärke 105 Fuß (?) lang seyn und
gegen 5 Zentner wiegen.

temgo. 15. September. Die Kosten des Hermanns-
denkmals werden ,ezt auf etwa 50,000 Thlr. angeschlagen,

am Schluffe de» Monats Juli belief sich die Summe der
Beiträge bereits auf 21,500 Thlr. Täglich sind 120 Maurer

und Steinhauer bei dem Unterbaue auf der Grotenburg be-
schäftigt, und hier 10 Kupferschmiede bei der Ausführung
des Standbildes.

Slraßbucg, 3. September. Auf Begehren der Kom-
mission für das Denkmal, welches zu Ehren Guttenbergs
hier errichtet werben soll, har so eben der Minister des
Innern eine Summe von 1000 Fr. bewilligt. Daß Monu-
ment wird in einer ehernen Statue bestehen.

Paris, 1. September. Am 27. August wurde das bron-
zene Kapitell der Juliussäule aufgesczt. Die nun vollendete
Säule erhebt sich ibo Fuß hoch und hat 11 Fuß im Durch-
messer. Am Fuß derselben sieht man auf der einen Seite
einen Löwen, auf den drei andern die Inschriften: 27, 28.
und 2g. Julius, und an jeder Ecke den gallischen Hahn. Auf
die Säule kommt noch der Genius der Freiheit in Bronze,
12 Fuß hoch, mit entfalteten Flügel», in einer Hand eine
zerbrochene Kette, in der andern eine Fackel. In den Ge-
wölben unter der Säule sollen die Gebeine der Juliuskämpfer
ruhen.

2. September. Die Totalsummc, welche bis jezt für
Molieres Denkmal unterzeichnet worden ist, beträgt 1:1,000
Franken. Den Plan desselben hat Visconti entworfen, und
es wird an der Ecke der Rue Richelieu und der Rue Tra-
versiöre nicht weit von dem Hause, wo Moliore geboren
wurde, ausgestellt werden.

8. September. Der Municipalrath von Angers hat zur
Wiederherstellung des Grabmals des Königs Rene in der
dortigen Kathedrale 2000 Franken und zur Errichtung einer
Statue Beaurepairc's 4000 Franken votirt.

17. September. Vorgestern fand in Sceaur die Ein-
weihung des Denkmals des Dichters Florian statt, wobei
die französische Akademie durch die Herrn L einer ei er und
Dupatp vertreten wurde.

Brüssel, 25. September. In diesen Tagen ist von der
Statue Belgiens auf dem Märtyrerplatze das Gerüst ab-
genommcn worden.

London, 1. September. Am 15. August, dem Geburts-
tage SirW. Scotl's ist das ihm zu Ehren zu Selkirk errichtete,
von Ritchie besorgte Monument enthüllt worden. Die 71/,
Fuß hohe Statue stellt den berühmten Schriftsteller« in der
Amtstracht eines Sfterifs bar, in der linken Hand eine Pa-
pierrolle, die rechte auf seinen Stab gestüzt. Auf dem Fuß-
gestcllc sieht man sein und der Stadt Selkirk Wappen und
sinnbildliche Anspielungen auf den Charakter des Dichters.

50. September. Zu Drumclog ist zu Ehren der schotti-
schen Verbündeten, welche dort einen Sieg über Graham
Slaverhouse erfochten, ein 25 Fuß hohes Denkmal im gothi-
schen Styl errichtet worden, das von dem geschickten Bild-
hauer Thom in Glasgow gefertigt ist.

St. Petersburg, 7. September. Die Zeichnung des dem
verstorbene» Reichshistoriographcn Karamsi» in seinem Ge-
burtsorte Simbirsk zu errichtenden Denkmals ist jezt von den
ersten Künstlern unserer Akademie der Künste vollendet, und
bereits sind 10,000 Eremplare abgedruckt, deren Verkauf
a 5 Rtfbel das Stück die noch zu beschaffende» Kosten des Mo-
numents decken wird. Die Zeichnung gibt, nebst einer Ansicht
des Denkmals, die Darstellung von zwei merkwürdigen Mo-
menten aus Karamsin's Leben, Das erste stellt ihn dar, wie
er Kaiser Alerandern die Großthaten Dimitry-Donskoy's ver-
trägt; das zweite zeigt ihn auf dem Sterbebette in dem Au-
genblicke, wo ihm die Verleihung einer Leibrente von 50,000
Rubeln angekündigt wird.

Verantwortlicher Redakteur: von Schorn.
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