Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 22.1841

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Notiz zur Notiz -ns Ättargemäl-e von Hugo
van -er Goes in S. maria nuova zn Florenz
betreffen-.

So willkommen es mir euch ist, durch die im Kuust-
blatt vom 20. Mai gemachten Mittheilungen des Herrn
Alkr. Reumont veranlaßt zu werden, über fragliches Ge-
mälde einige weitere Erläuterungen zu geben, so sehr
bedauere ich mein Befremden aussprechen zu müssen, wie
derselbe meine Angaben über den Stifter jener Alrar-
tafel so oberflächlich angesehen, daß er gar nicht bemerkte,
das; ich auch mit keiner Sylbe des Gründers des Hospitals
Erwähnung gethan, mich aber beschuldigt, diesen mit
dem Stifter des Altarblattes von Hugo verwechselt zu
haben. In der That weiß ich nicht nur recht wohl, daß
jener Folco Portinari, der Vater der Beatrice des Dante,
gegen zwei Jahrhunderte vor der Entstehung des Bildes
von Hugo van der Goes gelebt, sondern auch, daß er
für den Altar der Hospitalkirche ein Madonnenbild von
Cimabue fertigen ließ. Meine Angabe bezieht sich auf
einen später» Folco Portinari, von welchem Giuseppe
Richa in seinen INotixie istoriche dolle chiese fiorentine
angibt, er sey auf jenem Bilde des Niederländers pvr-
trätirt, so wie auch Falganaccio, der den Tod des Co-
simus pater patriae, als er im Palast gefangen gesessen,
verhindert habe. — Richa allerdings ist nicht immer
zuverlässig in seinen Angaben, wie er denn auch hier den
Jrrthum begeht und unser Altargemälde, das er eine
Ankündigung (an die Hirten) nennt, einmal (iv. S. 190)
dem Andrea del Castagno, und weiter unten (S. 202)
dem Domenico da Venezia zuschreibt; ein Jrrthum, dem
selbst noch der Florentiner Wegweiser von 1833 gefolgt,
indem er zwei der Tafeln von dem Letzter«, die dritte
mit den weiblichen Figuren von dem Erstern hält, jedes-
mal jedoch bei den Porträten bemerkt, daß man glaube,
sic stellten die der damaligen Familie Portinari vor.
Ob nun die Angaben des Richa über die Bildnisse be-
gründet sind, wäre zu untersuchen; jedesfalls aber scheint
es voreilig, sie ohne weiteres verwerfen zu wollen und
der Portinari späteres Vcrhältniß zu den Medici, wie
ich es angegeben, als unwahrscheinlich zu betrachten,
vielmehr wird cs durch obige Notiz des Richa eher be-
stätigt. Meine Angabe, daß jener spätere Folco Porti-
nari der Geschäftsführer der Medici in Brügge gewesen,
beruht jeboeb nur auf einer mir gemachten Mittheilung
vor dem Vildniß im Palast Pitti, deren historische Rich-
tigkeit ich nachmals nicht im Stande war zu ergründen.
Die Notiz an sich, eine Nebensache bei dem behandelten
Gegenstände, schien mir indessen interessant genug, um
sie nicht ganz unbeachtet zu lassen. Nach dieser ganz
offenen Darlegung erwarte ich von dem mir sonst nur

höchst ehrenhaft gekannten Charakter meines Anklägers,
daß er mich in Zukunft mit derselben Gewissenhaftigkeit
behandle, mit welcher ich mich jetzt gegen ihn erwiesen.

I. D. Passavant.

Frankfurt a. M., r. Juni l84l.

Nachrichten vom Juni.

Persönliches.

Nom, 2». Mai. Die päpstliche archäologische Akademie
hat die Herren Böckh und Gerhard zn Berlin zu ihren
correspondirenden Mitgliedern ernannt.

Dr. Schulz aus Sachsen ist von Neapel hier eingetroffen.

Der bekannte Genremaler E. Meyer aus Altona hat
uns seiner Gesundheit halber verlassen müssen, und wird die
Wasserkur in Geäfenberg brauchen. — K. Weidemann aus
der Schweiz ist mit gefüllten Mappen aus Algier hier ein-
getroffen.

i. Juni. Pcllegrino S u c c i, der von seinem Vater
das Geheimnis! ererbte, Frescobilder von der Mauer abzu-
lbseu und auf Leinwand zu bringen, wofür er voni Papst
eine Pension bezieht, ist nach Ferrara geschickt worden, um
die schönen Fresken des Garo falo in der Kirche S. Andrea
abzuldsen uno vor dem Untergang, dem sic entgegengehen,
zu bewahren.

3. Juni. Heute reist der Gencralsccrctär der Münchner
Akademie, Martin von Wagner, nach München ab, um,
wie es heißt, die dortige auserlesene Sammlung von Anti-
caglicn zu ordnen, worauf er wieder hierher zurückkehre» wird»

Venedig, 4. Juni. Vergangene Woche hat Se. Maj.
der König von Bayern hier verweilt und die Merkwürdigkeiten
der Stadl in Augenschein genommen. Vorzügliche Aufmerk-
samkeit wendete der hohe Gast den Gemälden der älter» ve-
nezianischen Schule zu. Man spricht auch von bedeutenden
Acauisiiionen. welche von ihm beabsichtigt werden.

München, 15. Juni. Prof. Schwanthaler begibt
sich dieser Tage wegen des Gocthemonumenls wieder nach
Frankfurt. (Vergl. Denkmäler.)

t7. Juni. Gestern Abend ist der Generalsekretär der
Akademie der Künste, I. M. Wagner, von Rom hier
eingetroffen.

Derlin, 2i. Mai. Der König der Franzosen hat dem
Bildhauer Prof. Rauch den Ordeu der Ehrenlegion zugesanbt.

54. Mai. Thvrwaldscn ist vorgestern hier angekom-
men und bereits gestern Abend von Sr. Maj. dem Könige
in dem Lustschlosse Schdnhausen empfangen worden, wohin
er zum Thee und Souper cingeladc» worden war.

t. Juni. Am 3o, Mai, dem Tage nach Thorwald-
scn's Ankunft i» Berlin, wartete ihm eine Deputation dcS
altern Kunstvereins auf, zu welcher auch Hr. Kopisch ge-
hörte, welchem die bei dieser Gelegenheit von Thorwaldscn
milgetheilten Zeichnungen von dessen neuesten Bildllaucr-
arbeitcn Veranlassung gaben, sich über die letzter» in den
Berlinischen Nachrichten in folgender Weise auszusprechen:
„Besonders reich hat sich seine erfindende Kraft bei Schöpfung
der mannigfaltigsten Reliefs, entwickelt. Da siebt man eine»
pfeilschicßenden Amor und hinter ihm die Wirkung des Schusses
in zwei LiebeSgenien angcdcutct, die Fackel an Fackel ent-
zünden; da sieht man in einem andern Relief die keusche
Artemis den Zeus bitten, sie unvermählt zn lassen, und so
J. D. Passavant: Notiz zur Notiz des Altargemäldes von Hugo van der Goes in S. Maria Nuova zu Florenz betreffend.
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