Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 22.1841

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Preiset die Genien, die sie erwählet
Für den beglückende», hohen Berns,

Die sie mit himmlischem Hauche beseelet,
Werke zu schaffen, wie Gott sie erschuf.
Preiset vor Allen sie, die einst geschn
Walten und wirken Alt-Rom und Athen.

Preiset den Meister in unseren Tagen,
Welcher im Nordlicht grüßte die Welt;

Ihn, den die Musen vom Hekla getragen.
Neben die Geister von Hellas gestellt.

Hebet die Becher, die Herze» empor:

Preiset im Liede den Enkel des Thor!

S. Förster.

An Thorwaldsen und Schölling.

Sey uns gegrüßt, du edles Greisenpaar,

Das dieser Stunde Festlichkeit verbindet,

Ihr, deren Haupt der Lorbeer frisch umwindet,

Des Ruhmes Sonn' «mschimmert wunderbar.

Was Großes in der Zeit verborgen war.

Ihr habet es gefunden und ergründet,

I» Wort, in Erz und Marmor es verkündet.

Daß cs besteht und leuchtet immerdar.

Doch jetzt, wo Euch die Hand des Genius,

Der Eure Bahnen ebnet und beschcint.

Uns holdgesinnt in diesem Raum vereint.

Gestattet der Zwanglosen Ehrengruß,

Der, wie er aus des Herzens Tiefe dringt,

Zwei hohe Name» in einander schlingt.

Fr. Lhiersch.

Hierauf bezogen sich folgende von V. Walther ge-
sprochene Worte:

Ich hdrt' in zwangbefreiten Kreise»

Zwei große Männer würdig preisen.

Allein der Dichter sprach von Greisen.

Verzeiht, Zwanglose, das, ein Fremder widerspricht,
Der Dichter irrt: die Götter altern nicht!

An Albert Ritter von Thorwaldsen.

Gesprochen in einer Tischgesellschaft am 15. Juli mi.

Nordland'S Sohn, erhab'ncr greiser Däne!

In der Seele weckst Du mir Gesang;

Spränge doch, wie von der Bogensehne
Rasch ein Silberpfeil, mein Saitenklang:

Du, der groß wie PhydiaS, der Hellene,

In das alte Gdltcrreich sich schwang,

Den begeisterte der Christusfriede,

Meine Seele weckst Du zu dem Liede.

Hoher Meister, da ich Dich erschaue,

Oeffnct sich die schöne Glaubcnswelt,

Und die Kunst mit ihrem Himmelsthaue
Fühl' ich, der in tausend Herzen fallt.

Gottes Sonne strahlt mir, und der blaue
Acthcr leuchtet durch das Sternenzelt;

Deiner Werke, die vom Ew'gen stammen,

Denk' ich, die zum Höher» uns entstamme».

Heil'gc Marmorbildcr und Gestalten
Sprechen an der Menschheit ganzes Herz;

Da ergreife» cS der Kunst Gewalten,

Und erheben es vom Erdenschinerz.

Traum und Vorzeit seh'n wir sich entfalten,

Die Geschichte tönt uns auS dein Erz;

Und zum Licht empor, wen» wir verzagen.

Sind wir durch den Menschcngeist getragen.

Wir sind groß, wir sind's durch Künstlergröße,

Im Gefühl der stillen, freie» That;

Hinter uns liegt rauhes Weltgetöse,

Vor «ns sproßt des Geistes gold'ne Saat;

Wir sind groß: cs weicht des Dascyns Blöße
Vor dem Leben in der Sel'gc» Rath:

Aller Zeiten Dauer hat bezwungen,

WaS unsterblich de», Gemüth entsprungen. —

Spränge doch, wie von der Bogensehne
Treffend schön der Pfeil, mein Saitenklang!
Islands Sprosse, wunderbarer Däne,

Du erweckst im Herze» den Gesang —

Wie im Norde» zieh'» die Silberschwänc,
Königlich, so lebe Du »och lang
An dem blonde» Belt, am blauen Meere,

Sanft gewiegt vom Ruhm und von der El,re!

Karl Fern au. (parcmbcrger.)
(Fortsetzung folgt.)

Nachrichten vom Juni.

Nekrolog.

llcw-york, 4. Mai. Der Maler Philipps aus
Preuße», welcher seine Studie» i» Rom vollendet hatte, ist
unlängst hier mit Tode abgegangen.

Paris, io. Juni. Der Baron von Ssinögra, einst
Oberhaushofincister Ludwig Napoleons im Haag, ist zu Bü-
zicrs gestorben. Er hinrerläßt eine bedeutende Münzsammlung.

Verantwortlicher Rcdactcur: von Schorn.
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