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K u n s t b l

Honnerftiu], den 13 Mürz 1845.

Knnstnachrichtcn aus Pesth.

Unter diejenigen Hauptstädte Europa's, deren Au-
ßenseiten sich in neuester Zeit gleichsam zu verjüngen
scheinen, gehört unstreitig auch Ungarns Hauptstadt,
Pesth. Sie putzt sich heraus im Vorgefühl einer nicht
fernen Zeit, in der sie wird Gränzscheide oder Stapclort
zwischen Orient und Occident werden, wozu sie freilich
ihre glückliche Lage gemacht zu haben scheint. Erst seit
einem Decennium hat man in Pesth angefangen, die
Privatbauten nach umfangreicheren Plänen zu betreiben.
Die Architektur hat alle Kräfte auf der Pesther Seite
und zwar an dem Ufer des majestätischen Donaustromcs
conccntrirt; eine Reihe von Gebäuden sind hier in jüng-
ster Zeit entstanden, die von der Wohlhabenheit dieser
Stadt einen höchst vortheilhaften Begriff geben. Der
Fremde gewahrt hiebei mit Freude, daß im Allgemeinen
der Ungar mit einer Art Pietät diesen Kunstleistungen
seiner Hauptstadt folgt, diesen gegenüber sich in ganzer
Nationalität verhält.

So vorrheilhaft die Lage Pesths in merkantilischer
Beziehung erscheint, so reizend und heiter ist sie auch
nach Außen hin artistisch anzuschauen. Der Aussicht
nach dem gegenüber gelegenen Ofen folgt das Ange
gerne; eine Reihe lieblicher Hügelbildungen, an denen
sich diese Stadt amphitheatralisch aufbaut, erinnert an
die Südländer Europa's, was sich freilich auch der Sache
nach bewahrheitet, denn an den Ufern sieht man Haufen
aufgeschichteter Melone», Körbe voll Weintrauben und
anderer Südfrüchte. Noch entzückender ist der Fernblick
von den Anhöhen Ofens über Stadt und Land, über
den fruchtbaren Boden, die Weinberge und heiteren
Viguerien, die, in langen Wellenlinien durchfurcht, mit
Straßen und Gangsteigen den Boden in saftiges Grün
kleiden, das sich nach den Fernen hin mit dem Blau
der Luft vermischt. Von hier aus erscheinen die Neu-
bauten PesthS in gedrängter Reihenfolge und gürten
die Ufer des mächtigen DonaustromeS, der in ernster

Ruhe hinabgleitet und rings das rührigste Leben for-
dert, das er aus dem nahen und fernen Ungarland zur
Hauptstadt trägt.

Der eifrigste Beförderer dieser neuesten Bauunter-
nehmungen ist Se. k. k. Hoheit der Erzherzog Palatin.
Derselbe muntert auf und unterstützt, begicbt sich auf
die Privatbauplätze und hebt den Werth derselben durch
sein Beispiel, indem er ihnen öffentliche Bauten hinzu-
fügt. Das neue Museum ist das letzte dieser öffentlichen
Werke, welches in diesem Jahre nahezu gänzlich voll-
endet sevn wird.

Der geniale Graf Stephan Szechini ist, wie in
jeder dem Gesammtwohle Ungarns förderlichen Sache,
so auch in den Bauunternehmungen vor Allen bethei-
ligt, in welchen er denn auch keinerlei Opfer scheut.
Zeuge dieser seiner Bemühungen ist der Bau der neuen
Kettenbrücke, sein Antheil an der Dampfschifffahrt rc.
So wollte der Graf in neuester Zeit der Stadt Pesth,
welche bis jetzt noch keinen Thurm hat, auch einen der-
gleichen mit einer Uhr stiften und ihn mit einem neu
zu erbauenden Wohnhaus in Verbindung bringen; er
fand aber unter seinen Freunden solchen Widerstreit,
daß sein Beharren endlich den Bitten seiner Gemahlin
weichen mußte. Es ist zu bedauern, daß eine dem Ge-
meinwohl dienliche Sache in dieser Weise scheitern mußte.

Der Graf Caroli ist, soviel ich weiß, der Erste ge-
wesen, welcher sich in Pesth einen Palast gegründet hat,
der jedenfalls fürstlich zu nennen ist. Cs ist zu be-
dauern, daß man für diesen Bau keinen besseren Platz
zu finden wußte. Beengt nach den Seiten, ohne An-
sicht, sinkt er nach Außen hin in die Kategorie gewöhn-
licher Wohnhäuser herab, während das Innere und Ge-
höfe den Reichthum des Besitzers bekunden; insbesondere
sind die Einrichtungen der verschiedenen Küchenräumlich-
keiten nach einem so umfangreichen Plane angelegt, daß
dieser von der genauesten Kenntniß des Architekten im
Fache der Kochkunst die vorrhcilhafteste Meinung bei-
bringt. Es wäre zu wünschen, daß dem Beispiele des
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