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2V 31.

K u n s t b l

alt.

Donnerstag, den 17. Llprit 1845.

Kunstgeschichte.

Jeux de cartes Tarots et de cartes numerales
du XIV. au XVIII. siede, represeutes en C
plandies d’apres les origiuaux, avec un
precis historique et explicatif. Paris 1844.

(Fortsetzung.)

Die typischen Bilderreiheu, welche der Tarokkarte
zum Grunde liegen, waren noch im 15. und 16. Jahr-
hundert ein so beliebtes Thema, daß die damaligen
Künstler sie um die Wette bearbeiteten und wieder er- ;
neuerten, daher sie denn auch in alten Kupferstichen und
Holzschnitten außerordentlich häufig sind. Schon zn j
Giotto's Zeit wurden die meisten derselben in den
Wandmalereien der ssla della ragione des öffentlichen
Palasts zu Padua in einem großen Gesammtcyklus zusam-
mengefaßt; auch Mantegna, bekanntlich zugleich einer j
der größten und thätigstcn Zeichner, hat sie in seiner
strengen, aus dem Studium der Antike hervorgegange- z
neu Weise eigcnthümlich behandelt, und mag daher auf j
die Tarokkarte zn feiner Zeit nicht ohne Einfluß gewesen
seyn. Letzteres sehen wir z. B. aus den Proben einer :
venetianischen Tarokkarte auf Taf. 81, die nicht vor 1491 j
gestochen ist und einen ganz mantegnaschen Geschmack 1
verräth. Schon Cicvgnara hat davon in seinen Llernoric
auf Taf. 12 einige Blätter in Umriffen kopircn lassen.
Indessen hat sich Mantegna schwerlich auf die Tarok-
karte selbst, sondern nur auf die allegorischen Bilder-
reihen, aus denen die Tarvkbilder entstanden sind, ein-
gelassen. Aus den zahlreichen Zeichnungen, die von ihm
und seiner Schule vorhanden waren, ließen sich diese
Reihen ziemlich vollständig zusammenbringen, und so
find sie denn auch, wie die Tafeln 21 bis 70 zeigen,
bald »ach ihm in Venedig nach solchen Zeichnungen ge-
stochen und in ein Ganzes vereinigt worden, welches
aus fünf Abtheilungen, jede zu zehn Blatt, also aus
fünfzig Blättern von einerlei Form und Größe besteht.

die unter den altitalienifchen Kupferstichen zu den merk-
würdigsten und gesuchtesten gehören. Sie begreifen die
Folgen der Stände, der Musen, der Wissenschaften, der
Tugenden und der Planeten; da aber in denselben die
Musen auf neun, die Wissenschaften (das sogenannte
trivium und quadrivium) auf sieben, und die Kardinal-
tngenden wie die Planeten auf sieben abgeschlossen wa-
ren, so mußten, um sie überall auf die Zahl von zehn
zn bringen, den Musen noch ihr Vorsteher Apoll, den
Wissenschaften einige andere und den Tugenden und
Planeten gleichfalls drei Blätter hinzugesetzt werden,
für die, wahrscheinlich nur weil unter den Zeichnungen
nichts passenderes zu finden war, bei den Tugenden die
als Iliaco, Chronico und Cosmico bezeichneten und sich
auf den Sterncnlanf, Chronologie und Kosmologie be-
ziehenden Blätter, bei den Planeten die Andeutung der
über ihre Kreise hinausliegenden Himmelssphären, als
Octava spera, Primo mobile und Prima causa gewählt
wurden. Die dadurch erreichte Einheit ist, wie man
sieht, nur eine formale und numerische, und die ein-
zelnen an sich selbstständigen Bilderreihen sind hier nur
in einen Guß gebracht und aus keinen andern Gründen
zusammen gestochen worden, als aus denen sie früher
und später im Einzelnen so oft von andern Meistern
gestochen wurden. Nichts desto weniger hat man sich
dadurch, daß hier die allegorischen Figuren einzeln wie
die Kartenbilder, und zwar auch in Form und Große
ohngefähr wie diese, vorgestellt sind, sowie dadurch, daß
die alten Tarvkbilder einige Personifikationen, wie Pabst,
Kaiser, Sonne, Mond, Stärke, Gerechtigkeit ic., mit
dieser Kupferstichfolge gemein haben, verleiten lassen,,
letztere gleichfalls für eine Spielkarte zu halten und ihr
den Namen Gioco di Mantegna zu geben. Der weitere
Nachweis, warum dies unrichtig ist, gehört nicht hieher;
mag aber der Zusammenhang des Gioco di Mantegna
mit den eigentlichen Spielkarten seyn, welcher er wolle,
so steht diese Kupferstichfolge doch schon an sieb, sowohl
weil fie des Mantegna durch Erfindung, Zeichnung,
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