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Kardinalen, Hofnarren, Damen, Pagen und Zwergen
begleiten ihn — wieder eine bunt zerrissene Pracht! —
Ernster und viel bedeutender sind die Leistungen von
Steuben, er ist wirklich ein gewaltiges Talent für
Historienmalerei, aber zu phantastisch, zu übertreibend,
seine Gestalten sind entweder riesig- oder zwergisch-dä-
monisch, sie haben etwas lieber- oder Unterirdisches,
selbst da, wo es ganz gewöhnliche Menschen seyn sollen.
Steuben will mit Gewalt etwas Außerordentliches lei-
sten; wäre sein Blick vernünftiger auf die Natur ge-
richtet, er würde diese sicherlich richtiger erfassen und
glücklicher historische Scenen darstellen. Seine Art und
Weise zu malen ist dem Ueberschwänglichen angemessen,
ein wilder Zug des Pinsels, folgt dem wilden Zuge der
Phantasie; so sehen wir es auch hier in der Schlacht
bei Jvrey, wo eigentlich schon die Entscheidung, diese
aber eben so wild wie das tollste Gemetzel, dargestellt
ist; der Sieger sprengt zu den Gefangenen, als ob es
gälte, diese noch niederzumetzeln, und diese rollen so
fürchterlich die Augen und schneiden so wilde Gesichter,
daß man ihnen den Zorn und den Schmerz nicht recht
glaubt; tiefe Gefühle offenbaren sich ganz anders, die
spielen keine Komödie! — Alaur hat in seiner Manier
viel Aehnlichkeit mit Guorin, doch ist er nicht gar so
dolce wie dieser, führt aber einen leichteren Pinsel; dies
sehen wir vorzüglich bei der „Vorstellung des Poussin
durch Richelieu bei Louis XIII.," wo namentlich die
schönen Kostüme aus dieser Zeit vortrefflich behandelt
sind. Ein Gleiches ist der Fall in dem Prachtbilde von
Deveria: Louis XIV. besieht mit Pujec eine Statue
in Versailles, umgeben von Hofdamen, Herren und
Pagen. Merkwürdig ist's, daß der Meister gleichgeschickt
markige Schlachtbilder, wie elegante Hofscenen malt. —
Wenn das Auge den von Horace Vernet gemalten
Plafond sieht, so fühlt es gleich, daß hier etwas ganz
Anderes als in den gesammten übrigen Bildern gelei-
stet ist. „Bramante überreicht dem Papst Julius II.
den Plan zur Peterskirche und Raphael die Skizzen zu
den Stanzen;" Michel Angelo steht, mit Kappe und
Handschuhe in den Händen, trotzig daneben, Kardinäle
umgeben den Papst, drei Schüler des Raphael lehnen
im Hintergründe, unter der Säulenhalle, nachlässig auf
der Altanbrüstung; man sieht, daß hier etwas Wahres
auf die allernatürlichste Weise zugeht; diese Menschen
und diese Räumlichkeiten können eristiren, sie sind ein-
fach, naturwahr und doch edel gemalt. Dennoch ist
dieses Bild keinS von Vernets vorzüglichsten; im Ge-
genstände selbst liegt wenig Handlung und es war des-
halb dem Genie des Meisters nicht recht angemessen,
welches sich freier in heftig dramatischen Darstellungen
bewegt; wir werden daher Vernet später, und nament-
lich als Schlachtenmaler, kennen lernen. — Die Krone

aber aller dieser Plafondbilder ist das von Coignet;
wir sehen Bonaparte in Aegypten unter seinem Lager-
zelte, welches auf den Trümmern eines im Sande ver-
grabenen Tempels errichtet worden ist; von diesem
Höhenpunkte aus sieht der Konsul die Schlacht bei den
Pyramiden an; er steht, die eine Hand in der Brust,
die andere ruhig aufgestützt, im Halbschatten unter dem
Zelte; sein Blick ruht fest auf der Schlacht, während
Adjutanten zu ihm herantreten und Rapport abstatten;
ein Franzose, nachlässig auf sein Gewehr gestützt, und
mehrere Beduinen halten um den Feldherrn Wacht, ein
anderer Araber, den braunen Körper halb verhüllt mit
einem rothen fliegenden Mantel, schleppt eine Mumie
die Stufen des Tempels herauf; er wird in seinem Ge-
schäft von einem Mohren und einem lustigen Trommel-
schläger unterstützt; eine Eingebvrne trägt den Durstigen
einen Krug Wasser auf dem Kopfe die Stufen hinan;
ein Künstler sitzt da und zeichnet das Schlachtterrain;
fern im Wüstensande feuern die blauen Franzvsenreihen,
und die weißen Mäntel der Beduinen flattern auf flie-
henden Rossen; ernst sehen die beiden mehrtausendjäh-
rigen Kolosse dem neuen Schauspiel zu. Da ist also das
ganze Wirken der großen Armee in Aegypten dargestellt
und doch nirgend Ueberladung, meisterhaft componirt
und höchst charakteristisch im Kolorit.

Es ist Zeit, den Louvre zu verlassen und die schon
früher erwähnten Grisaillemalereien von Pujol und
Meynier in der Börse etwas näher zu betrachten. In
den großen Volten des Spiegelgewölbes sind mehrere
Hauptbilder angebracht, Gegenstände, welche natürlich
auf den Handel Bezug haben, wie die Welttheile mit
sehr charakteristischen Attributen, Darstellungen aus dem
Wirkungskreise Merkurs u. s. w. In den Ecken des Ge-
wölbes sieht man die Hauptstädtegöttinnen des Landes,
welche theils durch paffende Attribute, mehr aber noch
durch die darunter gesetzten Namen erklärt werden. Die
Compvsitionen sind meistentheils gut, die Zeichnung hat
immer noch etwas Weichliches aus dem vorigen Jahr-
hundert, die Malerei hingegen ist so vortrefflich, daß
fast jeder Eintretende eine Zeitlang getäuscht wird und
wirkliche Scnlpturen zu sehen meint, bis die gleichmä-
ßige Schattenwerfung bei verschiedenen Stellungen ihn
enttäuscht. Abel de Pujol malte Bilder in ähnlicher
Manier in der Kollo ckos distribulions der Deputirten-
kammer; sie stellen die Gerechtigkeit selbst und verschie-
dene Handlungen derselben dar; am vorzüglichsten ist
die Vertheidigung des Salischen Gesetzes gegen rohe
Krieger, die andern sind eben nicht bedeutend. In dem
Bibliotheksaal können wir vorzüglich die Werke des De-
lacrvir kennen lernen au den vier Seiten der Decke,
in vier einzelnen weiblichen Figuren, die Gerechtigkeit,
die Industrie, den Ackerbau und den Krieg; unter jeder
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