Lindau, Martin B.
Lucas Cranach: e. Lebensbild aus d. Zeitalter d. Reformation — Leipzig, 1883

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Lraiiach's Holzschnittwerke.

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nit lasen, dieweil ich sulchs gelt so lang hab ausgestrackt, das mir warlich
schwer ist, und ich hab mich ale margk sie darauf verlasen und bit, ewer
fürstlich geuad wöl mein nit vergesen auf der newen Jarsmargk. Das
wil ich gantz untertenig umb ewer fürstlich genad verdinen, nit mer; ich
befehl mich Ewer gnaden. Dat. im michaelismargk zu Leiptzig im 29. Jar.
Ewer fürstlichen genaden g. wiliger Diner u. s. w. Lucas Cranach maler
zn wittenbergk." — Mit diesem Schreiben scheint Cranach endlich die Be-
zahlung erwirkt zu haben; aber die Folge wird lehren, daß er auch ferner-
hin mit dem Markgrafen namentlich aber als Künstler in engem Verkehr
blieb, und daß es gerade Markgraf Albrecht war, dem er in einer Zeit
schwerer Bedrängniß sein Herz ausschüttete?

Viertes Aapitel.

Cranach'sche Holzschnittwerke. Die Heiligthürner der St. Moritzkirche zu
Halle und Erzbischos Albrecht von Mainz. Cranach's Thätigkeit snr den
Fürstbischof von Eichstädt (1520). Die „knssio Obristi et ^utiebristi'ü

^tehren wir nach dieser Umschau anf anderen Gebieten seiner Thätigkeit
in Cranach's Kunstwerkstatt zurück, so finden wir ihn wührend dieser Zeit
vorzngsweise nnt Grifiel nnd Schneidemesser beschäftigt (vgl. S. 123); erst
mit dem Jahre 1525 wendete er sich wieder ausschließender zu Pinsel und
Palette. Ein Knpferstich mit der Jahreszahl 1520 und der Schlange, nach
der ihm beigesügten Schrift den Cardinal und Erzbischof Albrecht von
Mainz im 30. Jahre darstellend, führt uns zunüchst zu einem Holzschnitt-
werke, dessen Beziehnngen zu Cranach allerdings ziemlich zweifelhafter
Natur zu sein scheinen. Cranach's Küpferstichportrüt des Cardinals Albrecht
soll nach Bartsch und Heller eine Kopie eines Dürer'schen Kupferstichs von
1519 sein, welcher das Verzeichniß der Heiligthümer der Sanct Moritz-
und Marien-Magdalenen-Kirche zu Halle schmückte, das im Jahre 1520
also gleichzeitig mit dem Cranach'schen Knpferstich auf Veranlassnng des

^ Später und narnentlich vom Jahre 1546 an war es der berühmte Wittenbergische
Buchdrucker Hans Lufft, der die literarischen Bedürfnisse des Markgrasen befriedigen
half (s. dessen Briefwechsel mit Albrecht in den „Beiträge z. Kunde Preußens", III.,
S. 252). Lufft's Tochter war an den markgräflichen Leibarzt Andreas Aurisaber
(einen Sohu des wittenberger Christian Aurisaber?) iu Königsberg verheirathet.
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