Lindau, Martin B.
Lucas Cranach: e. Lebensbild aus d. Zeitalter d. Reformation — Leipzig, 1883

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Luther's lvitwe und ihre Freunde.

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Zeit sand, die Bestellung auf diese sechs Portr'aits auszuführen, wird uns
nicht bekannt, ebensowenig als sich für die Existenz von diesen auf Lein-
wand gemalten Portraits irgend ein Nachweis vorfindet. Wohl kaum aber
diirfte das sogenannte Stammbuch der Fürsten, das sich früher im Dresdner
Hauptstaatsarchiv und seit 1865 auf der königlichen Bibliothek zu Dresden
befindet und dessen meisten Portraits die Jahreszahl 1532 tragen, hin-
sichtlich seiner Entstehung in das Jahr 1546 gehören, obgleich man an-
nehmen könnte, daß diese Portraits nach Originalen jener früheren Jahre
kopirt worden seien? Dagegen zeugt ein in dem Berliner Museum befind-
liches Bild nicht bloß von Cranach's weiterer Thätigkeit in diesem Jahre,
sondern scheinbar auch von seinem Bestreben, sich mit der Ausführung
eines launigen Gedankens über das Leid und die Befürchtungen der Gegen-
wart zu erheben. Es ist dieses mit der Jahreszahl 1546 und dem Mono-
gramm versehene Bild, der sogenannte „Brunnen der Jugend", wovon die
Pariser Kupferstichsammlung die Zeichnung enthielt, während ein Holz-
schnittt desselben mehrfach vorkommt.

Siebentes Aapitel.

Luther's Witwe und ihre Freunde. Der schrnalkaldische Krieg. Schlacht
bei Mühlberg. Wittenberg's Noth und Bedränguiß. Karl V. und
Lucas Cranach. Karl V. in Wittenberg. Des gefangenen Churfürsten

Abschied.

^ierauf tritt in Cranach's Kunstthätigkeit offenbar eine längere Pause
ein. Der Faden seines Lebens verschwindet auf eine Weile — gleichsam als
Symbol des Friedens — fast gänzlich in dem allgemeinen Drange jener
„Nothwehr", welche die „Hofjuristen und Hofräthe" mit ihren Rathschlägen
„aus der Religionssache erzwingen und machen wollten" und wozu auch
ferner „nach Doctor Luther's seligem Tode die wittenbergischen und andere
mehr Theologen noch mehr dazu halfen"^ Luther's Mahnung, „daß man
sich nicht unterstehen sollte, Gottes Wort mit dem Schwerte zu verfechten",

i Schuchardl beruft sich hierbei auf die Cämmereirechnuug vom Jahre 1546,
worin es heißt: „10 fl. für mein arbeit und die Fürsten iu's Buch gemacht XXI Fürsten
uud Fräulein". Das Stammbuch enthält allerdings 21 Fürstenbilder, der Preis ist
aber der Arbeit kaum entsprechend.

^ Vergl. Neudecker's Ratzeberger, S. 148.

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