Cranach, Lucas [Editor]; Lüdecke, Heinz [Editor]
Lucas Cranach der Ältere: der Künstler und seine Zeit — Berlin, 1953

Page: 177
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3 Florin 15 Groschen vor ein Contrafactury, so mein Gn.
H. seinen Gewirten [Wirtsleuten] alhier zu Augs-
burg geben, idem.

2 Florin 15 Groschen vor eine Gontrafactur, welche m.
Gn. H. dem Gulischen [Jülichschen] Hofmeister
geben.

Zu 67-71:

Wenn inan sich Gedanken über die oft überraschenden Wan-
derungen von Bildmotiven im 16. Jahrhundert macht, dann
bietet dieser Urkundenvorgang ein recht hübsches Beispiel
dafür, auf welch kuriosen Wegen ein Motiv gewandert ist.
Die sicher handwerklich derben Abdrücke von Holzmodeln
in eingedickten Quittensaft, die sieben Tugenden darstel-
lend, dienten auf Wunsch Johann Friedrichs als Vorlage für
7 Gemälde Cranachs, die als Geschenk zu Sibylle von Cleve
nach Weimar kamen. Nehmen wir an, daß es sich bei den
Vorlagen um Arbeiten der italienischen Volkskunst gehan-
delt hat, dann wird klar, welche Überraschungen in Werken
Cranachs, aber auch im Werke anderer Maler jener Zeit
auftreten können.

72. Lucas Cranach verrechnet seine Arbeiten, die er in
Augsburg gemacht hat.

1552. o. Dat.

LHAW. Reg. Aa. 2975. fol. 18-21.

Lit.: Schuchardt I. S.206.

Text nach Original.

[Eigenhändig] Item was ich seit der nächsten Rechen-
schaft gemacht hob zu Augsburg.

20 Florin vor den Paris auf Tuch von Ölfarben
5 Florin vor die Judith Doktor Achilus
5 Florin ein Marienbild der Pfistern.

5 Florin dem Bischof von Arras vor meines Herrn
Contrafet

5 Florin vor Thucia (!) [Tizian] Conterfet, des Malers
von Venedig.

15 Florui vor das Tuch dar Christus bei dem Weib beim
Brunnen steht

5 Florin vor meines Herrn Cunterfet, Hans Welsers Weib

2 Florin vor ein kleins Cunterfet Grafen -(?) Gleichen
5 Florin ein Tuch mit ein Caritas -(?) Arzt

3 Florin vor ein Barmherzigkeit

4 Florin vor ein Marienbild, des Kaisers Zwerg.

5 Floriji vor mein Cunterfet mit einem Weibe.

5 Florin vor meinen jungen Herrn Johann Friedrich
5 Florin vor den König von Jerusalem
5 Florin vor meins Herrn Kontrefet, Moritz Welser ist
geschenkt

3 Florin vor den Tänzer Spanier und vor meines Herrn
Wappen

3 Ort den Tischler wieder auf ein neues aufzuziehen und
zu machen.

7 Groschen vor das groß Futter, dar man die Tücher innen
geführt hat.

2 Groschen vor das Futter, das man den jungen Fürsten

geführt

3 Groschen vor das Futter, dar inne man den König von

Jerusalem hat gen Weimar geführt

14 Groschen vors Gold auf die Leisten zu vergolden, auf die

Leisten Duckziats (?) [Tizians] sein die Jung-
frauen gemalt.

15 Groschen dem Tischler vor die Leisten und zu beschla-

gen alles zusammen.

4 Groschen vor die Leisten, daß ich m. Gn. H. auch auf

hob Cunterfet zu vergolden.

Diese Tücher sein noch zu verrechnen.

Diana, die den Jäger begeußt, daß ein Hirsch aus ihm
wird.

ein Meerwunder führt einem Herrn sein Weib hinweg,
von Hercules der spinnt.

Adam und Eva.
ein Charitas,
eine Venus
ein Ölberg
ein Auferstehung
ein Himmelfahrt.

dar man die Kindlein zum Herrn bringt,
ein Weihnacht.

die Abnehmung, ein Vesperbild,
und die Affen zu kunterfeien
Item die -(?) oder -(?)
die zehn Zwerge des Kaisers.

15 Taler hob ich auch von Fritz von Ponikau empfangen
auf Arbeit.

20 Taler hab ich empfangen von - [Lücke] Gotsmann
auf Arbeit.

[Rückseitig von anderer Hand: Lucas Maler 100 Florin
auf Rechnung zu geben]

Zu 72:

Diese letzte Rechnung Cranachs zeigt den Meister noch in
einer erstaunlichen Leistungsfähigkeit. Anzunehmen ist, daß
Cranach in Augsburg keine Gesellen und keine Gehilfen bei
sich hatte und alle Arbeit allein machen mußte. Weder in
Werken Cranachs noch seiner Schule sind manche der hier
erwähnten Themen bekannt: Diana und Aktäon, Ein Meer-
wunder. Auch das Bildnis des Tizian ist leider verschollen.

Die Rechnung mahnt zu Vorsicht, keineswegs alle Caritas-,
Venus-, Paradies-, Herkules-Darstellungen mit so späten Da-
ten Cranach dem Jüngeren zuzuschreiben. Vielmehr können
völlig eigenhändige Arbeiten von 1550-52 Vorkommen.

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