Lüdemann, Wilhelm von
Neapel wie es ist — Dresden: P. G. Hilschersche Buchhandlung, 1827

Page: 185
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pferkeit und liebt ihn ſeiner gelegentlichen Leichtig—
keit wegen, mit ihm ſelbſt einen und denſelben Ton
anzuſtimmen. Mit der groͤßten Schnelligkeit un⸗
terſcheidet er ihn von jenem verhaßten Ingleſen
und wird verhaͤltnißmaͤßig ſchon ſeltener ſeiner
Neigung zu Prellerei und Betrug gegen ihn freien
Lauf laſſen. Gegen Landsleute wagt er ſich mit
dieſer faſt nie hervor. —

Oft wenn wir im Toledo irgend einen gemach⸗
ten Einkauf nach Hauſe trugen, traten uns zwei,
drei Lazzaront-an, nahmen uns das Gekaufte ohne
Weiteres aus der Hand, pruͤften, lobten oder ta—
delten unſern Geſchmack und wieſen uns an, wo
wir beſſer haͤtten kaufen koͤnnen. Dieſe dreiſte
Mittheilung gehoͤrt mit zu dem Charakter der Oef—
fentlichkeit, den hier alles annimmt, und der es
z. B. einem Apotheker von Largo di Caſtello
erlaubte, ſeinen Laden mit einer Inſchrift in großen
goldenen Buchſtaben zu verzieren, die ihn als eine
Spezeria mirabile per curar il mal venereo“ lob⸗
pries. ;

Doch die auffallendſten Gegenſaͤtze verſchlingen
ſich in dieſem Volk. Zu dieſen gehoͤrt auch, daß
bei aller dieſer Oeffentlichkeit diejenige Claſſe von
weiblichen Weſen, welche von der ſinnlichen Luſt
ihren Nahmen entlehnt, nie oder doch uͤberaus
ſelten zum Vorſchein kommt. Nirgends werden
hier, wie in Paris und London, kaͤufliche Reize
oͤffentlich entfaltet, nirgend ſieht man ein Sitten—

verderbniß dieſer Art dem Licht des Tages trotzen.
Die Sitte gebietet vielmehr den Nymphen Par⸗
thenopes, ſich einen eigenen Ruffiano, gleich—
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