Lüdemann, Wilhelm von
Neapel wie es ist — Dresden: P. G. Hilschersche Buchhandlung, 1827

Seite: 241
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mit einem Piſtolenſchuß zu Boden geſtreckt hatte.
Seitdem erſchien er jeden Abend bei Sonnenun:
kergang an jenem Pfeiler, ſang ſchmerzlich daſſelbe
Lied, mit dem er die Geliebte am Abend vor ih⸗
rem Tode erfreut hatte, zur Mandoline; ſtarrte Au -
dem oͤden Fenſter hinauf, an dem ihr ſtrahlender
Blick nun nicht mehr erſchien, und ſchlummerte
dann ſanft und ſinnend unter jenem Bogen Lin! —
Zernhell prangte die Nacht, feurig ſpruͤhten
die Wogen, als wir um das einfame Cap bet der
Felsklippe von Gajole und der Schule Virgils
voruͤber, dem Golph von Neapel zuſteuerten.
Doch wer beſchreibt den feenhaften Anblick dieſer
Stadt, die wie ein neuer Proteus in jedem YAus
genblick mit neuem Zauber uns umfaͤngt! Jetzt
war es der Glanz von hundert tauſend Lichtern,
die von den Hoͤhen des Vomero, von Capo
di monte, von Villen, Caſtellen und Pallaͤſten
her uns entgegenſtrahlte und blendete. In der
Tiefe war alles ein weites Lichtmeer — man unter:
ſchied die glaͤnzende Milchſtraße des Toledo an
ſeiner hoͤhern Gluth — dumpf ſcholl das Gewuͤhl
der Hauptſtadt zu unſern ſtillen Wogen her —
hinter uns verlohr ſich der Lichtglanz in das tiefe
Dunkel der Nacht, bis dahin wo das prangende
Sternenzelt des Himmels aͤuf dem Meere zu ru⸗
hen ſchien. ——
Dieſe Anſicht Neapels iſt eine der reizendſten,
die man ſehen kann und ſie behauptet fich fiegreich
eben der von den Camaldolenfern,. von
SantElmo oder vonder Villa Galio herab. —



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