Lüders, Heinrich [Hrsg.]; Kumāralāta [Hrsg.]
Bruchstücke der Kalpanāmaṇḍitikā des Kumaralāta — Leipzig, 1926

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und da die Schrift auch nicht eine Spur von zentralasiatischen Zügen erkennen
läßt, so können wir, glaube ich, mit ziemlicher Sicherheit behaupten, daß die
Handschrift, wie die meisten andern Palmblatthandschriften unserer Sammlung,
in Indien entstanden und erst später nach Turkestan gebracht worden ist.

DIE SCHRIFT UND DAS ALTER DER HANDSCHRIFT.
Wer mit der Paläographie der älteren indischen Inschriften vertraut ist,
wird in der Schrift ohne weiteres die typischen Formen der Guptazeit erkennenh
In dieser Zeit lassen sich bekanntlich zwei Schriftarten unterscheiden, die man als
die nördliche und die südliche zu bezeichnen pflegt. Die Grenze verläuft nördlich der
Narmadä, ungefähr dem 24. Breitengrade folgend. In Udayagiri (23 0 32') finden
wir eine Inschrift aus dem Jahre 401 (G I. 3) in südlicher Schrift, eine andere
aus dem Jahre 42$ (Gl. 61) in nördiicher Schrift, aber mit Beibehaltung des
A, des und des subskribierten 7^ in der südlichen Form 2. In Eran (24O 3') ist
eine Inschrift aus der Zeit des Samudragupta (G I. 2) in südlicher Schrift ge-
schrieben; drei andere aus den Jahren 484 (G I. 19), 310 (G I. 20) und dem ersten
Jahre des Toramäna (um 300; Gl. 36) zeigen nördliche Schrift. In Mandasör
(24° 3') zeigt eine Inschrift aus dem Jahre 4/3 (G I. 18) südliche Schrift, eine
andere aus dem Jahre 333 (G I. 33) und zwei weitere aus derselben Zeit (G I.
33; 34) nördliche Schrift 3. Die Daten lassen das allmähliche Vordringen der
nördlichen Schrift erkennen. Nur selten greift umgekehrt die südliche Schrift
in das Nordgebiet über. So sind die Inschriften (Gl. 33. 34) eines Vasallen
des Väkätaka Prthivisena in Nachne-ki-taläl (24° 24') in südlicher Schrift, wo-
bei indessen zu beachten ist, daß die übrigen Urkunden der Väkätakas aus
dem südlichen Gebiete stammen. Auffälliger ist das Auftreten der südlichen
Schrift in einer Inschrift des Varika Visnuvardhana aus dem Jahre 3^1 (Gl. 39)
in Bijayagadh (260 3^'); Fleets Ansicht, daß in dieser Inschrift die nördliche
Schrift vorliege, läßt sich nicht haltend
Innerhalb der nördlichen Schrift lassen sich nach den eingehenden Unter-
suchungen Hoernles wiederum zwei Typen unterscheiden, ein westlicher und
ein östlicher. Als Grenzlinie kann der 81. Längengrad angesehen werden.
Harisenas Pra^asti (Gl. l) auf der Säule in Allahabad, die aber ursprünglich in
Kösam (8l 0 2/) aufgestellt war, zeigt ebenso wie eine andere Inschrift in Kösam
1 Für die Schrift im allgemeinen verweise ich auf die am Schlüsse gegebenen Phototypien
und die Eindruckstafeln. Die letzteren, die, wie ich ausdrücklich bemerken möchte, nicht auf
mechanischem Wege hergestellt sind, sollen die Grundzeichen und ihre Verbindung mit denVokal-
z.eichen zeigen; sie geben außerdem eine Auswahl von Ligaturen und die Ziffern.
2 Über eine andere Inschrift von Udayagiri (G I. 6) in nördlicher Schrift siehe die Be-
merkungen weiter unten.
s Das in A^irgadh (21° 28') gefundene Kupfersiegel des Maukhari Sarvavarman (G I. 47),
das nördtiche Schrift aufweist, beweist natürlich nichts; das Gebiet der Maukharis lag viel weiter
im Nordosten.
4 Schon die Annahme, daß sich die alte Form des 77M noch bis zu dieser Zeit erhalten
haben sollte, ist nicht unbedenklich. Entschieden tritt aber die Form des Az, des subskribierten r,
des des wrz, des 7M für die Klassifizierung unter das südliche Alphabet ein. Mischung mit
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