Michaelson, Hedwig
Lukas Cranach der Aeltere: Untersuchungen über die stilistische Entwickelung seiner Kunst — Beiträge zur Kunstgeschichte, N.F., 28: Heidelberg, 1902

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Die stilistische Entwickelung der Kunst Cranachs.
Es ist eine Freude für den Forschenden, die innere Entfaltung
eines Künstlers an den stilistischen Wandlungen seiner Werke zu
verfolgen und dann aus den Teilen das Gesamtbild seines Schaffens
zu gewinnen. Dass bei Cranach ein Ringen und Werden deutlich
zu erkennen ist, macht die Beschäftigung mit ihm zu einer dank-
baren.
In folgendem wird versucht, dieser Entwickelung nachzugehen,
und nach den jeweilig hervortretenden Merkmalen die einzelnen
Epochen zu kennzeichnen. Dass solche vorhanden sind, hat die
neuere Kunstforschung erkannt, indem sie — und zwar im grossen
und ganzen übereinstimmend — gewisse Gruppen von Werken in
bestimmte Perioden zusammenordnete. — Da diese hier im An-
schluss an jene Vorarbeiten charakterisiert werden sollen, so ist es
unumgänglich, ganz bestimmte Zeitgrenzen festzusetzen; es muss
aber von vornherein und nachdrücklichst betont werden, dass es
sich hier um ein organisches Wachstum handelt, und dass sich
daher die Uebergänge von einer Periode zur andern auch nur all-
mählich vollziehen.
In der Hauptsache sind bei Cranach vier grosse stilistische
Wandlungen zu erkennen, nach denen der erste Abschnitt von
1504 bis 1511, der zweite bis 1518, der dritte bis 1532 und der
vierte bis zu seinem Tode anzusetzen ist.

1. Abschnitt 1504—1511.
Dank der neueren Forschung ist in den letzten Jahrzehnten eine
Reihe von Gemälden Cranachs aus dieser Zeit festgestellt und sein
„gedrucktes" Werk auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht
worden. Es ist also genügendes Material zu kritischem Ueberblicke
vorhanden.
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