Heidelberger Schlossverein [Editor]
Mitteilungen zur Geschichte des Heidelberger Schlosses — 1.1885-86

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Die literarischen Dülssmittel sind zweisellos »icht gerina ;u erachten.
Dieselben sind namentlich in der Lorm van erhaltenen Vriginal-Banakten
unentbehrlich. Lür den Laien ist es jedach schwer, diese Relationen, welche
hänfig nnr mit Zahlen reden und immer die genaue Renntniß des Bau-
werkes varaussetzen, entsprechend zu würdigen, und die Lücken, welche sie
lassen, können heute nur durch Untersnchung der noch crhaltcnen Beste
ansgesüllt werden.

Zlehnlich verhält cs sich mit den nunmehr von Prof. Zangcmeister
zusammcngestellten und kritisch gesichtctcn lllbbildungen. Die richtigc Ber-
werthung der selbständigen Blätter — denn diese können allein in Betracht
kommen — ist nur möglich, wenn man durch vergleichung mit den Ruinen
alle willkürlichen Zuthaten auszuscheiden im Ltandc ist.

Die chchwierigkeit einer erschöpfenden Beschreibung liegt darin, daß
wir es bei dem Schlosse nicht mit einem oonseguent durchgeführten cin-
heitlichen Baugedanken, sondcrn viclmehr mit einem Longlomerat von
Linzelbauten, wclche verschiedencn Zeiten und vcrschiedenen Zweeken ihre
Lntstehung verdanken, zu thnn haben. Dicse Ligenthümlichkcit hat nun,
wie leicht begreiflich, dazu geführt, daß die meisten der Schloßbeschreibungen
in das Lrtrem verfielen, die Bauten in ihrer Lntstehungszeit zu weit
auseinander zu datireu, d. h. die ältercn Lchloßbauten in zu frühe Zeit
zu versetzen. Das zn früh angenommene Datum brachte man als-
dann in verbindung mit j?ersönlichkeiten oder unklaren historischen Botizen
nnd gewann aus diese kDeise eine Bencnnung der Gebäude, welche für
einzelne derselben unrichtig ist und dazu beitrug, dic Aenntniß der Bchloß-
bauten in wesentlichen Theilen zu vcrdunkeln.

Die Absicht diescs 2lufsatzes ist es nuu, die einzelnen Bauten eincr
Untersuchung in Bezug auf ihre baulichen Ligenlhümlichkciten zu
unterziehen.

Die Art, wie die Gebäude an- odcr ineinandergesügt sind, dic Lon-
struotionen und die Architeoturformen sollen die früherc oder späterc Lnt-
stehung derselben im vergleich zu einander feststellen. Die Gemeinschaft-
lichkeit der Merkmale eines und des andern soll untcr Zugrundelegung
der an den Buinen selbst dnrch Znschriftcn oder Zahreszahlen beglaubigtcn
Lntstehungszeiten znr i?lusfiudung des Lrbauers dicnen.

Die Lrforschung des Zweckcs dcr Gebäude in einer bestimmten
Periode und die Bichtigstellung dcr Bcnennungen soll das Bild vervoll-
ständigen helfen, welches wir nns von dcm Schlosse zu derselben Zcit zu
machen haben.

Selbstverständlich bcabsichtige ich nicht, auch nur für einen Theil dcs
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