Hartmann, ... [Red.]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 61): Beschreibung des Oberamts Neckarsulm: mit fünf Tabellen, einer historisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1881

Seite: 319
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Bürg.

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Gochsen, das Schafweiderecht auf der Markung Bürg. Der
übrige Theil des Ritterguts Bürg, besteheud iu dem sog. Jäger-
uud Waldfchützeugut 4,42 üu — 14 Mrg. auf der Markuug
Bürg, 18,28 üu — 58 Mrg. auf der Markuug Kocherthüru,
261,60 Ira — 830 Mrg. Wald auf den Markungeu Bürg,
Kocherthürn, Kresbach, Lampoldshaufeu, Widderu und Züttliugeu,
ist der Faurilie v. Gemmingen-Michelfeld zugetheilt.

Ueber die Markgenofseufchaft, welche Bürg mit Kocherthürn
uud Steiu am Kocher Jahrhuuderte durch gebildet hat, siehe bei
Kocherthürn.

Weil die Reformatiou der Kirche wegeu des Verbauds mit
Kocherthüru auf Schwierigkeiteu stieß, bewirkte Eberhard vou
Gemmingen 1541 die Eiupfarrung nach Neueustadt. (Bossert,
Theol. Studien aus Württ. 1880, S. 273.) So kam es,
daß bis 1766 die Diacoui vou Neueustadt zugleich Pfarrer
vou Bürg geweseu siud. Seitdem bildet dieses eiue eigeue
Pfarrei, welche bis jetzt bekleidet habeu: Phil. Balth. Herbst
1766. M. Joh. Ge. Waaser 1789. M. Christian Gott-
lieb Blumhardt 1809 (gestorben als Jnfpektor der Basler
Missiousgesellfchaft 1838). M. Joh. Jak. Seybold 1816.
M. Karl Friedr. Jäger 1820 (verdienter Geschichtsforscher, der
währeud seiues 20jährigen Aufeuthalts iu Bürg zahlreiche Schrifreu
zur vaterländischen Geschichte veröffentlichte. Jn Bürg sind seiue
3 Söhne, die sich eineu Nameu gemacht habeu, geboreu: Karl,
Theolog, 1826; Otto, Erneuerer der Turnkunst, 1828; Gristav,
Naturforfcher, 1832). Otto Schmidliu 1841. Theod. Em.
Ed. Ad. Essich 1846. Karl Lud. Findeifeu 1873.

Auf Bürger Markung lag nördlich vom Hösseliushof der
abgegaugeue Hof Osterbach, angeblich ein Frnuenklösterleiu,
welches im Bauerukrieg zerftört worden sei; im Jahr 1547 folleu
die letzteu Vorsteherinuen des Klosters, so bald uacheinauder, daß
fie zufammeu uur eiueu Grabsteiu (iu der Kirche zu Kocher-
thürn s. d.) haben, gestorben sein. Den großen Zehnteu bekam
der Deutfchorden, den kleineu der Pfarrer von Kocherthüru. Der
Hof, welcher alt Weinsbergifch (f. u. Reg. 1313. 1382. 1410.
1497. Wib. 3, 115) auch zur St. Nikolauspfrüude in Kocher-
thüru giltpflichtig war, währeud Kloster Schönthal den großen
Wein- und Fruchtzehnten und den kleiueu Zehuten noch 1489
je hülftig besaß, foll in uubekauuter Zeit von deu Besitzeru ver-
lnssen worden feiu, weil Württemberg uud Gemmiugen das
Wild uumäßig hegten.
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