Pomtow, Hans R.
Beiträge zur Topographie von Delphi — Berlin, 1889

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Einleitung.

welche wissenschaftliche Verwerthung geradezu ausschlössen. Es fügte sich, dass ich
dieselbe in Begleitung eines Architecten unternehmen konnte, zunächst in der Absicht,
eine genaue Aufnahme des Dorfes Kastri zu bewirken, um später in der Lage zu sein,
alle von den französischen Gelehrten aufzugrabenden Gegenstände hier genau innerhalb
unseres Planes zu verzeichnen. Nur durch Wiedergabe der modernen Häuser, unter
Hinzufügung von Besitzernamen') oder Numerirung, konnten auch die antiken Mauer-
züge, Tempel- und Gebäude-Fundamente festgelegt werden, und es ferner gelingen,
Fundnotizen wie das beliebte ' dans une maison de village' oder ' divers fragments, soit
encastres dans les maisons, soit trouves dans les fouilles' u. a. für künftig zu besei-
tigen.— Der auf Taf. 1 in 1:2250 beigegebene Plan2) umfasst demgemäss nur dasjenige
Terrain, welches begrenzt wird von den Phaedriaden im N.O. und N., dem das sogen.
Philomelos-Castell tragenden Felsrücken im W. und dem neuen ct[ia£ixoc opoixo; im S.
Die Spitzen dieses ungefähren Dreiecks werden gebildet durch die Gastalia, die xaxr]

in der Richtung der Polygonmauer nach Vf. streichenden 'hellenischen Mauer', die jedenfalls da
nicht existirt, sondern höher hinauf anzusetzen ist, u. s. f.

9) Kaum hierher gehörig: Karte des zu Delphi gehörigen, heiligen Gebietes; ohne Maass-
stab; nach den Grenzbestimmungen des Monumentum bilingue entworfen von Wescher Monum. bil.
p. 102/3 (1868).

10) Ebenda p. 132/3: „plan de la terrasse du temple d'Apollon ä Delphes", echelle de
0,002 mm pour metre (also 1:500), mit hinzugefügter Scala. Auf die Richtigkeit dieses im Maass-
stab und mit scheinbarer Accuratesse angefertigten Planes bauend, hatte ich mich darauf beschrankt,
das an diesen westl. angrenzende Terrain aufzunehmen. Erst hier habe ich entdeckt, dass nicht nur
die beigegebene Scala völlig unbrauchbar, sondern auch der Maassstab selbst nur an zwei oder drei
Stellen wirklich angewendet ist. Er stimmt nur bei W.'s eigener Ausgrabung an der Ostmauer, ist
aber im fiebrigen so falsch, dass nach ihm z. B. die aufgezeichnete Polygonmauer-Länge nur 60
statt 76,50m beträgt. Ferner wiederum falsch ist die Angabe der modernen Häuser, der Exedra,
des Abstandes und der Parallelität von Polygonmauer und Tempelstufen u. s. f.

11) 'Delphoi' in Kiepert's neuem Atlas von Hellas (1879) taf. V „beruht auf dem von Lau-
rent aufgenommenen und von Ulrichs mit dem Resultate seiner Lokaluntersuchungen publicirten
(Plan), zu welchem Foucart's neuere Forschungen nichts wesentlich Neues hinzugebracht haben".

12) Der partielle Plan der neuesten franz. Ausgrabungen (1880): Bull, de corr. hell. V
p. 1 sqq., pl. VIII, nach Haussoulllierx Aufnahmen vom Architecten Loviot hergestellt, zeichnet sich
noch durch verhältnissmässige Correctheit aus (1 : 100); obwohl die Nordlinie wieder falsch ist und
man betreffs der auf dem Plan befindlichen Zeichnung einer Basis hört: lce dessein n'est pas, comme
le plan, ä l'echelle de 0,01 pour 1 metre' — in welchem dann, wird nicht gesagt.

13) Der grössere Theil von 12) neu aufgenommen durch Koldewey, Mitthl. des ath. Inst. IX
(1884) taf. XI Fig. 1 (1 m = 0,015, also 1:66,666 . .), in jeder Hinsicht vorzüglich; nur ist in Fig. 3
die Nordlinie wieder falsch."" ', ,

Diese Uebersicht ist vor der zweiten Reise niedergeschrieben; die Zahl der hervorgeho-
benen Unrichtigkeiten kann auf Grund der neuen Messungen beliebig vermehrt werden.

') Die Namenlisten hier zu publiciren, wäre werthlos; für wissenschaftliche Zwecke genügt
die durchgehende Numerirung der 325 Gebäude. Schuppen und Ställe sind der Deutlichkeit wegen
meist besonders gezählt; die Zahl der eigentlichen Häuser ist also geringer, etwa nur 250.

*) Man vergl. die im Anhang I beigegebenen ausführlichen Erläuterungen zu den Plänen.
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