Pomtow, Hans R.
Beiträge zur Topographie von Delphi — Berlin, 1889

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Das Terrain südlich der Polygonmauer.

so bleibt nur die Erklärung1) übrig, man habe dem Pausanias diese Leitung als
'Cassotis geheissen' bezeichnet, weil das Wasser aus der diesen Namen führenden
oberen Quelle herstammte und diese eben in ihrem ganzen Verlaufe so hiess. Es ist
ja auch undenkbar, dass man den Namen der Nymphe Cassotis einem künstlich ab-
geleiteten Wasserstrahl sollte gegeben haben. Dann wäre also eine Quelle Cassotis *
oben unter den Felsen und ein Leitungsbrunnen gleichen Namens mitten im Temenos
zu unterscheiden; von letzterem aus ward dann wiederum die Quelle im Adyton gespeist.

Ob das Stück Polygonmauer, das sich unmittelbar nördl. über der Nicolaos-
quelle befindet, ein Theil der von Pausanias erwähnten Brunnenmauer ist, oder wie
Curtius (Anecd. p. 3) will, zur benachbarten Lescho gehört, ist nur durch Ausgrabungen
zu entscheiden.

Zu bemerken ist endlich noch, dass die von Haus 77 zum Theater empor-
führende Dorfstrasse im Wesentlichen der Trace des alten nord-südl. Hauptweges folgt,
welcher an der Westseite des Tempels entlang in anscheinend gerader Linie zum
Theater hinaufstieg.

Was ausser dem Neoptolem-Grab und dem Steine des Kronos in dem ganzen
n. ö. Viertel des Hieron gelegen hat, wissen wir nicht.

IV.

Das Terrain südlich der Polygonmaiier.

A. Die Stoa der Athener.

Unterhalb und unmittelbar vor der Strecke B — C liegt längs derselben die
Stoa der Athener2), deren Stylobat bisher in einer Länge von 24 meter ausgegraben
ist und mit seiner Westecke etwa 33 meter westl. von A beginnt. Glücklicherweise

') Denselben Ausweg schlägt Fouc. (1. 1.) vor, um die unklaren Worte: xet/oc oe ob [Ufa
In' ociTTfj xcu ij avoSo? 8iä toü xefyoos Istiv Ith xrjv n-q-j-f^ zu deuten, indem er in ihnen die Bezeich-
nung der (z. Thl. aufgefundenen) Doppelmauer des-Aquaeductes sieht, durch welche hindurch die
d'voSo? zur Kerna-Quelle stattfinde. Dass aber innerhalb weniger Zeilen das Wort r.r^q erst 'abge-
leiteter unterer Brunnen' und gleich darauf 'obere Ur-quelle' bedeuten soll, ist unmöglich. Die Be-
deutung der Stelle kann nur durch Aufdeckung der Localität ihre Erklärung finden.

2) Vgl. die Stylobat- und Säulenansicht auf Taf. V nr. 8. Ausserdem hat sich für die fol-
gende Besprechung die Wiederholung der Westecke des Stylobats nach dem Koldewey'schen Grund-
riss (Mitthl. IX taf. XI flg. 1) als nöthig herausgestellt; sie ist unter Beibehaltung der dortigen
Buchstaben auf Taf. II fig. 2b gegeben worden.
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