Pomtow, Hans R.
Beiträge zur Topographie von Delphi — Berlin, 1889

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Per Tempel.

II.

Der Tempel.

A. Das Süd-Krepidoma.

Ulrichs (p. 37) war der erste, der die wirkliche Stelle des Tempels auffand.
Er erkannte in den heut zwischen Haus 64 und 70 streichenden Steinlagen den'Sockel
eines grossen Tempels'1). Es liegen in einer Länge von 19 m (von g—i) mehrere
Quaderschichten2) zu Tage, die östlich bei i unter Erdreich, westl. bei g unter den
Häusern (70 u. 69) verschwinden. Um die Schichtentiefe festzustellen, sowie in der
Voraussetzung hier Anatheme oder ßauglieder des Tempels zu finden, ward bei f ein
1 m breiter, 2 m nach Süden zu reichender Graben gezogen und bis zu einer Tiefe
von 11 Fuss ausgeworfen. Diejenige Schicht (a), welche in ihrer ganzen Länge
lückenlos und in situ erhalten war, besteht aus 2 m langen, 0,39 m hohen Platten aus
hellgrauem Kalkstein. Ueber ihnen stehen und liegen noch vielfach ungleiche antike
Quadern, ebenfalls vom Tempel herrührend, aber später hierher verschoben; sie bilden
den unteren Theil der S.-VVand von Haus 69. Die zweite Lage (b) ist heut in der
offenen Strecke sehr zerstört: sie reicht etwa 5 m weiter nach Osten als a und besteht
dort aus ebenfalls 0,39 m hohen Quadern. Unterhalb a erscheint ihre Oberkante stark
ausgebrochen, die klaffende Lücke hat man später mit kleinen Brocken zugesetzt.
Unter ihr beginnen in der Höhe des heutigen Erdbodens die aus mächtigen, an den
Ansichtsflächen wenig oder gar nicht bearbeiteten Blöcken bestehenden Fundament-
schichten, die z. Th. eine Höhe von 0,50 hatten. Acht solcher Lagen untereinander
(zusammen 3,50 m hoch) kamen zum Vorschein — und noch ward der Mauerfuss
nicht erreicht. Die Gesammthöhe der bisher bekannten Südkrepidoma-Schiehten beläuft
sich also fast auf 472meter.

Eine einheitliche Durchschichtung des Tempelfundaments war nicht möglich,
da solche Steinlasten bei dem steil abfallenden Terrain in keiner Weise hinreichend
hätten gestützt werden können. Es wurden daher, um den Fussboden des Tempels

') Man vergl. die oft citirte Stelle: repisAftövTE; &yv tr.i töim [ie3Tj[jißptv<üv xaite^ucila xpr]-
■m'oiov toö vs(u. Plut. de Pyth. or. 17.

3) Der unter den Schuppen 68 u. 69 befindliche Theil des Stylobats ist auf Taf. VI nr. 11
nach photograph. Aufnahme etwa in 1:65 abgebildet worden. In dem Zwischenraum und hinter den
beiden Schuppen erscheint das 'Museumsgebäude' (117).
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