Pomtow, Hans R.
Beiträge zur Topographie von Delphi — Berlin, 1889

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Weitere Aufdeckung der Ostmauer.

niss befand sieh von II nach I zu. Es ist dies Weschers 'bloc deplace avec proxc-
niees'. Auch seine Dimensionen (0,85xl,->6xO,40) gestatteten das Heraustranspor-
tiren nicht; er ist mit den 7 neuen Inschriften (XI — XVII) besonders auf Taf. IV
nr. 6 abgebildet worden; seine Stellung in der Mauer war nicht zu bestimmen, wahr-
scheinlich gehört er in die Strecke AG. Nur auf dem kleinen Raum zwischen diesen
beiden Blöcken konnte noch '/2 ni tiefer gegraben werden — der Fuss der Mauer ward
aber nicht erreicht. Ihre bis jetzt bekannte Höhe bis zur Polygonoberkante beträgt
kaum 2V2 m. Viel höher kann sie nicht gewesen sein, da das Terrain von A an
ungemein steil ansteigt. Die über den Polygonen auf HI anscheinend in situ befind-
liche Quader habe ich damals nicht als Deckquader und ihre untere Lagerfuge nicht
als Oberkante der Polygone ansehen zu können geglaubt. Es wird aber bei genauerer
Betrachtung des Plans, der sicher 4 neben einander liegende Blöcke oben in derselben
Horizontale abgeschnitten zeigt, ausser Zweifel gestellt, dass wir hier in der That den
Oberrand der Mauer ohne Deckschichten vor uns haben ■— und auch bei der Quader
stimmen die Maasse (0,38x1,00) doch mit denen der unteren Deckschicht auf der
Südseite eigenthiimlich überein. — Alle sonstigen Quadern sowie die obere Lage der
Polygone von G bis A sind herausgerissen; ein Theil von ihnen ist aber sicher noch
unter der Erde vorhanden.

Betreffs der Länge der Ostmauer sind folgende Erwägungen anzustellen: ein
etwa 20 m nördl. von A in der Mauerlinie anzusetzender Punkt K läge im Kreuzungs-
punkt der Ostmauer und der Verlängerungslinie des südlichen Tempelstylobates. Sehr
viel weiter nach Norden zu kann erstere nicht gereicht haben, denn entweder in
ganzer Breite der Tempelfront oder doch nur um weniges schmaler muss der östliche
Hauptaufgang zur Platform gedacht werden alseine, sei es allmählig, sei es in breiten
niedrigen Treppenstufen ansteigende Feststrasse, durch welche unsere Mauer1) über-
baut oder abgeschnitten wurde: hier endete die 'heilige Strasse'.

') Leider ist versäumt worden festzustellen, ob die Ostseite zu der Richtung des siidl.
Tempelstylobats oder aber zur Südseite der Polygonmauer, die ziemlich bedeutend divergiren, einen
rechten Winkel bildet; letzteres ward auf dem Plane angenommen, ist aber trotz Wescher's Vorgang,
wie ich ausdrücklich bemerke, nicht erwiesen. In gleicher Weise wurde die Entfernung AG erst
später hier auf c. 27a m berechnet; sie gilt also ebenfalls nicht als absolut genau, ist vielmehr
wahrscheinlich ein wenig grösser. Im Herbst u. Winter v. J. stand mir keine freie Stunde zu Ge-
bote, um diese beiden ziemlich schwierigen Feststellungen noch nachträglich vorzunehmen. — In-
teressant ist, dass sich auch eine antike Abbildung der Polygonmauer nachweisen lässt; es ist näm-
lich unzweifelhaft, dass in dem bekannten Relief bei Welcher Alte Denkm. II p. 37ff. (taf. II, 3), —
wiederholt von Baumeister Denkm. d. kl. A. p. 97 ■— das weiter unten im Text abgebildet ist, die
mit Dreifüssen geschmückte, nach rechts ansteigende Mauer hinter welcher der Tempel sichtbar wird,
unsere Polygonmauer darstellt. Der Nachweis wird am betr. Orte gegeben werden.
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