Probst, Hansjörg
Seckenheim: Geschichte eines Kurpfälzer Dorfes — Mannheim, 1981

Page: 305
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A. Die Voraussetzungen

1. Die Landschaft um Seckenheim

Seckenheim liegt 49° 28 Minuten nördlicher Breite und 26° 14 Minuten östlicher Länge im
nördlichen Drittel der oberrheinischen Tiefebene in 94-102 m über Normal Null im
Ortsetter. Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich auf dem Dünenzug im Rest-
Eichwald in 114 Meter über Normal Null, der tiefste Punkt am Neckarufer beim Wörthel
in 91 Meter über Normal Null.

Das entscheidende Formungselement der Landschaft ist der Oberrheinische Grabenbruch,
der einen Teil der Trennungsfuge ist, die von Oslo beginnend sich 2000 km bis an die Rho-
nemündung durch Westeuropa erstreckt. Diese Einsenkung begann vor rund 50 Millionen
Jahren im älteren Tertiär und ist heute noch nicht abgeschlossen: Das Randgebirge, Oden-
wald und Haardt genauso wie Schwarzwald und Vogesen, weicht jedes Jahr um einige
Millimeter auseinander und die Grabensohle sinkt entsprechend weiter ab, was dazu führt,
daß wir in einer erdbebenreichen Zone leben. Die in der Bruchlinie an den Gebirgsrändern
auftretende Erdwärme bewirkt das Vorkommen der zahlreichen warmen und heißen Quel-
len am Schwarzwald- und Odenwaldrand. Die Tiefe des Grabens ist durch Bohrungen, die
im Zusammenhang mit der Heidelberger Thermalquelle niedergebracht worden sind, auf
über 5000 Meter festgestellt. In diese sich langsam vertiefende ungeheure Bruchspalte wur-
den im Laufe der Jahrmillionen durch Einschwemmung Sande und Kiese eingefüllt. Im
vorderen Odenwald treten am Gebirgsrand Tiefenergußgesteine (granitische Magmatite)
aus der Karbonzeit (Steinkohlenzeit vor rund 270 Millionen Jahren) zu Tage, die
ursprünglich von bis zu 1200 Metern mächtigen Sedimenten wie Buntsandstein, Muschel-
kalk, Keuper und Jura überlagert waren. Diese jüngeren Schichten sind an der Bergstraße
abgetragen, stehen aber in den süddeutschen Schichtstufen des Buntsandsteins, des
Muschelkalks, des Keupers und des Juras nach Osten hin in dieser Reihenfolge an. Der
westliche Gebirgsrand der Haardt und das Hinterland bis Lothringen ist in gleicher Weise
gegliedert.

Die Rheinebene selbst ist in ihrer heutigen Gestalt geologisch sehr jung: Sie gehört in das
Quartär (1 Million Jahre alt) und ist von den Eiszeiten geformt. Die ungeheueren Wasser-
abflüsse dieser Kaltzeiten, in denen eine Versickerung kaum stattfinden konnte, führten
gewaltige Schottermengen aus den Gebirgen heran, die das Rheintal ständig erhöhten. Die
seitlichen Zuflüsse - hier der Urneckar - brachten ebenfalls Schuttmassen in Form eines
kegelförmigen Fächers, des Neckarschuttkegels, in die Rheinebene. Nach der letzten Eis-
zeit vor rd. 10000 Jahren hörten diese riesigen Schotterbewegungen auf, und der Rhein
begann, mäandernd in der Ebene eine Talaue auszuspülen. So ist heute diese Ebene in
zwei Stufen gegliedert, die Niederterrasse und die Talaue, die durch das Hochgestade
getrennt sind.

n den Trockenzeiten der jüngsten Warmzeit wurden durch die vorherrschenden südwest-
ichen Winde Löß und Sand ausgeweht; der leichtere Löß wurde am Gebirgsrand abgela-
gert, der etwas schwerere Sand in Form von Dünen auf dem nahen Hochgestade, der
schwere tonige Lehm blieb in der Aue zurück. In unserer Gegend störte der Neckar diese

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