Probst, Hansjörg
Seckenheim: Geschichte eines Kurpfälzer Dorfes — Mannheim, 1981

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N. Das Verkehrswesen

1. Wege und Straßen

Die ersten Straßen (via strata = planierter, befestigter Weg) in unserer Gegend sind in der
römischen Kaiserzeit entstanden. Der Verlauf der Fernstraßen war durch die Lage der
römischen Städte am Rhein, die ja auch die Übergangsstellen über den Strom darstellten,
in süd-nördlicher Richtung festgelegt. So folgt die heutige B 9, die Speyer mit Worms und
Mainz verbindet, der alten römischen Trasse. Die östliche Parallele, die bei den späteren
mittelalterlichen Dörfern Bergheim und Neuenheim den Neckar kreuzte, führte durchs
Ried. Wichtige Querverbindungen waren die Straßen Neuenheim-Ladenburg-Worms und
Bergheim-Speyer. Mit der Verbindung Ladenburg-Altrip-Rheingönheim, auf deren Trasse
die heutige Kloppenheimer Straße verläuft, war die Neckarmündung aus dem römischen
Straßennetz vollständig ausgespart. Die römischen Straßen folgten überall dem hoch was-
serfreien Hochgestade des Rheins.

Das römische Straßennetz bildete die Grundlage des mittelalterlichen Straßenverlaufs in
unserer Gegend, der sich allerdings immer wieder den politischen Strukturen unseres Rau-
mes anpaßte. Solange der Lobdengau mit seinem Vorort Ladenburg von Bedeutung war,
blieb das auf Ladenburg zentrierte römische Straßennetz mit den linksrheinischen Eck-
punkten Worms und Speyer intakt. Besonders die Ausbreitung der Diözese Worms nach
Südosten: Ladenburg-Heidelberg-Wimpfen folgte dieser vorgegebenen Achse. Auch die
Flußübergänge blieben bestehen: Worms und Speyer mit überregionaler Bedeutung, am
Neckar Ladenburg-Neckarhausen und am Rhein Altrip mit lokaler Bedeutung.
Mit der Gründung Heidelbergs durch die Pfalzgrafen am Ende des 12. Jahrhunderts wur-
de die Hauptstadt der Pfalz zum neuen Zentrum eines Straßennetzes, wie ja auch Heidel-
berg den Neckarübergang von Bergheim bis unter die Burg an sich zog (alte Brücke).
Neben die alten Verbindungen nach Worms und Speyer trat die wichtige Verbindung der
Pfälzer Hauptorte Heidelberg-Neustadt-Kaiserslautern, die über den Seckenheimer Sand
führte: (alte) Heidelberger Straße/Heerstraße. Diese Straßenverbindung Heidelberg-
Eppelheim-Grenzhof-Altrip weiter nach Rheingönheim Richtung Neustadt kreuzte im
Dossenwald am Kühbrunnen die (alte) Speyerer Straße: Ladenburg-Ketsch-Hockenheim-
Speyer. Diese alte Straßenkreuzung ist heute noch am Kühbrunnen vorhanden.
In der Höhe des heutigen Karlsplatzes in Rheinau kreuzte diese Heidelberger Straße die
alte Römerstraße (Wasenweg/Kloppenheimer Straße), die nach wie vor auf die Altnper
Fähre zuführte und die dort die überregionale Route von Heidelberg nach Neustadt über-
nahm. Nach Nordwesten wurde die Heidelberger Straße nach Neckarau fortgeführt un
endete in der wichtigen Zollburg Eichelheim. Eine zweite weniger bedeutende Route tu -
te von Heidelberg nach dem pfälzischen Hofgut Rheinhausen und von da zum vor
Mannheim. Dies Route lag südlich der Gemeinden Wieblingen-Edingen-Seckenheim un
hieß Heerstraße oder Hirschstraße. Sie kam ungefähr beim heutigen Bahnhof Friedricns-
feld Nord auf Seckenheimer Gemarkung an und mündete in den Heckweg, folgte diese
und bildete dann den (alten) Mannheimer Weg durchs Niederfeld. Diese Straße (neu
Heckweg-Zähringer Straße-Alter Mannheimer Weg) war bis ins 18. Jahrhundert die ei

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