Probst, Hansjörg
Seckenheim: Geschichte eines Kurpfälzer Dorfes — Mannheim, 1981

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L. Die Friedhöfe

1. Der alte Kirchhof
(vor 1845)

Um die katholische Pfarrkirche liegen in einem ziemlich großen Areal der Kirchhof, der
Pfarrgarten mit dem Pfarrhof und das alte katholische Schulhaus. Obwohl Kirche und
Kirchhof den höchsten Punkt des Dorfes einnehmen, waren sie zugleich durch die verhee-
renden Hochwasser des Neckars am meisten gefährdet. So bestimmte der Kampf gegen
den Anprall des Neckars das Schicksal des Kirchhofes. Die neckarwärts jäh abbrechende
alte Kirchhofsmauer kündet noch heute davon.

Geht man um die Ägidiuskirche herum, so sieht man Grabsteine und alte Mauerreste, die
noch deutlich den Umfang des früheren Kirchhofs erkennen lassen. Diese Reste der alten
Kirchhofsmauer dürften wohl die überhaupt ältesten Seckenheimer Baulichkeiten sein.
Einzelne kürzere oder längere Mauerstücke befinden sich am Süd- und Westrand. Am ein-
druckvollsten bietet sich die fast vollständig erhaltene Südostecke der Umfassungsmauer
dar. Diese Mauer ist aus den für Seckenheim typischen Bruchsandsteinen aufgeführt. Die
Sandsteine sind sehr roh zugehauen und teilweise mit grauen Feldsteinen durchsetzt. Die-
ses intakte Stück der Kirchhofsmauer zeigt beachtliche Maße. Es ist ein offenes Rechteck
von 8 auf 19 m. Die Dicke der Mauer beträgt 1,50 bis 1,70 m; Höhe rund 4 m. Die Mauer
ist durch 90 cm tiefe gewölbte Bögen gegliedert. Sechs von diesen Bögen befinden sich an
der Längsseite, zwei an der Schmalseite. Ihre Breite beträgt 2,70 m, die lichte Höhe 2,80
bis 3,00 m. Die 6 Bögen an der Längsseite sind rundgewölbt, während die beiden an der
Schmalseite gotische Spitzbögen sind. Diese Formen weisen auf das 15. Jahrhundert als
Entstehungszeit. Weitere jedoch weniger imposante Mauerreste befinden sich auf der Süd-
seite des alten Kirchhofes. Es handelt sich dabei um drei Mauerteile von zusammen unge-
fähr 30 m Länge, 2,50 m Höhe und 50 bis 70 cm Dicke. Der dritte noch erhaltene Teil der
Kirchhofsmauer ist an der Westseite der Kirche gegenüber der Sakristei zu sehen. Er ist
jedoch stark abgetragen, so daß der Blick frei in den dahinterliegenden Pfarrgarten gehen
kann. An den südlichen Mauerteilen kann man sehr deutlich erkennen, daß die alte Bebau-
ung der Stengelstraße bis hart an den Kirchhof heranging. Die noch stehenden Häuser si -
zen auf der Kirchhofsmauer auf.

Unübersehbar erinnern noch 8 alte Grabmale an die frühere Verwendung des heuti-
gen katholischen Kirchplatzes. Auf 6 Grabsteinen sind Steinmetzarbeit und Inschrift w
starkem Maße verwittert, nur zwei Grabsteine zeigen noch deutlich leserlich,
wen sie errichtet waren. Der eine stammt aus dem Jahre 1807, der andere von 1784.
Kirchhof war wie die alte Seckenheimer Pfarrkirche, die mitten auf ihm stand, s
1651 beiden Konfessionen gemeinsam. Trotzdem konnte man den Unterschie
Konfession in diesen alten Gemeinschaftsfriedhöfen deutlich erkennen. Die Kai|*°'
hatten auf ihren Grabsteinen einen Crucifixus, während die Reformierten die bu •
Darstellung mieden und daher eine rein schriftliche Gestaltung der Grabsteine ]*v0' ön
ten. An den 8 noch vorhandenen alten Grabsteinen läßt sich der Unterschied s
erkennen.

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