Probst, Hansjörg
Seckenheim: Geschichte eines Kurpfälzer Dorfes — Mannheim, 1981

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D. Die Kurmainzer Zeit 1623 -1650

1. Der Dreißigjährige Krieg

Ursache: Wachsende konfessionelle Spannungen im Reich, die vom gesamteuropäischen
Kampf zwischen Calvinismus und katholischer Gegenreformation beeinflußt werden. Die-
ser große Konflikt verband und überkreuzte sich mit dem politischen Gegensatz Habsburg
- Frankreich.

Parteien: Die „Liga" der katholischen Reichsstände unter der Führung von Herzog Maxi-
milian von Bayern, der Kaiser, Spanien, der Papst und italienische Staaten gegen die „Uni-
on" der protestantischen Reichsstände unter der Führung von Kurfürst Friedrich V. von
der Pfalz, Dänemark, die Niederlande, Schweden und Frankreich.
Verlauf: Der böhmisch-pfälzische Krieg 1618 -1623 - der niedersächsisch-dänische Krieg
1624-1630 - der schwedische Krieg 1630-1635 - der schwedisch-französische Krieg
1635 - 1648. Kriegsschauplatz war das Reich. Vom konfessionellen Bürgerkrieg entwickelte
sich der Krieg zum europäischen Machtkampf, indem sich immer mehr Mächte einmisch-
ten. Alle Versuche, Frieden zu schließen (1629; 1635), scheiterten. Deutschland wurde weit-
gehend verwüstet und entvölkert: 1620 - 19 Millionen Einwohner, 1648 - 9 Millionen.
Ergebnis: 1648 der Westfälische Friede von Münster und Osnabrück; Bestätigung der
konfessionellen Teilung Deutschlands; territoriale Gewinne für Brandenburg, Sachsen
und Bayern, Verluste für den Kaiser und die Pfalz; Unabhängigkeit der Schweiz und der
Niederlande vom Reich; Festsetzung Frankreichs (Elsaß) und Schwedens (Pommern) im
Reich; Schwächung des Kaisers - Lähmung des Reiches - fast völlige Unabhängigkeit
der Reichsfürsten.

2. Die Kriegsereignisse in der Pfalz

Nachdem Kurfürst Friedrich V. 1619 die böhmische Königskrone angenommen hat, geht
der Pfälzer Hof nach Prag. Der Kaiser erklärt Friedrich in die Reichsacht. Herzog Maxi-
milian rückt mit dem Herr der Liga vor Prag und schlägt am 7.11.1620 in der Schlacht am
Weißen Berge Friedrichs Heer vernichtend. Friedrich V. verliert Land und Krone
„Winterkönig" - und muß ins Exil. Die Pfalz ist dem Zugriff Tillys preisgegeben.
1620: Nachdem die Spanier im Spätsommer 1620 Kreuznach, Alzey und Oppenheim
erobert haben, fliehen der Heidelberger Hof und die Verwaltung kopflos und überlassen
das Land sich selbst.

1621: Der spanische General Cordoba führt im Spätsommer Truppen über den Rhein un
besetzt Bensheim, Heppenheim und Weinheim. Mansfeld erobert die Bergstraße zurüc •
Im Oktober zieht Tilly mit dem Heer der Liga vom Taubergrund durch den Odenwal

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