Schliemann, Heinrich; Schliemann, Sophia [Editor]
Heinrich Schliemann's Selbstbiographie — Leipzig, 1892

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Reise um die Erde. 25

Erreichung dieses meines grossen Lebenszweckes betrachtete.
Ausserdem hatte ich nur mit Widerwillen und weil ich für die
Zeit des langwierigen Processes mit Solovieff eine Beschäftigung
und Zerstreuung brauchte, meine kaufmännische Thätigkeit wieder
aufgenommen. Als daher der Senat die Appellation meines Gegners
abgewiesen, und dieser mir im December 1863 die letzte Zahlung
geleistet hatte, fing ich sofort an, mein Geschäft zu liquidiren.
Bevor ich mich jedoch gänzlich der Archäologie widmete und an
die Verwirklichung des Traumes meines Lebens ging, wollte ich
noch etwas mehr von der Welt sehen. So reiste ich im April
1864 nach Tunis, nahm die Ruinen von Karthago in Augenschein,
und ging von dort über Aegypten nach Indien. Der Reihe nach
besuchte ich die Insel Ceylon, Madras, Kalkutta, Benares, Agra,
Lucknow, Delhi, das Himalaya-Gebirge, Singapore, die Insel Java,
Saigon in Cochinchina und verweilte dann zwei Monate in China,
wo ich nach Hong-Kong, Canton, Amoy, Foochoo, Shangai, Tin-
Sin, Peking und bis zur Chinesischen Mauer kam. Dann begab
ich mich nach Jokohama und Jeddo in Japan, und von hier auf
einem kleinen englischen Schiffe über den Stillen Ocean nach
San-Francisco in Californien. Unsere Ueberfahrt dauerte 50 Tage,
während deren ich mein erstes Buch «La Chine et le Japon»
schrieb. Von San-Francisco ging ich über Nicaragua nach den
östlichen Vereinigten Staaten, von denen ich die meisten durch-
reiste; dann besuchte ich noch Havanna und die Stadt Mexico,
und Hess mich endlich im Frühjahr 1866 in Paris nieder, um
mich dauernd dem Studium der Archäologie zu widmen, das
ich von nun an nur durch gelegentliche kürzere Reisen nach
Amerika unterbrach."


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