Schliemann, Heinrich ; Schliemann, Sophia [Editor]
Heinrich Schliemann's Selbstbiographie — Leipzig, 1892

Page: 78
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Die Burg von Tiryns.

VI.

Tiryns. 1884—1885.

Ein paar Stunden Ton Mykenae abwärts, nahe dem flachen
Strande hebt sich nur wenig aus der breiten Thalebene heraus
ein langgezogener Hügel. Er trug den Herrschersitz von Tiryns.
Die Ringmauer, die den Hügel umgibt, ist von derselben rohen
Majestät, wie die von Mykenae; auch von ihr erzählten die Alten,
dass die Kyklopen sie im Auftrage des sagenhaften Königs Proitos
gebaut hätten. Die Nachbarschaft hat dazu geführt, dass Tiryns
bald von Mykenae abhängig wurde: der Sage nach diente der
Tirynthier Herakles dem Könige Eurystheus von Mykenae. Als
schliesslich die Herrscher von Argos sich Mykenae unterwarfen,
theilte die alte Königsburg von Tiryns mit jener das Schicksal
der Verödung. Diesem frühzeitig eingetretenen Umstände danken
wir es, dass hier in Tiryns weit deutlicher als in der immer von
neuem umgebauten und besiedelten Pergamos von Troja das
Bild eines Fürstensitzes des zweiten vorchristlichen Jahrtausends
entschleiert werden konnte.

Schon im Anfang August 1876 hatte Schliemann eine Woche
lang auf dem Plateau der Burg gegraben, um danach in Mykenae
sein Glück zu versuchen. Er war auf einige architektonische
Reste gestossen, aber ihr Werth war ihm erst nach den Ergeb-
nissen der im vorigen Kapitel geschilderten trojanischen Aus-
grabungen bewusst geworden. So schickte er sich nach Vollendung
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