Schliemann, Heinrich; Schliemann, Sophia [Editor]
Heinrich Schliemann's Selbstbiographie — Leipzig, 1892

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Lage von Mykenae. 51

achtung. Der Oberbau der Paläste verfiel, die Trümmer bildeten
eine gleichmässige Schuttmasse, über welcher Jahrhunderte da-
nach ein griechischer Tempel sich erhob. Nur die Blöcke der
Ringmauern, obwol sie keine Klammer und kein Mörtel im Innern
verband, trotzten durch ihre Grösse und Schwere aller Zer-
störung und blieben zusammen mit den unterirdischen, in die
Berge eingeschnittenen, kuppelförmig zugehenden Gräbern für
Alterthum und Gegenwart die staunenerregenden Zeugen einer
alterthümlichen fremdartigen Pracht. Diese wohlgefugten Mauern
von zwei und mehr Meter langen Steinen waren von ganz anderer
Natur als die von Troja, in denen der Entdecker das Skäische
Thor des Priamos erkannt hatte. Während dort für die kleinen
losen Blöcke die Gefahr bestand, dass die modernen Bewohner
mit leichter Mühe, wofern sie unbewacht blieben, dieselben fort-
nehmen könnten, hatte keine Barbarei an der Mächtigkeit der my-
kenischen Reste zu rütteln vermocht. Kaum hatte nun Schliemann
die Arbeiten von Hissarlik fürs erste abgeschlossen, als es ihn,
erfüllt von seiner Entdeckung der Wohnstätte des Priamos,
drängte, den Sitz des mächtigsten Feindes des troischen Königs,
das goldreiche Mykenae, wie es Homer pries, vom Schutte zu
befreien.

•; Ausgang Februar 1874 finden wir Schliemann bereits damit
beschäftigt, versuchsweise durch Anlegung von Schachten auf der
Akropolis von Mykenae die Schutttiefe festzustellen. In seinem
damals französisch geschriebenen Tagebuche notirt er am zweiten
Tage den Fund eines kleinen alterthümlichen Kuhkopfes aus Thon,
und wie er in Troja in den Gesichtsurnen die Züge der eulen-
äugigen Athena herauserkannt, so fragt er sich an diesem Tage
bereits „serait-ce une idole de Junon ßowmc?" Er ging dann noch
einen Tag mit zwei Arbeitern zum Heräon, dem uralten Tempel
der Schutzgöttin von Argos, Hera; im Tagebuche schreibt er dar-
über: „II faisait tres froid; de mes deux[ouvriers Tun avait la
fievre et ne voulait pas travailler, Tautre travaillait au commen-
cement mais ne voulait pas continuer ä cause du froid; je devais
donc travailler seul."

Nach Athen zurückgekehrt, erfuhr er, dass die türkische Re-

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