Siebmacher, Johann [Begr.]
J. Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch: in einer neuen, vollständig geordneten u. reich verm. Aufl. mit heraldischen und historisch-genealogischen Erläuterungen (Band 1,4,2): Städtewappen — Nürnberg, 1885

Seite: 311
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STAEDTEWAPPEN.

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Martens-, Mertensdorf oder so ähnlich?), hat auch den
heiligen Martin im Wappen und wiirde haben übergangen
werden können, wenn der Heilige auch wieder als Mantel-
schneider dargestellt wäre Allein ausnahmsweise hat
dieses Dorfsiegel den Heiligen als einsiedelnden Bischof
aufgefasst, sein Gebet verrichtend, und hat ihm als be-
sonderes Attribut eine feiste Martinsgans zugesellt, wel-
cher Scene die Sonne am Himmel vergnüglich zuschaut.

Massfeltl an der Werra, alt-hennebergisches Amt
und Flecken (Dorf), das bei der Theilung an Sachsen
Meiningen gefallen war. Das Ortswappen symbolisirt diese
Besitzverhältnisse: quer getheilt, oben gespalten, 1. Henne-
berg, 2. Sachsen, o. Burggrafschaft Würzburg.

Miitl’Stetlt, Dorf im Grossherzogthum Sachsen, un-
weit Apolda, hat in seinem kleinen und länglich ovalen
Siegel eine heraldisch recht erfreuliche Erscheinung, die
beweist, dass schöpferischer Geist in dieser Bildersprache
noch nicht völlig entschwunden ist. Denn während man
sonst bei Wappen-Neubildungen immer krampfhaft auf
das Mittelalter zurnckgreift. hat der brave sächsische
Stempelschneider. der dieses Siegel geschnitten, in’s volle
Leben seiner Gegenwart gefasst und einen echten Bieder-
mayer dargestellt, der mit Cylinderhut und Stock be-
dächtig über eine niedrige Brücke schreitet. Flir dieses
Wappen wäre nur ein Gelehrter der münchener „Fliegen-
den Blätter“ im Stande die richtige Devise auszuhecken.

Maubeuge, lat. Malbodium, Stadt an der Sambre
in der Grafschaft Hennegau, kam an Frankreich 1678
und gehört jetzt zum Departement Nord. Die berühmte
iNonnenabtei Benedictiner - Ordens daselbst war 661 ge-
stiftet worden und wurde bereits im 12. Jalirhundert ver-
weltlicht Das älteste Siegel des Orts von 1293, mit der
Umschrift: „CEST. Ll. SAIAVS (?). DE FRAKE. VILE.
DE. LE MAVBVEGE“, zeigt im Felde einen Strauch
mit Blumen. Aber schon 1322 siegelt die Stadt mit dem
constant gebliebenen Wappen (mit derselben Umschrift),
welches ebensowohl den Herrschaftsrechten der Aebtissin-
nen, wie der Grafen von Hennegau und selbst des Reichs
Rechnung trägt: im goldenen Felde ohne Theilungsstriche
vier Löwen und zwei Adler, nämlich iiber Eck zwei schwarze
Löwen von Flandern und zwei rothe von Holland und
oben und unten je ein schwarzer einköpfiger Reichsadler,
schrägrechts übergelegt aber und daher die flandrischen
Löwen halb verdeckend ein silberner Krummstab (Tresor
de Numismatique et de Glyptique. Sceaux des Com-
munes, 1837).

VÄttwlbi ouu, Marktüecken an der Salza im würt-
tembergischen Neckarkreis, bekannt durch sein berühintes,
1138 gestif'tetes Cisterzienserkloster. das 1556 in eine
Klosterschule umgewandelt wurde. Das Ortswappen ist
reclit complicirt: unten säuft, als redendes Wappenthier,
ein Maulthier aus einem Bronnen, neben dem links ein
Ring mit Edelstein schwebt. Ueber diesen Figuren kreu-
zen sich der Krummstab und ein Strom (die Salza) und
iiber Allem schwebt die württembergische Hirschstange.
Mehrere und ältere, gut geschnittene Siegel in der Samm-
lung des Bearbeiters.

Jlauibee*’«altle, Dorf im Kreise Ostpriegnitz,
hat einen Maulbeerbaum sicli zum Wappen erkürt. Da
aber ein solcher Baum schwerlich für Jeden erkennbar
zu characterisiren ist, so ist auf eine Abbildung verzich-
tet worden.

solches zum Wappenbilde, in gestürzter Stellung, ange-
nommen. Mit Riicksicht auf' den ernsten Zweck der Waffe
mag es bei der Farbencombination der vorliegenden Ob-
late sein Bewenden haben, welche die preussischen Farben
Weiss-Schwarz zeigt.

Meckenheiiu an der Swist, jetzt Dorf im Regbz.
Cöln, hatte 1636 Stadtrecht bekommen, aber bald wieder
aufgeben müssen. Das Stadt- und Ortswappen bildet da?
KurcÖlnische Kreuz, in der Mitte belegt mit einem Reichs-
apfel, vermuthlich aus dem pfalzbayerischen Wappen —
von 1583 bis 1761 standen bekanntlich nur geborne baye-
rische Herzoge dem Erzstift vor.

Meiliascli, Königliche Freistadt an der grossen
Kokel in Siebenbürgen, hat das Zeichen der hohen Ge-
richtsbarkeit, die offne Hand, im Wappen, die von einem
Stern und einem Halbmond im damaszirten Felde beglei-
tet ist. Umschrift des nach dem „Archiv für Kunde
österreich. Geschichtsquellen wiedergegebenen Siegels: S.
provTcial. IVDICD. ET. IVRATORV’. SFNIORV’.
DVARV’. SEDiV’. (in Minuskeln).

Meiiuslieim, Dorf im württembergischen Neckar-
kreis, an der Zaber, hat Siegel vorliegend — einen
gespaltenen Wappenschild, rechts die wiirttembergischen
Hirschhörner, links einen Angelhaken. Entweder ist die
Zaber sehr fischreich, oder ein altes Herrschaftsgeschlecht
führte dieses Wappen.

Tafel 300.

Meisenlieim, am Glan, Hauptort des gleichnami-
genKreises in der Rheinprovinz, früher zum' Fürsterithum
Zweibrücken gehörig, hat zum Wappen einen quergetheil-
ten Sehild, oben der zweibrückensche, rothe Löwe (gekrönt)
wachsend in Gold, unten eine goldene Meise in Roth. Auf
einem alten Siegel aus dem 15. Jahrh. sind beide Schil-
deshälften zierlich damaszirt. In der Umschrift, Sigillum.
civitatis. DCl. meysinheim, ist die grossgedruckte Äb-
kiirzung mir unverständlich — Schreibfehler für DCE
i^dictae) ?

Melliugen, eine der zwei Städte, die nebst zwanzig
Landvoigteien während der älteren Verfassung der Eid-
genossenschaft gemeinschaftlich mehreren Cantonen ge-
hörten, diese speziell Zürich, Bern und Glarus. jetzt dem
Canton Aargau einverleibt, führt nach einem in meiner
Sammlung befindlichen Siegel aus der Roccocozeit, eine
Kugel im rothen Felde als Wappen.

Melsuugcn, Zusatz. Wie von l’Estocq erschöpfend
in einem Aufsatz im „Herold“ nachgewiesen, ist das rich-
tige Wappen so, wie eben derselbe es in seiner Publika-
tion der Städtewappen der Provinz Heseen abgebildet:
breitbedachter, weisser Thurm irn blauen Felde. Die
Mauer rechts und links vom Thurm ist durch vorgesteckte
goldene Kreuzstäbe belebt.

Mengeriughauseß an der Twiste. die drittcStadt
des Fürstenthums Waldeck, hat zum Wappen einen quer-
getheilten Schild, oben die wachsende Gestalt des St. Ki-
lian, golden in Schwarz, unten die untere Hälfte des Lan-
deswappens, nämlich des schwarzen Sterns in Gold. Die
Deutung des Heiligen, der auf den vorliegenden Siegeln
schwer erkennbar gewesen wäre, stammt aus amtlicher
Quelle.

Jlechow , Doif im Kreise Ostpriegnitz, hat; da Meppen, Zusatz. Während eines eintägigen Aufent-

Mjek im obotritisch-slavischen Dialect Schwert heisst, ein halts in dieser Stadt 1868 hatte ich dort die Mittheilung
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