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Sponsel, Jean Louis; Grünes Gewölbe <Dresden> [Editor]
Das Grüne Gewölbe zu Dresden: eine Auswahl von Meisterwerken der Goldschmiedekunst ; in vier Bänden (Band 3): Kleinodien der Goldschmiedekunst: verziert mit Email und Juwelen, Erzeugnisse der Steinschneidekunst in Bergkristall und farbigen Steinarten in kostbarsten Fassungen, Galanteriewaren und Nippesfiguren, Kabinettstücke ; mit 59 Lichtdrucktafeln, davon 7 farbig — Leipzig, 1929

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https://doi.org/10.11588/diglit.37405#0096
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und Geschmacks gut erkennen: den Übergang des Sinnes für ruhige abgeklärte
Form und für deren sparsame, doch bis in alles Einzelne sorgfältige Verzierung
in diskreter Farbenverteilung zu dem Gefallen an derberen, ja barocken Gestal-
tungen, zu massiger Verzierung von bunter Farbenwirkung, jedesmal der Aus-
druck andersgearteter Kultur.

ZIERSCHALEN AUS FARBIGEN HALBEDELSTEINEN
In Deutschland hatte schon im Mittelalter die Herstellung von wertvolleren
Gebrauchs- und Ziergegenständen neben dem vorherrschenden Silber noch an-
dere Naturprodukte hinzugezogen, wie Straußeneier, Kokosnüsse, Tierhörner,
Perlmuttermuscheln, farbige Steine der Quarzgruppe und besonders Bergkri-
stalle. Diese Stoffe blieben auch noch im 17. Jahrhundert neben dem Silber und
vereint mit ihm bevorzugt, sie erfahren sogar bei der wachsenden Zierfreude
zugleich mit jenen noch eine eingehendere Bearbeitung durch Hinzufügung
von Verzierungen, ohne daß damit zugleich eine Bereicherung der farbigen Er-
scheinung erstrebt wurde. Es kommt aber im Mittelalter nicht ebenso häufig
vor, daß neben dem bevorzugten Bergkristall auch die anderen Steinsorten der
Quarzgruppe vom gleichen 7. Härtegrad zu Geräten verarbeitet werden. Das
Grüne Gewölbe besitzt nur wenige solcher Stücke vorwiegend kirchlichen Ge-
brauchs, so ein gotisches Gefäß aus Serpentinstein (V. 404) und ein solches mit
einer aus Amethyst-Achat hergestellten Schale (IV. 343). Als ersichtlich welt-
liches Gerät kommt hierzu ein kleiner gotischer Pokal aus hellbraunem Jaspis
(V. 488).
Erst seit der Renaissance werden jene farbigen Steinsorten wieder mehr und
mehr verarbeitet nach dem Vorgehen Italiens. Die Anregung dazu kam zu-
nächst durch die zahlreichen Funde antiker Gemmen und Kameen, die nicht
nur ihres Kunstwertes halber gesammelt, sondern vielfach schon seit dem
Mittelalter besonders zum Schmuck kirchlicher Geräte und Gefäße verwendet
wurden. Die wachsende Nachfrage nach solchen Stücken führte zur Wieder-
aufnahme der alten Techniken des Steinschliffs und Steinschnitts und zunächst
zu deren Anwendung zum Schneiden von Bildnisköpfen in den verschiedenen
Chalzedonarten wie Karneol, Heliotrop, Chrysopras, Onyx und Sardonyx. Die
italienischen Gemmenschneider verwandten ihre darin erlernte Kunstfertig-

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