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Paul Thieme

sie es nicht kannten, ist angesichts der Tatsache, daß sie bei ihren Wan-
derungen durch die salzreichen Steppen am Kaspischen Meer gekommen
sein müssen, und der bedeutenden Salzvorkommen in Sindh und im
Panjab (Salt Range), ausgeschlossen. Es scheint mir die naheliegendste
Erklärung auch die wahrscheinlichste: auf ihren Zügen lernten sie neue
Arten des Steppen- und Steinsalzes kennen, die sie mit jeweils neu-
geschaffenen Ausdrücken benannten. Man denke nur an die reiche Syn-
onymik, die sich um den Begriff „Salz“ im klassischen Sanskrit rankt:
„Liebe Kinder haben viele Namen“.
Denn sal war ursprünglich das „Seesalz“. Das dürfte sich ergeben aus
der Kombination des griech. αλς „Meer“ mit dem altind. sar-U „Strom,
Fluß“, das bedeutet haben wird: „zum Salz (sar- *sal1) [d. h. Meer]
gehend (it)“2.

E. Die Möglichkeit der Begrenzung
19. Die Bekanntschaft mit dem Ackerbau und der Schweinezucht, die
nunmehr für alle Völker feststeht, die an der idg. Gemeinsprache teil-
hatten, schließt ein Nomadenleben für sie aus: sie müssen seßhaft ge-
wesen sein. Daraus ergibt sich nun weiter, daß wir uns das Gebiet, inner-
halb dessen die Gemeinsprache verständlich war, nicht allzu umfangreich
vorstellen dürfen. Nur eine nomadische Bevölkerung vermag die Ein-
heit ihrer Sprache auch über die ausgedehntesten Landstriche festzu-
halten, da ihr vagierender Lebenswandel, der sie immer wieder in die
1 Der Wechsel von r und l hat nichts zu besagen. Daß sarit im Gegensatz zu
salila im RV ein r zeigt, liegt sicher nur daran, daß es in den älteren Teilen der
Hymnensammlung häufig vorkommt, während salila fast ganz auf das junge 10.
und 1. Mandala beschränkt ist. Vgl. dazu Wackernagel, KZ LIX, 20.
2 Als eine Ableitung von *sal- „Salz“ möchte ich das oben erwähnte säla „grau“
(kl. sära/sära „fleckig“) betrachten. Sie mag wohl schon idg. Alters sein: angel-
sächs., altengl. söl „schmutzig“ (o. S. 20). Auch altind. sära „Festigkeit, Essenz; das,
was einer Sache ihre Kraft und ihr Wesen gibt“ halte ich für eine Ableitung von
sal. Die Kraft der Speise wie das Wesen z. B. des Meerwassers beruht auf dem
Salz. Exegetisch läßt sich freilich der Zusammenhang nicht mehr nach weisen.
Schon an der ältesten Belegstelle ist sära im übertragenen Sinne gebraucht: RV
III, 53, 19, ablii vyayasva khadirdsya saram „hülle dich in die Kraft (Festigkeit)
des lchadira (-Holzes)“. Schon H. Osthoee, Parerga I 89 hat sära zu sal- gestellt.
Nur ist seine Begründung: sära sei zunächst Bezeichnung des Kernholzes gewesen,
die ihm wegen seiner dunkleren Färbung beigelegt worden sei, recht schwach.
Für das Salz sind nicht nur seine schmutzig-graue Farbe, sondern noch ganz andere
Eigenheiten, vor allem seine Löslichkeit und sein Geschmack (vgl. z. B. Ch. Up.
VI 13), charakteristisch. Außerdem ist der Ansatz „Kernholz“ (so Petersburger
Wb. für RV III, 53, 19) falsch.

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