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Die Heimat der indogermanischen Gemeinsprache

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Naucks Vorschlag, durchgehend für λείονσι: λίεσσι zu lesen, würde
den Unterschied der Wortbedeutungen verwischen und erweist sich da-
durch als ganz unwahrscheinlich. Um mit der prosodischen Behandlung
von λΐς, *λλϊς und λέων, λείων (*λλεϋ~cov oder *λληΓων) fertig zu werden
(vgl. W. Schulze, Qu. ep 70)> setzt man wohl am besten neben den
Wurzeln *levd und Hl ein *slevd und ein *sll an, was keine Schwierig-
keiten macht. [λ]λείων ließe sich als metrische Dehnung (in der Silben-
folge — ^ —x), schlimmstenfalls auch als Bildung aus dehnstufiger Wurzel
(also geschrieben für *ληίων) erklären. Das lange l von λίεσσι stammt
aus dem Nom. Sing., ist also metri caussa analogisch geneuert. Das kor-
rekte Paradigma wäre natürlich: λίς: *λϊός (vgl. κϊς, κϊός).
Beide homerischen Wörter für den Löwen müssen aus vorgriechischer
Zeit stammen: sie enthalten Wurzeln, die im historischen Griechisch
nicht mehr lebendig sind. Andrerseits sind sie jedenfalls als Benennungen
des Löwen nicht gemeinindogermanisch, wie das Fehlen von Entspre-
chungen in andern idg. Sprachen zeigt. Es ist demnach wahrscheinlich,
daß sie in nicht allzu ferner Vorzeit geschaffen wurden, als das Grie-
chische sich als Sonderform bereits von den verwandten Sprachen gelöst
hatte. Damit steht im Einklang, daß die Methoden ihrer Bildung im
Griechischen noch ganz geläufig sind und ihre Wurzeln auch sonst noch
in Spuren sich greifen lassen.
Dieses Ergebnis, zu dem der Grammatiker kommen muß, schließt sich
aufs beste zusammen mit Erwägungen ganz anderer Art. Die Gegend,
die sich uns als Heimat der idg. Gemeinsprache ergeben hat, kennt den
Löwen nicht. Andrerseits müssen die Vorgriechen ihm schon längst be-
gegnet sein, ehe sie ins eigentliche Griechenland und nach Kleinasien ein-
rückten, spätestens in den Bergen des Balkans. Als Begriff ist er für sie
älter als etwa die Zypresse, der Ölbaum und der Wein, für die man die
Benennungen entlehnte, nicht mehr aus ererbten Mitteln neu schuf.
2. Altind. laksa „Marke, Zeichen“, laksay- „achten auf,
bemerken“ und laksay- „kennzeichnen“
M. Mayrhofer GRM IST. F. III, 73, meint, laksa „100000“ könne aus
laksa „Marke, Preis, Zeichen“ entwickelt werden. Ich halte diesen Weg
für ungangbar: weder von „Marke“, noch von „Preis“, noch von „Zei-
chen“ aus vermag ich eine irgendwie einleuchtende Verbindung zu dem
Begriff „hohe Zahl, 100000“ herzustellen. Man konfrontiere nur einmal
dem von mir (o. S. 19) rekonstruierten Ausdruck *„ein Lachsschwarm von
1 W. Schulze, Qu. ep. 275ff.

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