Thiersch, Hermann
"Tyrrhenische" Amphoren: eine Studie zur Geschichte der altattischen Vasenmalerei — Beiträge zur Kunstgeschichte, N.F., 27: Leipzig, 1899

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Im Gegensatz zur korinthischen und chalki-
dischen Schwertscheide verläuft die tyrrhenische
ohne Verjüngung in gleichmäfsiger Breite bis zu
dem rundlich abgestumpften Ende, das keinerlei
Verzierung zeigt. Die Scheide ist dann durch schräg
gravierte parallele Linien verziert1), nicht felderartig,
mit diagonal sich kreuzenden Linien, wie es im
Chalkidischen Regel ist.

VARIA.

Merkwürdig ist die Form der Altäre: es ist immer dieselbe:
eine nach oben zu sich abrundende Erhöhung, mitunter bis zu halber
Mannshöhe. Es ist offenbar der Vorläufer jener omphalosartigen
Altarform (vgl. 3, 10, 24, 53 [der obere Teil nur verdeckt]), welche
nach Löwys2) und Reischs3) Untersuchungen später, im 5. und
4. Jahrhundert wenigstens, ausschliesslich auf den Kult der Heroen und
heroisierten Toten beschränkt war. Dies Resultat ergab sich den
genannten Forschern aus der Betrachtung einer Serie von Votiv-
reliefs, die alle dem attischen Kunstkreis angehören. Wir sind nun
in der glücklichen Lage, dies Ergebnis von der Vasengeschichte
aus noch weiter stützen zu können. Unsere Vasen sind gleichfalls
rein attisch — auf anderen Vasen kommt die genannte Altarstellung
niemals vor — und in zweien der vorhandenen Fälle bringt die
Auffassung des Gegenstands als Heroenaltar neues wichtiges Licht
in die Interpretation der dargestellten Szenen. Auch die von Reisch
betonte nahe Verwandtschaft mit dem tuuBo? wird durch unsere
Vasenbilder noch durchsichtiger. An des Vaters Grab erschlägt
Alkmaion die Mutter; eine riesige Schlange schiesst wütend hervor
— vgl. spätersfg. Grabesszenen — es ist der Geist des Verstorbenen
gemeint, der plötzlich drohend aus der Tiefe emportaucht, sein

r) Ebenso, mit Doppellinien, bei Exekias: W. V. Bl. 1888, VI, 2 a (Achill-
Penthesilea), bei Amasis ebenda 1889. III, 3 a.

-) Jahrb. II, p. 109 ff. 3) Bei Wissowa, Altar p. 1665.
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