Thiersch, Hermann
"Tyrrhenische" Amphoren: eine Studie zur Geschichte der altattischen Vasenmalerei — Beiträge zur Kunstgeschichte, N.F., 27: Leipzig, 1899

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gesucht, so wird auch die flotte, lebendige Natürlichkeit verständlich,
deren der Meister als ein Kind jüngerer Zeit sehr wohl fähig war,
wie die Szene im Schiff und der Kranich-Pygmäenkampf beweist.

Es sei hier noch anhangsweise gestattet, einen Blick auf
einige jener andern oben erwähnten Strömungen innerhalb der
altattischen Keramik zu werfen, welche der „tyrrhenischen" be-
sonders verwandt sind.

Da sind drei Exemplare einer sonst nicht weiter bekannten
Amphorenserie, welche Holwerda mit Unrecht den eben behandelten
tyrrhenischen Amphoren vollständig gleichsetzt. Es sind in seiner
Liste die Nummern 4—6, alle drei im Louvfe befindlich. Die
Form der Gefässe schon ist entschieden bauchiger, als es für
die tyrrhenischen Amphoren Norm ist. Das Schulterbild ist auf
Kosten der Bauchzonen mächtig entwickelt; es reicht tief herab,
so dass unter ihm nur noch ein Tierfries Platz findet. Die Henkel
stets einfach rundlich; auf der einen Seite des Halses stets P.-L.-
Band, auf der andern P.-L.-Kreuz. No. 6 (Tafel II, 5) ist entschieden
das älteste Exemplar. Zu beachten ist eine kleine, sich an älteres
anlehnende Variante in der Flügelbildung der Sphingen: zwischen
Oberrandstück und Federschicht befindet sich ein schmaler Mittel-
streif mit rot aufgemalten Federchen, also eine zweite Federschicht.

Jünger und nicht mehr ganz so sorgfältig ausgeführt wie 6
sind No. 5 und 4. An den menschlichen Figuren ist echt archaisch
die auffallende Dünne und Zierlichkeit der Gelenke und die überaus
starke Entwickelung anderer Teile, wie der Schenkel. Die Haar-
kontur über der Stirn zeigt oft die stark gewellte Linie wie im
Korinthischen. Hohe Helmbüsche haben nur die Amazonen; dabei
hat die Helmkappe selbst die kleine knappe Form, die sonst nur
bei Athena vorkommt. Der Mittelstreif der Amazonenpeploi zeigt
stets doppelt gravierte Linien als Querteilung; die vertikalen sind
immer einfach graviert. Die Füllung mit Deckweiss scheint voll-
ständig abgeblasst. Bei einem Krieger kommt auch ein knapp anlie-
gender Schuppenpanzer vor. Sehr sorgfältig sind immer die Schilde
mit ihren konzentrischen gravierten Kreislinien am Rande. Sz.:
Ochsenkopf und fliegender Adler.
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