Cranach, Lucas ; Cranach, Lucas ; Thulin, Oskar [Editor]
Cranach-Altäre der Reformation — Berlin, 1955

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RE FORMATO REN ALTAR DER SCHLOSSKIRCHE

IN DESSAU

EN letzten der großen Cranachaltäre der Reformation vollendete der
jüngere Cranach als Stiftung Joachims von Anhalt im Jahr 1565 für die
Dessauer Schloßkirche (118). Diese war als Marienkirche zugleich die große
Hallenkirche der Dessauer Gemeinde und wurde nach längerer Bauzeit
während der letzten Jahrzehnte der Reformation im Jahre 1554 vollendet.
1530 hatten die drei Brüder Joachim, Johann und der für den geistlichen
Stand bestimmte Bruder Georg in Dessau nach dem Tode ihrer altgläubigen Mutter die Re-
formation eingeführt. Wolfgang von Anhalt-Zerbst war ihnen schon Jahre vorher voran-
gegangen und war eine Stütze der evangelischen Stände im Reich. Als einer der tüchtigsten
Fürsten seiner Zeit hatte er die eingezogenen Kirchengüter der Mönchsorden und Meßstiftun-
gen zur Gründung von evangelischen Schulen und Kirchen wie zu einer großzügigen Armen-
und Krankenpflege verwandt. — Die Dessauer Anhaltiner standen in enger Verbindung mit
Wittenberg und Luther selbst. Joachim war Pate für Luthers Tochter Margarete, Luther für
Johannes’ Sohn Bernhard. Georg der »Gottselige«, wie er dann genannt wurde, widmete sich
als Geistlicher der Kirche seines Landes und der anderen evangelischen Länder. 1544 ordinierte
ihn Luther in Merseburg auch zum bischöflichen Koadjutor im evangelisch gewordenen Dom
von Merseburg. In Predigten und mancherlei Erbauungsschriften, auch in der Ausarbeitung
der Kirchenordnung für Moritz von Sachsen zeigte sich seine umfassende theologische Bildung.
Persönlich war er eine lautere Gestalt, von der Luther sagte:»Fürst Georg ist frömmer denn ich;
wo der nicht in den Himmel kommt, werde ich wohl herausbleiben.«

Diese enge Verbindung des vorbildlichen Regenten mit den Männern der Reformation sollte
auch der Cranachaltar zum Ausdruck bringen, der so zu einem evangelischen Bekenntnisbild
wurde. So hatten in den Kampfjahren der Reformation die politischen Bündnisse auf Be-
kern tnisgrundlage die Fürsten mit ihren theologischen Beratern auf den entscheidenden Reichs-
tagen vereint gesehen im Kampf gegen das Bündnis des habsburgischen Kaisertums mit Rom. —
1565 lagen diese Kämpfe schon in der Vergangenheit. Karl V. hatte resigniert und war als

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