Chronik der Stadt Heidelberg — 8.1900 (1901)

Seite: 107
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hier als überzeugter Anhänger der nationalliberalen Partei eine für
Land und Stadt ersprießliche Thätigkeit. Karl Leimbach war cine
klare und energische Natur, sür das praktische Leben geschaffen, aber
von ivealen Gedanken getragen, dabei von durchaus zuverläsffgem
Charakter, auf deffen Wort man bauen konnte. Das war die
Meinuiig aller Reden, die an seinem Sarge von zahlreichen Freunden
am 3. März geiprochen wurden. Es war ein fasl selbstverständlicher Akt
schuldiger Dankbarkeit, wenn ihm und Georg Meyer die national-
liberale Partei Heidelbergs am II. März eine Gedenkfeier widmete,
bei welcher sich die politischen Freunde aus Stadt und Land zu-
sammeiifanden und Professor Rohrhurst in herzbewegten Worten
Wesen und Wert der geschiedenen Parteisührer schilderte.

Am 11. Juni erlitt die Universität einen zweiten schweren und
unersetzlichen Verlust. Geheimerat Willp Kühne, der große Gc-
lehrte und Lehrer, erlag einem längeren Leiden, das ihn schon seit
zwei Semestern gezwungen hatte, seine Thätigkeit zu uuterbrechen.
Geboren in Hamburg am 19. November 1837, war er >871 als
Nachsolger von Helmholtz an die hiesige Universilät berufen worden,
nachdem er nach Vollendung seiner Universitätsstudien zucrst Assistent
am pathologischen Jnstitut in Berlin, dann Profeffor der Physio-
logic und Direktor des physiologischen Jnstituts in Amsterdam ge-
wesen war. Unter seiner Leitung wurde 1874 und 1875 das vhyffo-
logische Jnffilut in der Akademiestraße erbaut, in deffen Räumen er
über ein Vierteljahrhundert eine von reichen bahnbreckenden Erfolgen
begleitete wisienschaftliche und lehrende Thätigkeit ausübte. Willy
Kühue war nicht »ur cin Gelehrter von europäischcm Rufc, sondern
zugleich auch etn für allcs Große empfänglicher Geist, ein feiner
Kenner der Kunst, ein begeisterter Freund der Natur und ein Freund
heiterer Geselligkeit, voll gewinnender Liebenswürdigkeit für alle, die
sein Haus betreten durften. Er hatte den Wunsch ausgesprochen, daß
eine größere akademische Feierlichkeit bei seiner Bestattnng unter-
bleibe; so vereinigte ffch eine kleinere Trauerversammlung am I3ten
Juni vor dem Kreinatorium des Friedhoss, wo nach kurzen An-
sprachen dankbarer Kollegen und Schüler unter den Tönen Beet-
hovenscher Musik seine sterblichen Reste in die Tiefe versanken.
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