Fliegende Blätter — 42.1865 (Nr. 1017-1042)

Seite: 57
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Ein Bricfmarkrn-Sammler.

Erzählung von Crnst Pasquö.

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Richtung hin, entschiedenes Malheur mit ihren Oberkellnern
gehabt. Nach dem Tode ihres Gatten bekleidete diese höchst j
wichtige Stelle ein junger Mann, und in so ausgezeichneter
Weise, so zur vollkommensten Zufriedenheit der Wittwe,
daß die Stamm- und anderen Gäste des Schlaberndorfer j
Hofes nicht anders meinten, als daß dessen blühende Be-
sitzerin sich recht bald wieder unter das süße Joch der !
Ehe beugen, ihr verwaister Gasthof einen neuen und wahr- I
hast würdigen Herrn erhalten würde. Gäste und Gasthof,
ganz sicher auch die arme Wittwe, wären bei etwaiger Reali-
sirung sothaner Vermuthungen auch gar nicht übel gefahren,
und Frau Schnepfel that ihrerseits alles Mögliche, fast das
Unmögliche, um ihren würdigen und liebenswürdigen Ober-
kellner aus der Bahn der Vermuthungen in die der Gewiß-
heit zu leiten und zu lenken. Doch der Verräthcr hatte es
anders beschlossen. Nachdem er sich anfänglich willfährig ge-
zeigt, sich die Zuneigung der Gäste und der Gasthofbesitzerin
vollständig erworben, ging er insgeheim noch weiter und
brachte es bald dahin, daß die einzige Tochter eines reichen
Kleinhändlers und alten Stammgastes des Schlaberndorfer
Hofes ihm ebenso gewogen wurde, wie die Uebrigen. Bald
kam denn auch die Sache an's Tageslicht und der begangene
Vcrrath wurde offenbar. Der junge Oberkellner verlobte sich
mit besagter reichen Kleinhändlers-Tochter, miethete einen so
ziemlich in Verfall gekommenen Gasthof zweiten Ranges,
betitelt: „Zur goldenen Rosine", und zog bald darauf mit
seiner jungen Frau in diesen ein, auf's eifrigste bemüht,
seiner ehemaligen Beschützerin und Gönnerin, der Frau Wittwe
Schnepfel, nicht allein in allen Ehren die furchtbarste Kon-
kurrenz zu machen, sondern wenn nur irgend möglich, sie
sammt ihrem Gasthofc vollständig zu Grunde zu richten.

j . Frau Wittwe Schnepfel, die Besitzerin des Schlabern-
°0tfw Hofes, des ersten Hotels in Schlaberndorf, war trotz
Cct dreißig und einiger Jahren, die sie etwa zählen mochte,
immer eine schöne, stattliche Frau, und doch gelang
y ihr nicht, ihrem zeitweiligen Oberkellner, dem eleganten
' ^nz Kreide, welcher vor kurzer Zeit aus Frankfurt a/M.,
hohen Schule der Hütel-Beflissencn, im Schlaberndorfer
■pe als Lenker und Leiter der Table-d'hote und Verfasser
.'r Fremden-Rechnungen eingerückt war, eine Idee von ihren
Eichenden und einleuchtenden Vorzügen bcizubringcn. Frau
^^hvepfel hatte überhaupt nach dieser, und auch nach anderer

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Objekt
Titel: Fliegende Blätter
Detail/Element: "Ein Briefmarken-Sammler"
Inv.Nr./Signatur: G 5442-2 Folio RES
Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg 
Schlagwort: Briefmarke <Motiv> 
Gasthof 
Leidenschaft 
Karikatur 
Kellner 
Philatelist 
Satirische Zeitschrift 
Brief <Motiv> 
Herstellungsort: München 
Bildnachweis: Fliegende Blätter, 42.1865, Nr. 1024, S. 57
Aufnahme/Reproduktion
HeidICON-Pool: UB Fliegende Blätter 
Copyright: Universitätsbibliothek Heidelberg Die Nutzung dieses Werkes ist gemäß den Bedingungen der Creative Commons-Lizenz CC-BY-SA erlaubt (Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen).
Bild-ID HeidIcon: 145089
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